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Deutsche Post: Verdi droht mit unbefristetem Post-Streik

Die Gewerkschaft Verdi fährt harte Geschütze im Arbeitsstreit mit der Deutschen Post auf: Sollte der Arbeitgeber nicht ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen, drohe ein unbefristeter Streik. Aktueller Anlass: Die Post hatte die Arbeitszeit auf 41 Stunden erhöht - trotz der Streiks der vergangenen Woche.

Im Streit um Arbeitszeiten und Beschäftigungsgarantien bei der Deutschen Post droht die Gewerkschaft Verdi nun mit einem unbefristeten Streik. Die Post müsse bei der nächsten Gesprächsrunde am Mittwoch ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, forderte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Geschehe dies nicht, könne ein unbefristeter Ausstand folgen: "Am Donnerstag tagt die Bundestarifkommission. Sie wird sich dann mit dem befassen, was am Mittwoch passiert ist, und wird entscheiden, ob wir eine Urabstimmung durchführen und in einen unbefristeten Arbeitskampf eintreten müssen", kündigte Kocsis an.

Verdi hatte in der vergangenen Woche mit Warnstreiks begonnen, um eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit der Beamten bei der Post von 38,5 auf 41 Stunden zu verhindern. Der Konzern hob die Arbeitszeit der rund 55.000 Beamten am Montag aber ungeachtet der Ausstände auf die 41 Stunden an, die deren Kollegen im öffentlichen Dienst arbeiten müssen. Kocsis fürchtet, dass nun auch die 130.000 Tarifbeschäftigten folgen und in Zukunft Tausende Arbeitsplätze bei der Post gestrichen werden. Dagegen richten sich die Warnstreiks, an denen sich Kocsis zufolge seit vergangener Woche über 20.000 Post-Mitarbeiter beteiligten. Allein am Montag hätten in Nordrhein-Westfalen rund 4600 Beschäftigte die Arbeit ruhen lassen. Die Gewerkschaft fordert zudem den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 30. Juni 2011. Auch eine Lohnrunde mit Verdi steht der Post noch bevor. Ein Gesamtpaket aus den drei Elementen will Kocsis aber nicht schnüren. Angesichts eines drohenden Abbaus von Stellen "reicht es uns nicht, über einen Lohnausgleich zu sprechen, es geht faktisch um den Erhalt von Arbeitsplätzen", sagte sie. "Die Tarifrunde halten wir weiterhin getrennt."

Notfalls Streik bis Pfingsten

Verdi will bis Mittwoch auf Warnstreiks verzichten. Kocsis hält weiter eine Lösung am Verhandlungstisch für möglich: "Ich bin optimistisch, dass die Post beidreht und auf den Weg der Verhandlungen zurückfindet", sagte sie. Geschehe dies nicht, könne die Gewerkschaft notfalls auch bis Pfingsten streiken.

Die Post kritisierte die Arbeitsniederlegungen erneut und wies Verdi die Verantwortung für die am Montag begonnenen längeren Arbeitszeiten der Beamten zu. "Die Warnstreiks sind überflüssig, weil die Post Verhandlungsbereitschaft zeigt", sagte ein Sprecher.

Reuters / Reuters