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Riegel, Reizgas, Handy-Alarm: Wie die Deutschen sich gegen Einbrecher rüsten

Einbrecher sind oftmals keine Gelgenheitsdiebe, sondern Profibanden räumen die Häuser aus. Die Deutschen wappnen sich: Mit der Angst von Mietern und Hausbesitzern vor Einbrüchen boomt das Geschäft mit Sicherheitstechnik.

Einbruchschutz: Angst vor Einbrechern treibt Geschäft mit Sicherheitstechnik

Angst vor Einbrechern treibt Geschäft mit Sicherheitstechnik.

Die Einbruchzahlen in steigen seit Jahren, allein 2015 um rund ein Zehntel. Neben dem hohen Sachschaden - laut Versicherungswirtschaft mehr als 3000 Euro pro Fall - hinterlassen die Täter oft verunsicherte Opfer, die sich in Haus oder Wohnung nicht mehr wohlfühlen. Um Einbrüche unmöglich zu machen, rüsten die Deutschen zunehmend auf. Mieter und Hausbesitzer stecken Tausende Euro in Schlösser, Riegel für Fenster und Türen, Alarmanlagen oder sogar "aktive" Hilfsmittel wie Vernebelungs- oder Reizgasanlagen.

Im Vorfeld der Fachmesse "Security" in Essen (27. bis 30. September) berichtet die Branche von einem Boom und Wachstumszahlen allein bei Alarmanlagen von mehr als sieben Prozent auf über 741 Millionen Euro 2015. Der Trend setze sich im laufenden Jahr fort, sagt der Chef des Bundesverbandes Sicherheitstechnik, Norbert Schaaf: "Eine klare Reaktion auf die Einbruchzahlen. Die Leute sind verunsichert." Teils gebe es Zuwächse bei Alarmanlagenbestellungen bei privaten Kunden von über 30 Prozent. Die Kundenzahl wachse und der Umsatz pro Kunde habe von rund 2000 Euro im Jahr 2013 auf 2200 bis 2300 Euro derzeit zugelegt.

Mechanische Sicherung gegen Einbrecher

Grundlage des Schutzes von Haus und Wohnung sind laut Polizei bessere mechanische Sicherungen von Fenstern und Türen etwa durch bessere Schlösser, Querriegel an Türen und Verstärkungen von Fenstern. Hier sehen Fachleute nach wie vor großen Nachholbedarf. Seit 2013 wuchsen die Umsätze bereits um rund ein Zehntel auf eine Milliarde Euro.

Von schicken Kameras zu schlauen Schlössern: Gadgets zur Hausüberwachung: So haben Einbrecher keine Chance
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Die schicke Sicherheitskamera Netatmo Welcome braucht man nicht in irgendwelchen Hauswinkeln zu verstecken. Mit ihrem schlichten Design kann sie auch einfach im Regal stehen. Von dort aus erkennt sie jede Person, die durchs Haus geht und informiert auf Wunsch per Push-Nachricht aufs Smartphone, wenn etwa die Kinder nach Hause kommen oder ein Fremder durchs Haus schleicht. Ist man zuhause, weiß das auch Welcome - und spart sich die Nachrichten.

Preis: 180 Euro


Alarmanlagen als Schutz

Anlagen mit Sensoren und Bewegungsmeldern sollen mit lautstarken Sirenen vertreiben. Zugleich werden teils Lampen eingeschaltet oder Rollladen heruntergelassen. Ferner gibt es die Möglichkeit, den Alarm an das Handy des Bewohners oder an eine Sicherheits-Leitstelle weiterzuleiten. "Starke Zuwächse" verzeichnet etwa der große deutsche Anbieter Abus, wie ein Sprecher sagt. Zahlen will er nicht nennen. Im Trend lägen aber Doppellösungen: Mechanische Aufrüstung plus Alarmanlage.

Aktive Abwehr von Langfingern

Seit einigen Jahren sind sogar Anlagen zur "aktiven Abwehr" von Einbrechern erhältlich, werden bisher aber hierzulande wenig und wenn eher von gewerblichen Nutzern geordert. Die Anlagen verströmen in Sekundenschnelle einen ungiftigen "Schutznebel", so dass Einbrecher nichts mehr sehen. Ein Anbieter verkauft für 1500 bis 2000 Euro sogar eine Anlage, die nach dem Alarm und einer Warnung vom Band auf Deutsch und Englisch in der Einbruchzone verströmt. Die Anlage ist auch in Privatwohnungen legal. Etwa 1800 Geräte seien bereits verkauft worden, davon etwa ein Fünftel an Privatkunden, sagte ein Sprecher. Ein Polizeisprecher sieht indes solche Anlagen unter anderem wegen der Fehlalarmgefahr skeptisch.


Verfolgung der Einbrecher

Ein im Frühjahr erstmals vorgestelltes Alarmsystem präsentiert Einbrechern einen auffälligen Tablet-PC und Smartphones als Köder.
Sobald der Einbrecher zuschlägt, filmen die Computer, machen Sprachaufnahmen, ermitteln den Fluchtweg und senden alles auf einen sicheren Server. Aus der Wohnung wird der Täter mit täuschend echtem Hundegebell, lauten Stimmen vom Band und Licht vertrieben.

Design-Safe für die Wohnung

Um Wertsachen wie Handys, Schlüssel oder Uhren im Alltag sicher zu verwahren, ohne einen schweren und teuren Safe zu kaufen, gibt es eine Lösung: Ein Anbieter bietet eine Stahl-Schmuckkassette mit Erschütterungssensor und lautem Alarm im schwarzen oder silbernen Design. Der Alarm vertreibe Einbrecher, mit einem Zusatzschloss kann der kleine Safe etwa an Heizkörpern befestigt werden. 

kg/DPA