HOME

Dürre in Kalifornien: "Nicht jeder hat das gleiche Recht auf Wasser"

Die Dürre in Kalifornien zählt zu den schlimmsten, die der US-Bundesstaat je erlebt hat. Besonders für reiche Bürger ist das aber noch lange kein Grund Wasser zu sparen - ganz im Gegenteil. 

Seen trocknen aus, Tiere verenden, Felder und Weiden liegen brach - der US-Bundesstaat Kalifornien leidet unter der schlimmsten Dürre seit mehr als 1000 Jahren. Doch inmitten der Staubwüsten des "Golden State" wachsen saftig grüne Wiesen, durch die künstliche Bachläufe und Wasserfälle plätschern. Abgegrenzt von Zäune und Mauern sonnen sich die wohlhabenden Bürger Kaliforniens am Pool oder genießen im Schatten von blühenden Bäumen kühle Drinks. Was wie ein schlechter Scherz anmutet, ist bittere Realität: Während dem Rest des Staates per Gesetz striktes Wassersparen verordnet wird, drehen die Reichen und Schönen erst richtig auf - und finden das völlig in Ordnung.

"Wer dafür zahlen kann, soll es auch bekommen"

"Wir sollten nicht gezwungen werden auf Grundstücken mit braunem Rasen zu leben, auf braunen Golfplätzen zu spielen oder uns zu entschuldigen, weil unsere Gärten schön sind", erklärte Steve Yuhas der "Washington Post". Der Radiomoderator lebt in Rancho Santa Fe, einer abgeschotteten Siedlung für Reiche im Süden Kaliforniens. Das mittlere Einkommen der rund 3000 Einwohner beträgt 189.000 Dollar im Jahr. Die Spitzenverdiener unter den Wohlhabenden können es sich auch mal leisten zwei Millionen Dollar für ein Konzert der Rolling Stones in der örtlichen Bar springen zu lassen. Für Yuhas ist das eine klare Rechtfertigung mehr Rechte zu haben als andere. "Nicht jeder hat das gleiche Recht auf Wasser", sagt Yuhas. "Wenn du dafür zahlen kannst, solltest du es auch bekommen."

Gesetz gegen hohen Verbrauch - auch für Reiche

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da - und er und seine Nachbarn machen von ihrem vermeintlichen Recht kräftig Gebrauch. Während der Gouverneur des Staates die Bevölkerung dazu aufruft ihren Wasserverbrauch um mindestens 25 Prozent zu reduzieren, steigt dieser in Rancho Santa Fe um neun Prozent an. Eine neue Verordnung soll daher jetzt auch die Reichenenklave dazu zwingen ihren Verbrauch einzuschränken. Wer dagegen verstößt, soll hart bestraft werden - mit einer Wasserrechnung, die dreimal so hoch ist. In ganz extremen Fällen will der Staat sogar den Hahn ganz zudrehen. Gegen diesen Plan gehen Yuhas und seine Nachbarn entschieden vor: Da sie für ihre Grundstücke hohe Steuern zahlen würden, hätten sie auch das Recht diese ordentlich zu bewässern, erklärt Yuhas. "Als wir hergezogen sind, hatten wir nicht im Sinn, dass es hier bald aussieht wie in der afrikanischen Savanne."

Es geht auch anders

Ähnlich argumentiert auch Rancho-Santa-Fe-Einwohner Gay Butler: "Sollen wir zulassen, dass um unsere Häuser herum nur noch Dreck ist?", fragt er. Zudem würden die Grundstückseigentümer sogar helfen Wasser zu sparen. Die aberwitzige These: Auf Grundstücken, die so riesig sind wie das von Butler, könnten 20 Häuser für vierköpfige Familien gebaut werden. "Wir sind aber nur zu zweit und verbrauchen daher insgesamt weniger Wasser", sagt Butler. 

Dass es auch anders geht, zeigt Randy Woods. Auch er lebte bisher auf einem riesigen Gelände, das ihm mit zwei Wasserfällen, zwei Jacuzzis, Swimmingpool und einem üppigen Garten eine monatliche Wasserrechnung von mehr als 500 Dollar bescherte. Davon hatte der 60-jährige Chef eines Biotech-Unternehmens irgendwann die Nase voll und zog in ein Luxusapartment um - mit einem Ersparnis von knapp 450 Dollar bei den Kosten für Wasser. "Meine Freunde sind jetzt alle neidisch", sagt Woods. Sollten sich Yuhas und Butler entscheiden auch auf ihre prächtigen Anwesen zu verzichten, müssen sie sich aber beeilen. Durch die Dürre haben Grundstücke mit hohem Wasserbedarf enorm an Wert verloren. Es haben wohl doch nicht alle reichen Kalifornier Lust darauf, ihr Geld davonschwimmen zu sehen.

db
Themen in diesem Artikel