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Ecclestone beim Gribkowsky-Prozess Geschichten eines Zampanos

Ganz klein und schüchtern wirkte Bernie Ecclestone vor Gericht beim Prozess gegen Banker Gribkowsky. Der milliardenschwere Formel-1-Boss brachte nicht nur Glamour nach München - sondern auch Antworten.
Von Malte Arnsperger, München

Jeder Zentimeter Körpergröße dieses Mannes ist rund 26 Millionen Euro wert. Schließlich ist Bernard "Bernie" Ecclestone nur 158 Zentimeter groß, aber angeblich 4,2 Milliarden Euro schwer. Aber auch wenn er das ganze Münchner Justizzentrum mitsamt Inhalt aus seiner Portokasse kaufen könnte, muss der Formel-1-Tycoon auf demselben abgenutzten, mit dreckig-orangenem Stoff gepolsterten Sitz Platz nehmen wie alle anderen auch. Ecclestone ist als Zeuge geladen im Bestechungsprozess gegen den Ex-Bayern-LB Vorstand Gerhard Gribkowsky und für einen Nachmittag lang ist nicht er der Chef im Formel-1-Ring, sondern ein deutscher Richter.

Aber der Reihe nach. Den ganzen Vormittag lang warten Publikum und Presse auf den Auftritt des wichtigsten und auch schillerndsten Zeugen in diesem spektakulären Verfahren. Immer wieder wird er von Anträgen und Beratungen verschoben. Als dann gegen 13 Uhr die Tür des Zeugenzimmers aufgeht und ein kleiner Mann in den Gerichtssaal A101 tritt, denkt man: Ja, das ist dieser Formel-1-Typ, der immer den Michael Schumacher umarmt oder mit dem Prinzen von Monaco plaudert. Der sieht wirklich so aus, wie er auch im Fernsehen aussieht. Ein - wie gesagt - sehr kleiner Mann, der seine grau-weißen Haare ins Gesicht gekämmt hat. Aber zwei Dinge sind auffällig: Zum einen trägt diese Münchner Ecclestone-Ausgabe eine Krawatte und nicht wie sonst ein oben aufgeknüpftes weißes Hemd. Und dieser 81-Jährige, der wohl jeden Tag fotografiert und von Paparazzi gejagt wird, wirkt unsicher, als er neben seinem Anwalt an der Zeugenbank steht und das Blitzlichtgewitter erträgt.

Im Privatjet zur Zeugenvernehmung

Der Formel-1-Chef erfüllt zwei Rollen. Für die Öffentlichkeit und die Medien sorgt er für den Glamourfaktor. So hat die "Bild"-Zeitung berichtet, dass er in einem Privatjet zu seiner Zeugenvernehmung nach München angereist ist und in einem Fünf-Sterne Hotel nächtigt. Das reicht schon, um die Besucherreihen jedes Gerichts zu füllen. Da muss man gar nicht wissen, dass die 22-jährige Tochter dieses Zeugen vor einigen Monaten mal so eben für 85 Millionen Dollar eines der teuersten Anwesen der USA gekauft hat oder dass ihren Daddy Bernie die Scheidung von seiner Model-Frau rund einer Milliarde Euro kostete.

Aber neben diesem kräftigen Hauch von großer Welt, den er in den schmucklosen Gerichtsaal bringt, erfüllt Ecclestone für das Münchner Landgericht und die anderen Verfahrensbeteiligten eine viel wichtigere, nämlich juristische Aufgabe. Er soll vor allem eine Frage beantworten: Hat er den Angeklagten Gribkowsky bestochen? Das zumindest glaubt die Staatsanwaltschaft. Sie wirft Gribkowsky vor, von Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld bekommen zu haben. Diese Summe soll geflossen sein, nachdem der damalige BayernLB-Banker die Formel-1-Anteile der Bank an einen Investor verkauft hat.

Die Anteile, die durch die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch an die Bank gefallen waren, wechselten 2006 für insgesamt 840 Millionen Dollar den Besitzer. Die Beteiligungsgesellschaft CVC bezahlte damit gut doppelt so viel, wie sich die BayernLB nach eigenen Angaben erhofft hatte. Ein Geschäft, das auch im Sinne von Ecclestone war, denn er wurde damit die ungeliebten bayerischen Banker los und blieb Chef der Rennserie. Gribkowsky, so sehen es die Ermittler, bekam das Geld dann, ohne seinen Arbeitgeber oder dem Staat etwas davon zu erzählen. Er habe sich deshalb der Bestechlichkeit und der Untreue sowie der Steuerhinterziehung schuldig gemacht.

Gelächter im Saal

Nun soll also Bernie Ecclestone Licht ins Dunkel bringen. Zuvor aber muss Richter Peter Noll etwas ganz wichtiges klären. Nämlich wie der Zeuge überhaupt auszusprechen ist. "Heißt es Herr Äkkelston oder Herr Äkkelstn?", fragt Noll. Der Angesproche antwortet in gut verständlichem britischen Akzent, dass die erste Variante "fine" - in Ordnung - sei. Das erste Gelächter im Saal. Nur Gribkowsky lacht nicht, sondern steckt sich ein Brötchen in den Mund.

Dass Ecclestone überhaupt vor einem deutschen Gericht aussagt, ist nicht ganz selbstverständlich. Schließlich wird hierzulande auch gegen ihn im Zusammenhang mit dem fraglichen Formel-1-Deal ermittelt, der Vorwurf der Bestechung steht im Raum. Doch die deutschen Behörden sicherten dem Briten freies Geleit zu, schließlich verspricht man sich von ihm einiges in dem Verfahren gegen Gribkowsky. Ganz artig bedankt sich Richter Noll dann bei "Herr Äkkelston" für dessen Erscheinen. Und ganz artig beantwortet der Zeuge dann auch die ersten beiden Fragen des Richters. "Stimmt es, dass Sie dem Angeklagten erhebliche Summe zukommen ließen?" - "Yes, Yes." - "Und warum?" - "Es lag daran, dass ich keine andere Möglichkeit sah."

Ziemlich klare Antworten, so scheint es. Doch natürlich ist damit die Aussage von Ecclestone noch lange nicht zu Ende. Denn es kommt ganz entscheidend auf die genaue Antwort auf die Frage nach dem Warum an. Ecclestone begründet es so: Er habe Angst gehabt, dass ihn Gribkowsky bei den englischen Steuerbehörden anschwärzt.

Milliardär wollte Steuern sparen

Ganz konkret ging es um die Eigentumsverhältnisse in der "Bambino"-Stiftung, die ebenfalls Anteile an der Formel 1 hielt. Ecclestone hatte in den 90er Jahren einen Großteil seines Vermögens in diese Stiftung - die angeblich seine Ex-Frau kontrolliert - eingezahlt, um Steuern zu sparen. Hätte nun, so sagt Ecclestone vor Gericht, aber Gribkowsky behauptet, er, Ecclestone, sei der wahre Chef hinter Bambino, hätten die britischen Steuerbehörden ihn, Ecclestone, zur Kasse gebeten. Er habe befürchtet, so Ecclestone, damit über zwei Milliarden Euro zu verlieren. Und das, obwohl die Behauptung falsch sei.

Richter Noll – "an solche Zahlen haben wir uns mittlerweile gewöhnt" – verbirgt seine Skepsis nicht. Immer wieder fragt er den prominenten Zeugen, ob es konkrete Drohungen von Gribkowsky gegeben habe. Klare Antwort von Ecclestone: "Nein." Es habe auch keine wirklichen Absprachen gegeben, wofür er Gribkowsky das Geld eigentlich gegeben habe. "Wir waren übereingekommen, dass ich zahle und wir dann auseinander klabüstern, wofür die Zahlung ist." Diese Übersetzung von Ecclestones Dolmetscherin sorgt zum wiederholten Male für Gelächter im Gerichtssaal.

Doch auch wenn Gribkowsky nicht lacht, für ihn ist dieser Zeugenauftritt seines ehemaligen Verhandlungspartners gut gelaufen. Denn Ecclestone hat Gribkowsky weder der Erpressung noch der Bestechlichkeit beschuldigt. Das letztere aber dient auch dem Interesse des Formel-1-Chefs, angesichts der Ermittlungen gegen ihn. Und da der Brite noch einmal als Zeuge geladen ist, erfährt Richter Noll ja vielleicht noch mehr über die wahren Hintergründe des Geschäfts zwischen Gribkowsky und dem kleinen "Herrn Äkkelstn".

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