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Endspurt um Karstadt-Rettung: Triton will 500 Millionen in fünf Jahren investieren

Was bleibt übrig von Karstadt, wenn am Freitag der Zuschlag für die Übernahme des angeschlagenen Kaufhauskonzerns an Highstreet, Bergruen oder Triton geht? Diese Frage stellen sich derzeit rund 25 000 Mitarbeiter an 120 Warenhausstandorten, die um ihre Arbeitsplätze bangen.

Für die Mitarbeiter der insolventen Kaufhauskette Karstadt geht es um die Existenz. Die drei Interessenten Highstreet, Berggruen und Triton präsentierten den Gläubigervertretern am Freitag in Essen ihre Konzepte. Im Anschluss wollte der Gläubigerausschuss die Angebote prüfen. Offen blieb, ob die Weichen für die Zukunft des Traditionshauses noch vor dem Wochenende gestellt werden.

Erst kurz vor Beginn der Gläubigerausschusssitzung hatte der Karstadt-Vermieter Highstreet seine Offerte vorgelegt. Dem Vernehmen nach will Highstreet auf Entlassungen verzichten. Gleichwohl sollen die 25 000 Karstadt-Mitarbeiter länger arbeiten, ohne mehr Lohn zu erhalten. Im Gegenzug sollen die Arbeitnehmer am Unternehmen beteiligt werden.

Der Vorstoß des mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds war in der Branche erwartet worden. Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser und ist damit nicht nur der wichtigste Vermieter, sondern auch einer der Hauptgläubiger der insolventen Warenhauskette.

Neben Goldman Sachs sind die Deutsche Bank und die italienischen Unternehmen Borletti, Generali und Pirelli an dem Immobilienfonds beteiligt. Borletti hat Warenhaus-Erfahrung mit der italienischen Kette La Rinascente und dem französischen Kaufhaus Printemps.

Als weitere Interessenten haben der deutsch-schwedische Investor Triton sowie die Berggruen Holding eine Offerte vorgelegt. Alle vorliegenden Angebote sind jedoch an Bedingungen geknüpft.

Während der Sitzung präzisierte Triton sein Konzept zur Rettung des Unternehmens. Triton hatte als erster Bieter vor fünf Wochen ein Angebot vorgelegt. "Wir sind überzeugt, dass Karstadt als eigenständiges Unternehmen weiter existieren kann", sagte Triton- Vertreter Hans Maret der Deutschen Presse-Agentur. Triton biete 100 Millionen Euro an Investitionen bei Vollzug des Kaufvertrags und weitere 400 Millionen in den nächsten fünf Jahren an. Voraussetzung sei, das Arbeitnehmer und Vermieter das Konzept mittragen, sagte Maret. "Es wird noch schwierige Verhandlungen geben."

Angaben zu einem möglichen Kaufpreis für Karstadt wurden nicht gemacht. Von den Mitarbeitern fordert der Investor die Einführung einer teilweise erfolgsbasierten Vergütung und ein Überdenken verlustbringender Sortimente.

Während Triton Zugeständnisse der Belegschaft und der Vermieter fordert, verlangt Berggruen lediglich Mietsenkungen und will die Beschäftigten ungeschoren lassen. Gegen die Forderungen von Triton hatte sich bislang vor allem die Gewerkschaft Verdi gewehrt.

Die Präsentationen sollten erst am späten Nachmittag enden. Nach der Vorstellung der Konzepte sollten die elf Mitglieder des Gläubigerausschusses die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen. Der Ausschuss kann den Termin für die Unterzeichnung des Kaufvertrags auch noch ein zweites Mal verschieben. Die ursprünglich für den 30. April gesetzte Frist war bereits um vier Wochen bis zum 28. Mai verlängert worden.

Damit der Insolvenzplan in Kraft treten kann, muss er vom Essener Amtsgericht bestätigt werden. Ein Gerichtstermin ist für den kommenden Montag geplant. Ein Vertreter des Gerichts nimmt jedoch bereits an der Sitzung des Gläubigerausschusses teil.

DPA / DPA