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Er streicht 15.000 Stellen: Sparboss John Cryan - die britische Axt in der Deutschen Bank

Privat liebt er Opern, aber im Job ist er knallhart: Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan verkündet bei seinem ersten öffentlichen Auftritt einen radikalen Sparkurs. Tausende Stellen sollen wegfallen, Hunderte Filialen werden geschlossen. Wer ist der Mann?

John Cryan will die Deutsche Bank mit Brachialgewalt auf Kurs bringen

John Cryan will die Deutsche Bank mit Brachialgewalt auf Kurs bringen

Vier Monate hat John Cryan seit seiner Berufung zum neuen starken Mann der Deutschen Bank im stillen Kämmerlein gebrütet. Der Plan, mit dem er nun an die Öffentlichkeit getreten ist, ist radikal. Cryan ist zu dem Schluss gekommen, dass er viele seiner Angestellten nicht mehr braucht. 9000 Arbeitsplätze will Cryan in seinem Institut streichen, 4000 davon allein in Deutschland. Weitere 6000 Jobs bei externen Dienstleistern fallen dem Sparkurs ebenfalls zum Opfer. Zudem will Cryan 200 Filialen dichtmachen und den Aktionären 2015 und 2016 keine Dividende zahlen.

Da zudem der Verkauf der Postbank beschlossene Sache ist, wird die Belegschaft des Konzerns bis 2018 um etwa ein Drittel sinken. Erst dann rechnet Cryan auch wieder mit nennenswerten Gewinnen. Wer ist der Mann, der die wichtigste deutsche Bank  so radikal schrumpfen will, wie niemand zuvor?

Als Sanierer bekannt

Seinen Ruf als Sanierer hat sich John Cryan im Ausland erworben. Als Finanzchef der UBS (2008-2011) wirkte er maßgeblich am radikalen Umbau des Schweizer Finanzriesen mit, räumte unter anderem Giftpapiere aus der Bilanz und verhalf der UBS zu neuem Vertrauen an den Finanzmärkten.

2013 holte Aufsichtsratschef Paul Achleitner den Finanzprofi ins Kontrollgremium der Deutschen Bank. Mit den Problemen des Dax-Konzerns war Cryan daher bestens vertraut, als die Bank Anfang Juni 2015 in höchster Not den Machtwechsel beschloss und den 54-Jährigen ab Juli zum Nachfolger von Co-Chef Anshu Jain machte.

Cryan, der als messerscharfer Analytiker mit bester Detailkenntnis gilt, hatte Schlüsselpositionen im Aufsichtsrat inne: Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses kontrollierte er die Bilanzen, im Risikoausschuss wachte er über mögliche Gefahren.

Opernliebhaber mit englischen Wurzeln

Am 16. Dezember 1960 im nordenglischen Heilbad Harrogate geboren, studierte Cryan an der Universität Cambridge (1979-1982) und begann 1982 seine berufliche Karriere bei den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in London. Von 1987 an hatte er verschiedene Funktionen im Firmenkundengeschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Nach seiner Zeit bei der UBS war Cryan Europa-Präsident von Temasek (2012-2014), dem Staatsfonds Singapurs. Der privat als unprätentiös geltende Opernliebhaber ist mit einer Amerikanerin verheiratet.

bak / DPA