Daimler-Chrysler Mercedes ruft 1,3 Millionen Autos zurück


Daimler-Chrysler muss mehr Autos zurückrufen, als das Unternehmen im Jahr herstellt: Wegen fehlerhafter Teile in der Licht- und Bremsanlage werden 1,3 Millionen Pkw "aktualisiert".

In seiner größten Rückrufaktion aller Zeiten wird der wegen Qualitätsproblemen in der Kritik stehende Autohersteller Daimler-Chrysler 1,3 Millionen Pkw seiner Nobelmarke Mercedes-Benz in die Werkstätten beordern. Die fehlerhaften Teile an der Lichtmaschine und an den Bremsen kommen überwiegend vom Zulieferer Robert Bosch.

Von dem Rückruf betroffen sind vor allem große Modelle mit Sechs- und Acht-Zylindermotoren und dabei besonders die E- und CLS-Klasse, wie Daimler-Chrysler am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. "Zu den Kosten machen wir keine Angaben", sagte ein Sprecher. Die Verbesserung der Qualität der Fahrzeuge stehe im Vordergrund. Autoanalyst Georg Stürzer von der HVB schätzt die Kosten auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. "Die Qualitätsoffensive wird das erste Quartal bei Mercedes weiter belasten", sagte Stürzer.

Weltweit 1,2 Millionen Modelle verkauft

Die Rückrufaktion ist die größte ihrer Art bei der Nobelmarke. 1,3 Millionen Autos sind mehr, als Mercedes in einem Jahr produziert. 2004 lagen die weltweiten Verkaufszahlen bei 1,2 Millionen.

Daimler-Chrysler sieht in der Aktion keinen klassischen Rückruf, sondern eine große Qualitätsoffensive, die der neue Mercedes-Pkw-Vorstand Eckhard Cordes angekündigt hatte. "Wir produzieren die beste Produktqualität aller Zeiten und möchten, dass auch in Kundenhand beanstandete Fahrzeuge auf einen Qualitätsstandard kommen, der unseren höchsten Erwartungen entspricht", sagte Cordes. Obwohl auch das gemeinsam von Daimler-Chrysler und Bosch entwickelte Bremssystem betroffen ist, betonten beide Unternehmen, die fehlerhaften Teile seien nicht sicherheitsrelevant. Es liege an den Kunden, ob sie ihre Fahrzeuge in die Werkstatt bringen wollten.

Betroffen sind alle Modelle von den Baujahren 2001 bis 2004

Ziel des Rückrufs sind alle Mercedes-Benz-Pkw mit Sechs- und Achtzylinder-Benzinmotoren, die zwischen Juni 2001 und November 2004 gebaut wurden. Bei ihnen müsse der Spannungsregler in der Lichtmaschine überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden, teilte DaimlerC-hrysler mit. Bei E- und CLS-Klasse-Modellen aus der Produktion von Januar 2002 bis Januar 2005 soll das Batteriesteuergerät eine neue Software erhalten. Die Modelle der E-, SL- und CLS-Klasse, die seit Juni 2001 gebaut wurden, haben unter anderem Probleme mit von Bosch gelieferten Druckpumpen. Zudem kann ein Kabelsatz an der Bremsanlage durch einen losen Halter durchgescheuert werden; dieses Bauteil stamme aber nicht von Bosch. Die Bremsanlage werde nun "aktualisiert", hieß es.

Bosch teilte ergänzend mit, die Probleme beträfen nur Teile, die ausschließlich für und mit Mercedes entwickelt worden seien. Andere Hersteller seien nicht betroffen. Bosch werde den Rückruf begleiten. Ersatzteile seien ausreichend vorhanden. Bereits im Mai 2004 hatte Mercedes 650.000 Mercedes-Pkw zurückgerufen, weil Kunden Fehler am elektro-hydraulischen Bremssystem SBC moniert hatten. Damals hieß es, von 1000 Fahrzeugen seien nur zwei von dem Fehler betroffen.

Zu Jahresbeginn 2005 hatten abermals Zulieferteile von Bosch für Probleme bei Mercedes-Benz gesorgt. DaimlerChrysler hatte wie andere Hersteller wegen fehlerhafter Diesel-Einspritzpumpen die Produktion zeitweise unterbrochen. Der inzwischen weltgrößte Autozulieferer arbeitet eng mit Mercedes zusammen und galt lange als Haus- und Hoflieferant des Stuttgarter Autobauers. Im Streit um die Dieselpumpen war das Verhältnis vorübergehend abgekühlt. Wer die Kosten für die Produktionsunterbrechung trägt, ist noch unklar. Im Februar hatte General Motors 155.000 Pickups und sportliche Geländewagen zurückgerufen, weil ein von Bosch gelieferter Bremskraftverstärker überprüft werden soll.

Im vierten Quartal war die gewöhnlich ertragsstarke Mercedes Car Group unter anderem wegen hoher Kosten für die Beseitigung von Qualitätsproblemen nur knapp einem Verlust entgangen. Im Gesamtjahr hatte die Gruppe, zu der die Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach gehören, einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte erlitten.

Reuters Reuters

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