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Wasserverschwendung in Hollywood: Die Dürre ist den Promis egal

Kalifornien stöhnt unter der größten Wasserverknappung seit 30 Jahren. Doch die Hollywood-Stars ignorieren jeden Aufruf zum Wassersparen und verschwenden Millionen von Litern für Rasen und Pools.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Promis wie Kourtney Kardashian haben vor ihren kalifornischen Villen meistens einen großen Pool.

Promis wie Kourtney Kardashian haben vor ihren kalifornischen Villen meistens einen großen Pool.

Am Donnerstag wird der kalifornische Governor Jerry Brown neue drastische Maßnahmen im Kampf gegen die anhaltende Wasserknappheit in dem bevölkerungsreichsten Staat der USA verkünden. Die meisten der rund 38 Millionen Kalifornier kämpfen seit drei Jahren mit Wasser-Sparmaßnahmen gegen die schwerste Dürre seit drei Jahrzehnten an. Alle, bis auf die Reichen und Berühmten in Südkalifornien, die auch in Zeiten massiver Wasserknappheit nicht auf grüne Rasen, sprudelnde Springbrunnen und erfrischende Swimmingpools verzichten wollen.

Die Rasen in den Vorgärten von Hollywood-Stars wie Arnold Schwarzenegger, als Governor selbst einst Verfechter von Wassersparmaßnahmen, John Travolta oder Halle Berry in edlen Wohngebieten wie Beverly Hills, Bel Air und Brentwood präsentieren sich trotz staatlich regulierter Wässerungs-Restriktionen in prallem Grün. Nur zweimal pro Woche ist das Bewässern von Rasen und Gärten derzeit gestattet.

Kein Promi hält sich an die Regeln

Würden sich die prominenten Villenbesitzer bei aktuellen Tagestemperaturen zwischen 25 Grad und 30 Grad in Los Angeles tatsächlich an diese Regelung halten, würden die Grünanlagen definitiv verwelkter aussehen. Gemäß des aktiven Notfallplans der Regierung drohen der Hollywood-Elite eigentlich massive Geldstrafen zwischen 500 und 50.000 Dollar bei derartiger Wasserverschwendung. Doch bislang wurde laut Wasserwirtschaftsamt nicht eine einzige Strafe gegen die Stars verhängt.

"Die Stars sind das Kapital der Stadt, die Hollywood-Industrie die Lebensader der Kommune. Man wird sich hüten, in die Hand zu beißen, die einen füttert", sagt die Bloggerin Alissa Walker, die sich regelmäßig mit der Wasserverschwendung in den wohlhabenden Wohngebieten rund um LA beschäftigt.

Wesentlich strikter geht man in dem Promistädtchen Montecito nahe Santa Barbara gegen prominente Wasserverschwender vor. In Montecito, eine der reichsten Enklaven der USA, haben sich Stars wie Drew Barrymore, Rob Lowe, George Lucas, Oprah Winfrey, Kevin Costner, Jeff Bridges oder Ellen DeGeneres stattliche Anwesen mit gigantischen Grünflächen angelegt, die trotz Dürre richtig gut im Saft stehen.

15.000 Dollar im Monat für Wasserlieferungen

Die Reporterin Ann Louise Bardach ist der Sache mal tiefer auf den Grund gegangen. Die Journalistin fand heraus, dass Oprah Winfreys jährliche Wasserrechnung rund 125.000 Dollar betrug. Um Geldstrafen in Höhe von 48.000 Dollar für das Überschreiten der Höchstmenge an Wasser pro Haushalt zu vermeiden, nutzte die amerikanische Talkshow-Queen einen einfachen Trick: sie lässt sich ihr Wasser nun per Tanklaster aus anderen Kommunen anliefern.

Rund 5.000 Gallonen pro Lieferung - da kommen schnell 15.000 Dollar pro Monat zusammen. Ein Tropfen auf den heißen Stein für das Medien-Powerhaus, deren Vermögen auf drei Milliarden Dollar geschätzt wird. Andere aus dem Club der Reichen in Montecito machen sich weniger Mühe, ihre Wasserverschwendung zu vertuschen. Rund vier Millionen Dollar an Strafen kassierte die Stadt zuletzt von ihren verschwenderischen Bürgern (für 750.000 Gallonen oder 2,8 Millionen Liter über dem Limit werden 30.000 Dollar an Strafe fällig).

Eine nette Extra-Summe im Stadtsäckel. Kein Wunder also, dass man die Stars nicht öffentlich an den Pranger stellen möchte für ihre Verschwendungssucht. Obwohl es gemäß dem Ernst der Lage an der Zeit wäre, dass auch die Hollywood-Promis endlich ein Einsehen haben, dass sie mit ihrem egoistischen Verhalten vor allem jenen schaden, die auf Wasser für die Produktion von Obst und Gemüse angewiesen sind. Kalifornien ist ein Agrarland. Mehr als 90 Prozent des amerikanischen Bedarfs an Brokkoli, Artischocken, Knoblauch, Sellerie, Walnüssen, Pflaumen, Karotten etc. wächst in Kalifornien.

Milliarden-Verlust für die Bauern

Die Bauern zahlen bereits das Zehnfache des Wasserpreises bei gleichzeitigen Umsatzverlusten von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar. Rund 17.000 Jobs vernichtete die Dürre bislang. Und die Preise für die Konsumenten steigen in allen Bereichen: Milch, Mandeln, Salat werden stetig teurer. Und das alles auch deshalb, weil Hollywoods Millionäre lieber grünen Rasen anstelle von dürrebeständigen einheimischen Pflanzen im Vorgarten wachsen sehen.

Die Regierung zahlt Hauseigentümern im Zuge der Konservierungsmaßnahmen 30 Dollar pro Quadratmeter Rasen der entfernt wird und an dessen Stelle Wassersparende Pflanzen gepflanzt werden. Bei den Hollywood-Stars stößt diese sinnvolle Initiative leider bislang noch immer auf taube Ohren.