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Dating-Branche: Das Online-Geschäft mit der Liebe boomt

Die deutsche Online-Dating-Branche hat im Jahr 2006 zum ersten Mal die 100-Millionen-Euro-Schwelle durchbrochen. Insgesamt haben Singlebörsen, Partnervermittlungen und Seitensprung-Portale zusammen 116 Millionen Euro umgesetzt.

Von Tobias Bayer, Frankfurt

Das Geschäft mit der Liebe im Netz ist ein Wachstumsmarkt. Neben vielen kleinen unabhängigen Anbietern sind auch zunehmend große Medienkonzerne und Verlagshäuser mit von der Partie. Die Holtzbrinck Verlagsgruppe ist mit Parship vertreten, Hubert Burda Media mit Elitepartner, Friendscout24 gehört zur Deutschen Telekom und Ilove zum US-Unternehmen Verisign. Dabei ist Deutschland fest in der Hand deutscher Unternehmen. 92 Prozent aller Anbieter sind deutsche Player. Der Umsatzsprung auf 116 Millionen Euro im Jahr 2006 entspricht einer Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies geht aus der aktuellen Studie "Online-Dating-Anbieter in Deutschland" der Branchenberatung Singlebörsen-Vergleich hervor. Die Umfrage unter 46 Unternehmen lag der FTD exklusiv vor.

Werbung ist nur sekundär

Nicht nur das hohe Wachstum in den vergangenen Jahren lockt die Unternehmen an. Das Flirten im Netz verspricht auch stetige Mittelzuflüsse. Denn Werbung ist für Online-Dating-Anbieter im Gegensatz zu vielen anderen Geschäftsmodellen im Netz keine entscheidende Erlösquelle. Mit 90 Prozent geht der Großteil des Umsatzes der Dating-Industrie auf Einnahmen zurück, die der Kunde leistet. "Es dominiert hier sehr deutlich der zeitraumbezogene Mitgliedsbeitrag. Pay-per-Use-Mitgliedsbeiträge wie beispielsweise beim Flirt per SMS-Zusatzfunktion spielen kaum eine Rolle", heißt es in der Studie. Bei den Singlebörsen dominierten Premium-Abos für Männer, bei den Partnervermittlungen Premium-Abos für alle.

Angesichts der großen Vielfalt der Angebote ist es für die Unternehmen allerdings schwierig, die Besucher dauerhaft an ihre Seiten zu binden. Auf den allerwenigsten Portalen schauen täglich mehr als 100.000 Mitglieder vorbei. Das gelingt im Ganzen nur 4,7 Prozent der Studienteilnehmer. Zum Vergleich: Bei der führenden Studenten-Community StudiVZ, die der Holtzbrinck-Verlag im Januar für geschätzte 80 Mio. Euro schluckte, sind täglich über 300.000 der rund 1,8 Millionen deutschsprachigen Mitglieder online. Das entspricht einer Quote von knapp 17 Prozent. "Demnach schaffte es kein Online-Dating-Portal, im Jahresmittel mehr als eine Million Mitglieder pro Monat in den Mitglieder-Bereich zu locken. Rund ein Viertel der Player kann aber zumindest über 100.000 aktive Mitglieder pro Monat vermelden", lautet das Fazit der Studie.

Die Unternehmen rechnen deshalb mit einer Konsolidierung: "Die Unternehmen sehen für das Online-Dating insgesamt weiterhin rosige Zeiten voraus, erwarten aber, dass der brancheninterne Wettbewerb Opfer finden wird", schreiben die Autoren der Studie, Dirk Pflitsch und Henning Wiechers von Singlebörsen-Vergleich. Dafür spricht nicht zuletzt, dass sich das rasante Umsatzwachstum aller Voraussicht nach abschwächen wird. Für 2007 wird mit einer Zuwachsrate von nur noch zehn Prozent auf 127,3 Millionen Euro gerechnet. Um sich vor Umsatzrückgängen zu wappnen, planen über 40 Prozent der Unternehmen die Expansion in angrenzende Geschäftsfelder, beispielsweise die Entwicklung von der reinen Singlebörse hin zur Partnervermittlung, die auf psychologischen Tests basiert.

Mehr Männer als Frauen

Die Männer sind bei der Partnersuche im Netz klar in der Mehrheit. Auf sechs männliche Online-Dating-Mitglieder kommen vier weibliche. Auf Seitensprung-Seiten sind sogar 75 Prozent der User Männer. Bei der Partnervermittlung ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Dreiviertel der Online-Dating-Mitgliedschaften werden von Menschen zwischen 21 und 45 eingegangen. In den Partnervermittlungen liegt der Altersdurchschnitt bei 40 Jahren.

FTD