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Deutsche Bank: Ackermann macht auf Optimismus

Nach der verheerenden Jahresbilanz der Deutschen Bank versucht Josef Ackermann, die Stimmung zu retten. Das Januar-Geschäft der Bank sei hervorragend gelaufen, betonte der Chef des größten deutschen Kreditinstituts. Das stimme "bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009".

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht zu Jahresbeginn erste Anzeichen für eine Geschäftsbelebung. Im Januar habe das Institut Erträge von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, sagte der Schweizer am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Das liege deutlich über dem Vorjahreswert und nur knapp unter dem Spitzenwert von 2007. "Das stimmt uns bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009", betonte der Vorstandschef.

Zugleich wies er darauf hin, dass Prognosen in diesen Zeiten äußerst schwierig seien. Die Wirtschaftskrise stelle Kunden und Finanzindustrie vor große Herausforderungen. Ackermann zeigte sich jedoch überzeugt, dass die Deutsche Bank erfolgreich aus der Krise hervorgehen würde.

Der Schweizer erwartet auch keine größeren Belastungen mehr aus den Risikopositionen des vergangenen Jahres, wie etwa bei großen Übernahmefinanzierungen sowie gewerblichen Immobilienkrediten. Die Rückstellungen für die angeschlagenen Kreditversicherer seien ebenfalls ausreichend. Nach dem ersten Jahresverlust in der Nachkriegsgeschichte richte die Deutsche Bank ihr Investmentbanking neu aus. "Wir ziehen Ressourcen aus den Geschäftsfeldern ab, bei denen eine baldige Erholung unwahrscheinlich ist", sagte er. Dazu gehört unter anderem ein wesentlicher Teil des Eigenhandels.

An der Börse bauten die Aktien der Deutschen Bank nach den jüngsten Äußerungen Ackermanns einen Teil ihrer Verluste wieder ab und notierten nur geringfügig im Minus. "Den Aktien hilft, dass die Deutsche Bank jetzt sagt, dass sie einen goldenen Januar gehabt haben", sagte ein Händler.

Zuvor hatte die Deutsche Bank mitteilen müssen, dass das Kreditinstitut im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro vor Steuern gemacht hat. Nach Steuern ergab sich ein Minus von 3,9 Milliarden Euro. Die Bank hatte bereits Mitte Januar vor einem Verlust dieser Größenordnung gewarnt. Im vierten Quartal ergab sich ein Nettoverlust von 4,8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Institut noch eine Milliarde Gewinn gemacht. Es ist der erste Jahresverlust der Nachkriegsgeschichte bei dem größten deutschen Geldinstitut.

"Wir sind absolut unzufrieden mit unserem Ergebnis im vierten Quartal und dem daraus resultierenden Verlust im Gesamtjahr 2008", erklärte Ackermann. Die zuvor nie erlebten Marktverhältnisse hätten einige Schwächen im Geschäftsmodell erkennen lassen. "Deshalb ändern wir unsere Aufstellung", erklärte er.

Allerdings will die Bank weiter ohne Staatshilfen durch die Krise kommen. "Wir haben noch einen Restbetrag von zehn Milliarden Euro, den wir dieses Jahr refinanzieren müssen am Kapitalmarkt. Das werden wir ohne Probleme schaffen", sagte Ackermann. "Wir müssen weder den Staat noch den Staatsfonds um Kapital bitten."

Ebenfalls festhalten will Ackermann an seinem Ausstieg aus dem Dax-Konzern im nächsten Jahr. "Die Hauptversammlung 2010 ist mit Sicherheit mein letzter Tag", sagte Ackermann. Zugleich bekräftigte er, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand nicht in den Aufsichtsrat der Bank wechseln will.

Reuters/DPA/AP

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