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EnBW-Chef Utz Claassen: Stiller Abschied vom "Rambo mit Goldkettchen"

Ab Oktober ist bei EnBw Chefsesselrücken angesagt. Hans-Peter Villis wird den aktuellen Vorstandschef Utz Claassen ablösen. Villis soll für nach vierjähriger Amtszeit des medienwirksamen "Rambos" für ruhiges Fahrwasser sorgen.

Gemessen an dem, was in den vergangenen Monaten los war, ist es auffallend still um den Energiekonzern EnBW geworden. Am 30. September endet die mehr als vierjährige Amtszeit von EnBW-Vorstandschef Utz Claassen (44). Am 1. Oktober tritt der derzeitige E.ON-Manager Hans-Peter Villis (49) seine Nachfolge in Karlsruhe an. Nach bisweilen lauten Auftritten folgt nun ein leiser Wechsel im drittgrößten deutschen Energiekonzern: Nach Angaben des Unternehmens ist ein nichtöffentlicher Abschied für Claassen geplant; was die Einführung von Villis anbelangt, hält man sich noch bedeckt.

"Beide erfüllen ihre Verträge noch bis Ende September", wird in der EnBW-Zentrale die Zurückhaltung begründet. Eine gemeinsame Veranstaltung wie beim Wechsel von Gerhard Goll zu Utz Claassen soll es nicht geben. Schließlich wechselt ein Manager der Konkurrenz in die Fächerstadt.

Villis gilt als bodenständig, ruhig und sachlich

Noch ist Villis in der Öffentlichkeit ein weitgehend Unbekannter. Und das finden einige Leute schon mal gut. Schließlich war das medienwirksame Treiben des selbstbewussten Claassen nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem und juristischem Parkett vielen Insidern ein Dorn im Auge.

Der aus einer Bergmannsfamilie stammende Villis gilt hingegen als bodenständig, ruhig und sachlich. Der Wirtschaftswissenschaftler ist derzeit noch als Finanzchef für die Kassen der skandinavischen Konzerntochter E.ON Nordic im schwedischen Malmö verantwortlich. Zuvor war der passionierte Fußballspieler und verheiratete Vater zweier Kinder Vorstandsmitglied beim nordrhein-westfälischen Gas- und Wasserversorger Gelsenwasser und Vorstandschef der Paderborner E.ON Westfalen Weser AG, einem der größten deutschen Regionalversorger. Villis war Anfang Juli als neuer EnBW-Chef vorgestellt worden, nachdem Claassen überraschend seinen Vertrag nicht verlängert hatte.

"Rambo" legte sich während seiner Amtszeit mit der Justiz an

"Strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" seien ausschlaggebend gewesen, sagte Claassen. Spekulationen, wonach er auf Betreiben der beiden Mehrheitsaktionäre Electricité de France (EdF) und dem Kommunalverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) zurückgetreten sein soll, hat er stets dementiert.

Trotz steigender Umsätze, wachsender Überschüsse und sinkender Schulden in seiner Amtszeit: Dass einige Anteilseigner mit dem selbstbewussten Sanierer und Ex-Unternehmensberater, Karriere- Überflieger und Buchautor ein Problem hatten, ist kein Geheimnis. Schließlich ist der Goldkettchenträger und Cola-light-Trinker immer wieder gerne angeeckt.

Der Energieboss mit dem Spitznamen "Rambo" lieferte sich mit Politikern aller Couleur Scharmützel und legte sich auch mit der Justiz an. Zwar wurden Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschung eingestellt; Claassen war vorgeworfen worden, bei seinem Amtsantritt die Lage des Konzerns schlechter dargestellt zu haben. Vom 6. November an muss er sich aber wegen Vorteilsgewährung vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten, weil er Weihnachten 2005 mehreren Landespolitikern Gutscheine für kostenlose WM-Eintrittskarten angeboten hatte - aus Sicht Claassens legale Sponsoringmittel.

Villis soll den Konzern in ruhigeres Fahrwasser steuern

Auch sein Millionengehalt sowie die Höhe seiner Pensionszahlungen sorgten für Gerede. Und sein umstrittener Vorschlag für einen Klimapakt, wonach es bei längeren Laufzeiten für Atommeiler richtig viel Geld zur Weiterentwicklung erneuerbarer Energien geben sollte, stieß bei der Atomlobby wie bei Atomkraftgegnern auf Kritik.

Villis soll nach Vorstellung maßgeblicher Anteilseigner nun den Energiekonzern mit 21 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 13 Milliarden Euro in ruhigeres Fahrwasser steuern. Landes- und Kommunalpolitiker wünschen sich auch eine stärkere Verankerung in Baden-Württemberg und mehr Nähe zum Verbraucher. Vorschläge, wonach das Land wieder bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG einsteigt, sind derzeit aber wohl kein Thema, zumal der Konsortialvertrag zwischen EdF und OEW noch bis 2011 gilt.

So unklar wie der künftige Unternehmenskurs sind auch die persönlichen Perspektiven für Claassen: Als "mündiger und konstruktiv kritisch aktiver Bürger" will er sich weiter mit dem Thema Energie beschäftigen. T-Shirts am Strand von Thailand verkaufen, wie er es einmal scherzhaft angedeutet hatte, wird er jedenfalls nicht müssen.

Susanne Kupke, DPA / DPA