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Dax-Vorstandsgehälter: Was verdienen deutsche Manager?

Die Gehälter der deutschen Spitzen-Manager sind im vergangenen Jahr im Schnitt um 7,7 Prozent gestiegen - auf durchschittlich 1,9 Millionen Euro. Steigerungsraten von denen Tarifangestellte nur träumen können. stern.de listet auf, welcher Dax-Vorstand was verdient.

Die Gehälter in den Führungsetagen der 30 Dax-Unternehmen sind 2006 deutlich stärker gestiegen als die Löhne von Angestellten und Arbeitern. Nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verdiente ein Vorstand durchschnittlich rund 1,9 Millionen Euro. "Damit haben die Vorstände im Schnitt 7,7 Prozent mehr Geld erhalten", resümierte DSW-Expertin Christiane Hölz in Frankfurt. Die Tarifgehälter von Angestellten hatten im Vergleich dagegen nur um 1,2 und die von Arbeitern um 1,5 Prozent zugelegt.

13.211.743 Euro - Millionengehälter wie dieses von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schüren alljährlich Neid und sorgen für hitzige Debatten. Kommentatoren werfen Managern "Gier" und "Selbstbereicherung" vor, die meisten Arbeitnehmer haben kein Verständnis für solch gigantische Summen, die sie in ihrem ganzen Leben nie verdienen werden.

Grundgehalt ist meist nicht das tatsächliche Gehalt

Die Konzerne argumentieren, sie müssten Führungskräfte angemessen entlohnen, damit diese nicht ins Ausland abwandern. Gewerkschaften halten das für Propaganda und fordern seit langem eine Obergrenze für Managerbezüge. Ein Problem dabei: Trotz der per Gesetz verordneten neuen Offenheit weiß außerhalb der Chef-Etagen kaum einer genau, was die Top-Manager wirklich verdienen. Viele von ihnen bekommen außer einem Grundgehalt in siebenstelliger Höhe ein Anrecht auf Aktien des Unternehmens zugesprochen, das sie später zu Geld machen können.

Der Handelskonzern Metro schraubte die Bezahlung seiner Chefetage unter allen Dax-Gesellschaften mit rund 60 Prozent am stärksten nach oben. Ein Metro-Vorstandsmitglied erhielt 813.000 Euro fix und weitere 1,8 Millionen Euro als variable Zahlung. Der Gewinn je Aktie habe mit einem Plus von sieben Prozent bei diesen Zuwächsen allerdings nicht mithalten können, merkte Hölz an. Bei der Allianz konnte sich die Führungscrew über ein Gehaltsplus von knapp 30 Prozent freuen.

Wenig Verständnis zeigte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker für sechs Unternehmen, die ihren Vorständen höhere Gehälter gewährten, obwohl sie 2006 ein schlechteres Ergebnis erzielt hätten, darunter Post, Telekom und Infineon. "Wenn einer schlechter ist, dann soll er auch weniger kriegen", sagte er. Hocker forderte die Politik auf, für noch mehr Transparenz zu sorgen. So müssten für die Angaben feste Standards geschaffen werden. Ein blinder Fleck seien etwa Pensionszusagen an Vorstände.

Millionenbezüge seien nicht grundsätzlich für problematisch

Selbst Bundespräsident Horst Köhler trieben die galoppierenden Vorstandsgehälter kurz vor seinem Amtsantritt um. In der ARD versicherte er im Mai 2004, er wolle die Arbeit der Top-Manager kritisch begleiten: "Es ist ja nicht so, dass die Wirtschaftsführer in Deutschland sozusagen glänzen durch Einfühlungsvermögen und Vorbildfunktion."

Der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft hält die Millionenbezüge nicht grundsätzlich für problematisch. "Wer den Wert eines Unternehmens messbar und nachhaltig steigert, also für dauerhafte Wertschöpfung sorgt, der sollte auch angemessen daran beteiligt werden. Das kann dann auch in die Millionen gehen", sagt Verbandspräsident Ulf D. Posé. Es stelle sich aber schon die Frage, "ob der Beitrag eines Managers zur Wertschöpfung ebenso gigantisch ist wie der Unterschied zwischen seinem Gehalt und dem Gehalt eines einfachen Angestellten".

Doch die Top-Verdiener in den deutschen Vorstandsetagen ernten nicht nur Kritik: 13,2 Millionen für Ackermann seien "immer noch fast zu wenig für all das, was er seit 2002 geleistet hat", heißt es in einem auf "Focus Online" veröffentlichten "Gegenruf". Der Schweizer habe die größte deutsche Bank international an die Spitze herangeführt und damit tausende Arbeitsplätze gerettet: "Er hat es sich buchstäblich "verdient".

Reuters/Jörn Bender/DPA / DPA / Reuters