HOME

Neues Projekt, neue Jobs: Volkswagen übernimmt Teile von Karmann

Erleichterung in und um Osnabrück: Der Volkswagen-Konzern will Teile des insolventen Autozulieferers Karmann übernehmen und plant ein neues Fahrzeugprojekt. Dabei setzt VW offenbar auf das Knowhow der Karmann-Mitarbeiter. Ihre Jobs scheinen gesichert, neue kommen wohl hinzu.

Der Volkswagen-Konzern übernimmt Teile des insolventen Zulieferers Karmann. Europas größter Autobauer stellt damit eine Automobilfertigung am Karmann-Standort im niedersächsischen Osnabrück sicher. Innerhalb der kommenden Wochen soll eine neue Tochtergesellschaft names Volkswagen-Osnabrück GmbH gegründet werden. Sie soll ab 2011 ein neues Fahrzeugprojekt realisieren - möglicherweise ein Cabrio. Das teilten VW und die IG Metall am Freitag nach einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats in Wolfsburg mit. Bis 2014 sollen nach den aktuellen Planungen zudem über 1000 Arbeitsplätze aufgebaut werden. VW erwirbt von Karmann Maschinen, Anlagen und Grundstücke.

IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine sagte, die Gewerkschaft habe eine Grundlagenvereinbarung mit VW abgeschlossen. "Es waren sehr harte Verhandlungen, in denen wir aber letztlich einen Teilerfolg, mit Licht und Schatten, erzielen konnten: Osnabrück bleibt dank des Engagements von Volkswagen Automobilstandort und bietet Beschäftigungsperspektiven für die Menschen in der Region."

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte den Einstieg von Volkswagen bei Karmann. "Ich bin erleichtert, dass der Automobilstandort Osnabrück nach jahrelangen Bemühungen gerettet ist - und das in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise. Die Automobilinnovationsschmiede in Osnabrück wird Entwicklung, Serienfertigung, Karossenfertigung und Komplettfahrzeugbau betreiben", erklärte Wulff am Freitag in Hannover.

Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld

Wie die IG Metall mitteilte, verdienen die neuen VW-Mitarbeiter in Osnabrück zunächst weniger Geld als andere VW-Werker. Es gelte grundsätzlich der Flächentarifvertrag. Für den Zeitraum bis Ende 2014 werde ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen, mit dem die Beschäftigten auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Ab 2015 gilt der Flächentarifvertrag ohne Abstriche, wie die IG Metall erklärte.

VW signalisierte dafür, die momentane Belegschaft von Karmann und auch frühere Mitarbeiter beschäftigen zu wollen. Die Mitarbeiter "verfügen über langjährige Erfahrung in der Produktion von Kleinserienmodellen, auf die entsprechend des Bedarfs zurückgegriffen werden soll". Nach dem Beschluss des Aufsichtsrates über den Kauf von Karmann würden jetzt mit dem Insolvenzverwalter und den Karmann-Eigentümern abschließende Verhandlungen geführt.

Karmann hatte im April Insolvenz angemeldet. Der Zulieferer beschäftigt noch 800 Mitarbeiter. Im Juni rollte bei Karmann das letzte komplette Auto vom Band. Das Unternehmen baute in der Vergangenheit für große Autokonzerne Fahrzeuge in Kleinserie. Berühmt wurde Karmann in den Nachkriegsjahrzehnten unter anderem durch das Kultauto Karmann Ghia und die Produktion des VW-Käfer Cabrio. Daneben gibt es noch die seit April insolvente Wilhelm Karmann GmbH mit noch 902 ungekündigten Beschäftigten, die vor allem Cabriodächer als Zulieferer für verschiedene Hersteller baut. Für dieses Unternehmen zeichnet sich bisher noch keine Lösung ab.

DPA/AFP/AP / AP / DPA