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Kaffeekönig Albert Darboven: Familienkrach ums Kaffee-Erbe: Der Patriarch, der verstoßene Sohn und eine pikante Adoption

In der Hamburger Kaffee-Dynastie Darboven tobt ein Streit ums Familienerbe: Firmenpatriarch Albert Darboven hat seinen Sohn verstoßen - und will lieber den Spross der Konkurrenz-Kaffeefamilie Jacobs adoptieren.

Albert Darboven beim Galopp-Derby in Hamburg

Albert Darboven beim Galopp-Derby in Hamburg

DPA

Der Hamburger Kaffeehersteller Darboven blickt auf eine stolze Familientradition zurück. Seit mehr als 150 Jahren handeln die Darbovens mit Kaffee, die bekanntesten Marken sind heute Mövenpick, Alberto und Idee Kaffee. Die Frage ist nur, wie es weitergeht mit dem stolzen hanseatischen Handelshaus. In der Familie Darboven tobt seit Jahren ein Familienstreit um die Zukunft des Unternehmens, der in dieser Woche noch einmal eskaliert ist.

Im Zentrum steht das Zerwürfnis zwischen dem 82-jährigen Firmenchef Albert Darboven und seinem Sohn Arthur. Obwohl die Statuten der Firma vorsehen, dass das Unternehmen im Familienbesitz bleibt, will der Vater unbedingt seinen Sohn auf dem Chefsessel verhindern. Zu diesem Zweck plant er, die Firmenleitung statt an seinen leiblichen Sohn an einen adoptierten Sohn weiterzugeben.

Adoptivsohn soll an die Spitze

Als Ersatzsohn hat er mit Andreas Jacobs ausgerechnet den Spross der Bremer Kaffeefamilie Jacobs ausgeguckt. Die Jacobs haben ihr Kaffeeunternehmen bereits 1990 an Kraft Foods verkauft. "Albert und Edda Darboven verbindet mit Herrn Dr. Jacobs eine langjährige tiefe Freundschaft", heißt es in einer Erklärung vom Montag. "Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen", sagte Darboven. "Aber das ist eine rein familiäre Angelegenheit, die nur uns drei betrifft." Als Grund nennt Darboven "die Wahrung und langfristige Absicherung meines Lebenswerkes", die er als seine "oberste Pflicht als Unternehmer" verstehe. "Es ist kein Geheimnis, dass wir Herrn Dr. Jacobs nicht nur privat verbunden sind, sondern ihn auch als einen herausragenden Unternehmer schätzen, der unser volles Vertrauen genießt."

Einen herausragenden Unternehmer kann Darboven gebrauchen. Das Unternehmen ist der kleinste der fünf großen Kaffeehersteller in Deutschland. Mehr als 900 Mitarbeiter arbeiten für das Kaffeehaus, das 2016 allerdings einen Verlust von 4,6 Millionen Euro einfuhr. 2017 sei wieder ein Gewinn in Höhe von knapp 16 Millionen Euro erwirtschaftet worden, erklärt Albert Darboven.

Offener Brief des besorgten Filius

Die Adoptions-Erklärung des Patriarchen, der den Konzern seit 1960 führt, ist eine Reaktion auf einen Brief, mit dem sich Sohn Arthur gemeinsam mit seinen Cousins Arndt und Behrendt Darboven sowie deren Mutter Helga Darboven am Wochenende an die Öffentlichkeit gewandt hatten. "Wir sind in tiefer Sorge um dieses Unternehmen, an dem wir zusammen 42,5 Prozent der Anteile halten", schreiben die jüngeren Darbovens.

"Es ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Albert Darboven, unser Vater beziehungsweise Onkel, die Führung des Familienunternehmens an Dr. Andreas Jacobs übertragen will", erklären die jüngeren Darbovens. Sie warnen vor einem "Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie". Man werde sich mit allen juristischen Mitteln gegen die Adoption von Andreas Jacobs wehren, legte Sohn Arthur in der "Bild" nach.

Albert Darboven wurde einst selbst adoptiert

Aber warum will Vater Darboven seinen Sohn nicht als Nachfolger und stattdessen lieber einen Jacobs ins Unternehmen holen? Arthur Darboven entstammt der ersten Ehe Alberts und wuchs nach dem Ende der Beziehung bei der Mutter auf. Dennoch stieg der einzige Sohn des Patriarchen 2001 in den Familienbetrieb ein. Doch das ging nur ein paar Jahre gut, bis Vater und Sohn heftig aneinander krachten. "Mein Vater und ich hatten unterschiedliche Auffassungen über die Strategie und das Geschäft", erklärte Arthur Darboven kürzlich der "Welt". 2009 verließ er das Unternehmen im Streit und handelte auf eigene Faust mit Kaffee weiter.

Zwischen Albert Darboven und dem 54-jährigen Andreas Jacobs dagegen stimmt die Chemie weit besser. Beide gelten als große Liebhaber des Pferdesports und kennen sich seit vielen Jahren. Da die Jacobs-Familie ihr Kaffeeimperium bereits Anfang der Neunziger verkauft hat, ist Andreas Jacobs derzeit ein Kaffee-Erbe ohne Kaffeeunternehmen. Das könnte sich bald ändern. Warum für Kaffeekönig Albert Darboven eine Adoption alles andere als abwegig erscheint, mag auch an seiner eigenen Geschichte liegen: Er ist selbst nicht durch Geburt, sondern per Adoption an die Spitze des Darboven-Imperiums gekommen. 

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mit Agenturmaterial
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