Deutsche Bank Sex auf Spesen ist gewesen


Die Deutsche Bank verbietet ihren Mitarbeitern Bordellbesuche auf Spesen und verordnet einen asketischen Umgang mit Firmengeldern. Das heißt Duschen in der Flughafen-Lounge, Bahnfahren zweiter Klasse - und kein Geld mehr für "Erwachsenenvergnügungen".
Von Nina Luttmer und Nikolaus Röttger

Ach ja, früher: Natürlich nahm man auf einer Geschäftsreise ein Taxi zum Flughafen. Natürlich flog man Businessclass. Und natürlich spendierte man beim Geschäftstermin seinem Gast - und sich - noch eine zweite Flasche Wein. Und manchmal auch noch eine dritte. Selbstverständlich zahlte die Firma. Und es gehörte zum guten Ton, dass niemand im Unternehmen fragte, was genau die Spesenabrechnung beinhaltet.

Aber das war früher. Unternehmen werden zunehmend knausrig. Gut, manche Regelung ist spätestens seit dem VW-Lustreisenskandal ja sogar nachvollziehbar. "Die Deutsche Bank billigt keinerlei Erwachsenenvergnügungen und wird solche Ausgaben nicht ersetzen", heißt es in einer Spesenrichtlinie des Instituts aus diesem Monat. Die Verordnung betrifft den Bereich "Kommunikation und Soziale Verantwortung", 800 Mitarbeiter sind dort tätig; mit kleineren Abweichungen gilt das Regelwerk aber für das gesamte Institut. Zudem solle die Firmenkreditkarte nicht für derartige Vergnügungen genutzt werden, zitiert der "Spiegel" aus der Spesenrichtlinie. Was genau die Bank unter Erwachsenenvergnügungen versteht, definiert die Verordnung zwar nicht - aber wer schon mal über die Reeperbahn in Hamburg gelaufen ist, weiß, was gemeint ist.

Die meisten Mitarbeiter der Deutschen Bank dürften allerdings ganz andere Verschärfungen der Spesenordnung ihres Instituts beschäftigen: Etwa dass reisende Mitarbeiter, falls sie frühmorgens mit dem Flieger ankommen, in der Airport-Lounge duschen sollen, statt das Hotelzimmer bereits für die Vornacht zu buchen. Oder dass Taxifahrten während eines Streiks im öffentlichen Nahverkehr vorab genehmigt werden müssen. Schluss ist auch mit teuren Geschäftsessen: Das erlaubte Genussmaximum liegt bei 65 Euro pro Person. Und die erste Klasse der Bahn darf in den USA gar nicht mehr, in England erst ab Fahrten von mindestens zwei Stunden genutzt werden.

Bei Continental immer mit dem günstigsten Anbieter

Die Spesenkosten sind für viele Unternehmen massiv: Im Jahr 2006 gaben deutsche Firmen insgesamt 46 Milliarden Euro für Reisen ihrer Angestellten aus. Ersparnisse erhoffen sich viele Konzerne zum Beispiel durch kürzere Reisen. Mit Erfolg: Inzwischen kommt jeder zweite Geschäftsreisende ohne Übernachtung aus, seit 2003 steigt die Zahl, so eine Analyse des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR). Die durchschnittliche Dauer einer Reise verringerte sich in den vergangenen fünf Jahren von 2,6 auf 2,2 Tage. Andere führen wie die Deutsche Bank ein strenges Regelwerk.

Beim Autozulieferer Continental müssen alle Angestellten, Vorstand inklusive, mit dem billigsten Anbieter fliegen - egal ob dieser Air Berlin, Tui Fly, Germanwings oder Lufthansa heißt. Wer einen Flug buchen will, ruft beim Callcenter an. Dort sucht ein externer Dienstleister die günstigsten Angebote heraus. Erst wenn die Reise genehmigt ist, wird sie auch gebucht. Außerdem hat das Hannoveraner Unternehmen festgelegt, wie groß ein Mietwagen und wie teuer ein Hotel am Zielort sein dürfen.

Betrübt über die immer strengeren Abrechnungsregeln sind nicht nur die betroffenen Mitarbeiter, sondern auch die Dienstleister im Rotlichtmilieu. Erst kürzlich wurde Hamburgs ältestes Bordell, das Luxor an der Großen Freiheit, geschlossen. In einem Medienbericht schwärmte die dort bis dahin arbeitende Prostituierte Ela von den goldenen Zeiten. "Da hat ein Mann, die Zigarre im Mund und das Champagnerglas in der Hand, auch mal drei Frauen mit nach oben genommen", erzählte sie. Meist sogar auf Spesen. "Das Geld sitzt aber längst nicht mehr so locker."

FTD

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