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Jahresbilanz: Deutsche Bank beendet "Übergangsjahr" mit Milliardenverlust

Die Deutsche Bank schreibt das zweite Jahr in Folge tiefrote Zahlen. Konzernchef John Cryan erklärt 2016 zu einem "Übergangsjahr" und blickt nach einem vielversprechenden Jahresstart optimistisch in die Zukunft. 

Eine Flagge mit dem Deutsche Bank-Logo weht vor dem Hauptsitz in Frankfurt

Die Deutsche Bank in Frankfurt: Trotz Milliardenverlust blickt die Führung zuversichtlich auf das aktuelle Geschäftsjahr

Analysten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet: 1,4 Milliarden Euro Verlust machte die Deutsche Bank im letzten Jahr. Der radikale Konzernumbau und der Abbau teurer Altlasten sorgten für die zweiten roten Jahreszahlen in Folge. Der Verlust in 2016 fiel jedoch deutlich geringer aus als das Rekordminus von 6,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Konzernchef John Cryan äußerte sich zur Bilanzvorlage in Frankfurt dennoch zuversichtlich. "In einem besonders schwierigen Jahr haben wir bewiesen, wie widerstandsfähig wir sind", erklärte Cryan. "Wir haben 2016 mit einer erfreulich starken Kapital- und Liquiditätsposition abgeschlossen und schauen nach einem vielversprechenden Jahresstart optimistisch nach vorn."

Zinsflaute drückt auf das Tagesgeschäft

Im Januar liefen die Geschäfte nach Angaben der Bank über fast alle Bereiche hinweg gut. Im vergangenen Jahr indes tat sich die Deutsche Bank wie auch Wettbewerber im Tagesgeschäft schwer, wegen der Zinsflaute brechen Erträge weg. Bei der Deutschen Bank lagen die Erträge 2016 mit 30 Milliarden Euro um zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.

Dazu beigetragen hat nach Angaben der Bank auch die Unruhe an den Märkten im Oktober, als Investoren sich wegen einer drohenden Milliardenstrafe aus den USA Sorgen um die Stabilität der Bank machten. Seinerzeit war sogar über die Notwendigkeit von Staatshilfe für den deutschen Branchenprimus spekuliert worden. Der Aktienkurs stürzte unter zehn Euro und damit auf den tiefsten Stand der Unternehmensgeschichte. Seitdem konnte die Deutsche Bank Vertrauen zurückgewinnen: Am Mittwoch schloss die Aktie im Xetra-Handel bei 19,18 Euro.

Deutsche Bank rettet sich mit Verkauf von Anteilen

Zudem steht der Dax-Konzern nach einem turbulenten Jahr auf einer solideren Kapitalbasis als erwartet: Die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 11,9 Prozent nach 11,1 Prozent zum Ende des dritten Quartals. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen, die Anforderungen der Aufseher steigen.

Den Verlust im Schlussquartal von fast 1,9 Milliarden Euro konnte die Deutsche Bank kapitalseitig unter anderem durch den Erlös aus dem Verkauf eines knapp 20-prozentigen Anteils an der chinesischen Hua Xia Bank abfedern.

Cryan hatte 2016 zu einem "Übergangsjahr" erklärt - und verordnete dem Konzern eine Radikalkur: Weltweit will die Bank bis 2018 unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus abbauen. Aus zehn Auslandsmärkten und manchen Geschäften im Investmentbanking zieht sich die Deutsche Bank ganz zurück. Im Inland schrumpft die Zahl der Filialen von 723 auf 535, der größte Teil der Schließungen soll bis Ende des ersten Halbjahres 2017 erledigt sein.

Teure Rechtsstreitigkeiten beigelegt

Vor allem bei der Aufarbeitung teurer Rechtsstreitigkeiten drückte Cryan, der Deutschlands größtes Geldhaus seit Juli 2015 führt, aufs Tempo. Kurz vor Weihnachten gelang ein wichtiger Befreiungsschlag in den USA: Die Bank einigte sich mit den US-Behörden auf einen Vergleich über insgesamt 7,2 Milliarden Dollar (6,7 Mrd Euro) für dubiose Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008.

Erst wenige Tage vor der Bilanz-Vorlage konnte dann eine der letzten bekannten juristischen Großbaustellen weitgehend abgearbeitet werden: Umgerechnet knapp 600 Millionen Euro zahlt die Bank in den USA und Großbritannien wegen einer Geldwäsche-Affäre. Das Institut hatte nach Überzeugung der Behörden nicht verhindert, dass Kunden bei Wertpapiergeschäften russische Rubel wuschen. Nach Einschätzung der Bank dürften die Rechtskosten ihren Höhepunkt erreicht haben. Für noch offene und bereits erledigte Fälle hat das Institut insgesamt 7,6 Milliarden Euro auf die Seite gelegt.

sve / DPA