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Chat-Betrug: Teure Nummern

Dubiose Partner- und Flirtvermittlungen zocken bei Singles Hunderte Euro mit Handy-Diensten ab. Interne Protokolle zeigen, wie der Betrug mit den SMS funktioniert.

Hallo! Ich bin Bea, 23 Jahre, dunkelblond und suche einen ehrlichen Mann. Wenn du's ehrlich meinst und nicht die schnelle Nummer suchst, schicke Bea an die 44141."
Markus, 21 und Zivildienstleistender* (* alle Personenangaben von der Redaktion geändert), tippte das Stichwort "Bea" in seine Handytastatur und schrieb eine SMS zurück.
"Hi bea! Ich heiße markus. Komme aus dem glottertal, liegt ungefähr 14 km außerhalb von freiburg. Kennst du die schwarzwaldklinik, steht bei uns"
"also ich bin 23 wohne nicht weit vom breisgau weg, wie schaust du denn aus?"
"Bin 182 groß und habe kurze haare. Mache gerne sport."

Die beiden schrieben sich fast täglich, wochenlang. Alles passte, Hobbys, Neigungen, Musikgeschmack. Bea wollte sich sicher sein, bevor sie sich verabredeten.
"Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig, bin schon oft auf die Nase gefallen." Auch Jan, 23, aus Stuttgart reagierte auf Beas Anzeige. Auch er flirtete mit der jungen Frau. Auch hier passte alles. Am 10. Januar wollte sie sich mit Jan am Bahnhof seiner Heimatstadt treffen.

Zu einem Treffen kam es in keinem der beiden Fälle. Markus hat für insgesamt 250 Euro Kurzmitteilungen an Bea geschickt, jede SMS für 1,99 Euro. Bei Jan stehen fast 400 Euro auf der Rechnung. "Ich muss blind gewesen sein", sagt Markus heute, "aber es hatte sich alles so gut angehört. Da habe ich die hohe Rechnung in Kauf genommen."

Was beide nicht wissen konnten: Bea ist ein Phantom, das auf den Teletextseiten von Fernsehsendern vorgibt, einen Mann zu suchen. Genau wie Elena ("Polnische Studentin, 25, sucht netten Freund"), Bianca ("Ich suche noch die große Liebe") und all die anderen. Ihre Flirt-SMS stammen von Leuten, die in der Branche "Profi-Chatter" genannt werden und die für sechs bis neun Cent pro SMS im Akkord Nachrichten am Heim-PC verfassen - alle Inhalte sind gelogen. Dahinter steckt eine wachsende Zahl dubioser Telekommunikationsanbieter, die im großen Stil die Einsamkeit vieler Menschen ausnutzen und dabei Millionen machen. Einziger Zweck der Flirtanzeigen: Handybenutzer sollen möglichst lange dazu animiert werden, teure SMS zu verschicken.

Wie systematisch die Firmen die Abzocke planen, belegen interne Protokolle, die dem stern vorliegen. Das Unternehmen 2tell erteilt in seinen Schulungsunterlagen seinen Chattern klare Anweisungen: Erfahrungsgemäß seien "alle Kunden scharf auf ein Live-Treffen. Versuch zuerst herauszufinden, woher er kommt. Dann such eine Stadt in der Umgebung (bis max. 100 km, aber so weit weg, dass du nicht plötzlich die In-Disco in Kassel kennen musst). Wenn das nicht klappt, schreibe halt, dass du beruflich viel in seiner Gegend bist, oder oder oder ... Kreativität ist hier gefragt". Hauptsache, der Kunde glaubt weiter an einen persönlichen Kontakt. "Verabrede dich mit ihm irgendwo." Für die Zeit bis zum Termin gilt Regel eins des miesen Spiels: "Frage ihn Löcher in den Bauch! Jede Nachricht sollte ein Fragezeichen enthalten."

Selbst bei der Berufsangabe müssen die Profi-Chatter klaren Vorgaben folgen: "Grundsätzlich sind alle Jobs gut, die eine hohe Belastung darstellen", schreibt 2tell intern. "Damit kannst du am besten Absagen von Treffen begründen. Natürlich bist du aber immer das, was im Bewerbungstext steht. Nur wenn da nichts steht, nimm einfach einen der folgenden Berufe: Kellnerin, Krankenschwester ..." Nur ein Job ist tabu: "Natürlich bist du keine Profi-Chatterin", mahnt die Firma begriffsstutzige Mitarbeiter, "und du arbeitest auch nicht im Call Center! Vertragsstrafe!"

Die Masche klappt: Diana ("Ich bin Hebamme"), Marion ("Kinderpflegerin") oder Sabine ("Altenpflegerin") halten ihre Flirtpartner wochenlang hin - stets platzen dann die vereinbarten Treffen. Die meisten entschuldigen sich damit, überraschend Dienst schieben zu müssen (interner 2tell-Rat: "Immer schön auf den Scheiß Chef schimpfen."), andere mit angeblicher Krankheit. Und vertrösten ihre Verehrer auf die nächste Woche. So schreibt die falsche Marion an den echten Michael: "schnief. mir geht es gar nicht gut."
"Erkältung?"
"aber wie. ich habe kopfschmerzen, halsschmerzen. heul... ich denke nicht, dass ich am samstag zum treffen kommen kann."
"Wart erst mal ab bis samstag okay?"
"ok, aber ich habe keine allzu großen hoffnungen, dass es besser wird."

Bislang bewegten sich solche Angebote in einer rechtlichen Grauzone, zumal der Preis der SMS in der Regel angegeben wird. Machen sich die Anbieter dennoch des Betrugs strafbar? Zu diesem Schluss kam nun das Münchner Landgericht in einem ähnlich gelagerten Fall. Der Kunde werde "über die Qualität der angebotenen Leistung getäuscht", um aus "der Einsamkeit oder Kontaktarmut Kapital zu schlagen", befand das Gericht. "Das ist nicht nur sittenwidrig, sondern verstößt auch gegen die Strafvorschrift." Seit der Betrug mit den teuren 0190-Telefonnummern durch eine Gesetzesänderung schwieriger wird, weichen Mediendienste zunehmend auf den Mobilfunk aus. Der ist nicht amtlich reguliert, dort existieren keine finanziellen Limits.

Hoffähig gemacht haben solche SMS-Chats Fernsehsender wie RTL, Sat1, Viva und Vox, die auf ihren Teletextseiten eigene, vergleichsweise seriöse Flirtangebote betreiben. Die sind zwar etwas anders gestrickt: Hier schickt man seine Flirtnachricht unter Pseudonym an die Teletextredaktion, die diese dann auf den Seiten veröffentlicht. Doch diese Angebote haben das Flirten mit Unbekannten erst zum Massenphänomen gemacht: Bis zu 200.000 SMS gehen bei RTL allein an einem Wochenende ein, die meisten für Flirt- und Datingseiten. 29 Cent kostet hier eine Mail.

Zwischen diesen offiziellen Teletext-Flirtseiten nisten sich zunehmend externe dubiose Anbieter mit ihren Köderanzeigen ein. Sie versprechen direkten Kontakt mit dem Partner - ohne lästigen Umweg über die Teletextzentrale. Ein gutes Geschäft für die TV-Sender, die an der Werbung verdienen. Und ein noch besseres für die Chat-Betreiber. Offizielle Umsatzzahlen gibt es nicht. Aber wenn die Masche hierzulande nur annähernd so gut läuft wie in Großbritannien, dann kommen mit der Locknummer per SMS schnell Millionen zusammen. "In England ist der Service sehr erfolgreich, und eine fünfstellige Anzahl an SMS wird täglich beantwortet", schreibt die britische Firma Stream in einer Mail an ihre deutsche Dependance. Zehntausende Mails pro Tag und Anbieter an 365 Tagen im Jahr.

In einem Gebäude im gutbürgerlichen Hamburger Stadtteil Uhlenhorst sitzt die Technikfirma Whatever Mobile, die sich auf die Abwicklung von Handy-Mediendiensten spezialisiert hat. Das Unternehmen gibt sich seriös, die Stadt Hamburg fördert es. Dabei ist Whatever Mobile die Schwestergesellschaft jener 2tell, die ihre Mitarbeiter so unverblümt ins Abzocken per SMS einweist.

Einige Dutzend PC-Chatter sind für 2tell im Schichtdienst engagiert. Damit die Flirts reibungslos von Schicht zu Schicht weiterlaufen, ohne dass der geprellte Verehrer etwas merkt, führt die Firma über jede SMS Protokoll. Markante Details werden in einem Steckbrief zusammengefasst. Der erscheint bei den Chattern rechts oben in einer vorgefassten Bildschirmmaske. "Für den Kunden ist es extrem unbefriedigend, wenn er das Gefühl hat, dass seine Partnerin bestimmte Dinge nicht mehr weiß", mahnt das Handbuch zur sorgfältigen Pflege der Steckbriefe.

Knifflig wird die Sache, wenn Flirtpartner misstrauisch werden und die teure SMS umgehen wollen, indem sie ihre Telefonnummer, E-Mail oder Adresse senden. Auch hier weiß das 2tell-Handbuch Rat: Die Chatter sollen behaupten, die Angaben seien nicht übertragen worden. Umgekehrt sollen sie anstelle ihrer eigenen Nummer Leerzeichen eintippen. Im Zweifel soll der Dienst schuld sein, der die Kontaktanzeigen schaltete. Auch über die Kosten, die den "Mädchen" angeblich entstehen, sollen die sich beschweren. Aber: "Sag ihm, dass er dir das wert ist", rät das Schulungsbuch.

Als Michael nach wenigen Wochen eine Telefonrechnung von fast 800 Euro hat, schreibt er "Kinderpflegerin" Marion:
"Kann jemand im pflegedienst so eine rechnung bezahlen?"
"ja kann man, wenn man es will ... also ich finde du bist es mir wert ... ich dir etwa nicht?"
"Wie solltest du dir das leisten können?"
"ich habe nicht nur meinen verdienst. ich habe rücklagen, mein süßer."

Nur in einem Fall verzichtet das Unternehmen gern auf weiteren Kontakt mit seiner Klientel: Wenn jemand nach all den geplatzten Treffen und horrenden Telefonrechnungen endlich doch Betrug wittert und mit dem Anwalt droht. Dann müssen die 2tell-Mitarbeiter ein spezielles Alarmfeld auf dem Bildschirm aktivieren. Der Querulant ist für die Zukunft markiert. Das Stichwort: "ANTI SPASS".

von Johannes Röhrig, Mitarbeit: Helmut Lorscheid / print
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