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Softwarefehler bei Comdirect: Onlinebanking-Albtraum: Kunden konnten sich in fremde Konten einloggen

Eine schwere Software-Panne verunsichert Comdirect Bank-Kunden. Nutzer, die sich am Montagmorgen in ihr Onlinebanking einloggen wollten, landeten in fremden Accounts - und konnten durch anderer Leute Kontostände surfen.

Comdirect

Eine schwere Softwarepanne verunsichert Comdirect-Kunden

Die Online-Bank Comdirect hat mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. "Wir haben technische Probleme bedingt durch eine Software-Einspielung", sagte ein Comdirect-Sprecher am Montag am Firmensitz in Quickborn. "Die Prüfungen laufen." Nach einem Neustart der IT-Systeme am Vormittag waren die Website der Firma sowie das Kunden-Login nach Angaben des Sprechers aber wieder verfügbar.

Zuvor landeten nach Informationen des "Handelsblatts" Nutzer nach dem Login nicht auf dem eigenen Konto, sondern auf fremden Konten. So berichtet das Blatt von einem Kunden, der sich mehrfach ein- und wieder ausloggte und dabei in verschiedenen fremden Konten landete. Der Unternehmenssprecher konnte hierzu auch am Nachmittag noch nichts sagen.

Comdirect Bank-Kunde: Zugriff auf 50.000-Euro-Konto

Das "Handelsblatt" berichtete, ein Redakteur des Blattes habe den Fall rekonstruiert und Zugriff auf ein fremdes Konto mit mehr als 50.000 Euro Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonto erhalten. Der Redakteur konnte sich in dem Account frei bewegen und etwa Kontoauszüge aufrufen. Bei einzelnen Klicks sei die Meldung "Funktionsstörung" erschienen. Comdirect-Kunden können in ihren Online-Accounts sogar Geld ohne Angabe einer Tan transferieren - allerdings nur auf eigene Konten und nicht auf fremde.

Nach Angaben des Firmensprechers werden in der Nacht zu Montag regelmäßig Software-Updates eingespielt, so auch zu diesem Wochenbeginn. Die Online-Bank hat rund zwei Millionen Privatkunden. Für sie werden rund 959.000 Depots und 1,29 Millionen Girokonten verwaltet (Stand: 1. Quartal 2016). Das betreute Vermögen betrug Ende März 39,80 Milliarden Euro.

Bei der Deutschen Bank waren von einer IT-Panne im Juni im Online-Geschäft rund 2,9 Millionen Konten betroffen. Nach Unternehmensangaben waren mehr als 13 Millionen Buchungen falsch angezeigt worden, was im Zahlungsverkehr aber folgenlos geblieben sein soll. Ursache war ein Verarbeitungsproblem, das wiederum "fehlerhaft korrigiert wurde". Die Bank traf zusätzliche Vorkehrungen in der IT, "damit sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann", wie ein Sprecher damals sagte. 

bak / DPA