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ENERGIE: Neue Euro-Benzinpreise in der Silvesternacht

Nach drei Jahren fast schon ein Ritual: Wegen der neuesten Stufe der Öko-Steuer steigen in der Silvesternacht die Benzinpreise um sieben Pfennig (3,6 Cent).

Verbände und Unternehmen rufen die Autofahrer auf, sich vorher noch mit Kraftstoff einzudecken. In den ersten Tagen des neuen Jahres rechnen die Tankstellenpächter deshalb mit äußerst schwacher Nachfrage an den Zapfsäulen. Soweit: Same procedure as every year.

Um 23 Uhr machen sie dicht

Und doch ist diesmal alles anders. Denn mit der Einführung des Euro müssen die Computersysteme mit neuer Software versehen werden. Die 24-Stunden-Stationen der großen Mineralölfirmen werden deshalb zeitweise schließen. »Silvester ist ohnehin einer der schwächsten Tage im Jahr und wir werden spätestens um 23 Uhr alle Stationen geschlossen haben«, sagt Karl-Heinz Schult-Bornemann von ExxonMobil. Nach zwei bis drei Stunden öffnen die Tankstellen wieder. Bei Marktführer Aral soll es deutlich schneller gehen. »Wir brauchen nur 45 Minuten für den Wechsel von der D-Mark zum Euro«, sagt Aral- Sprecher Ulrich Winkler.

1 Liter Super für 99 Cent

Am Neujahrsmorgen wird dann ein Liter der meistgetankten Kraftstoffsorte Super im bundesweiten Durchschnitt 99 Cent kosten, Normalbenzin 97 Cent und Super Plus 1,03 Euro je Liter. Der Dieselpreis wird ungefähr 80 Cent je Liter betragen. Damit liegen die Preise trotz der Steuer deutlich unter ihren Höchstständen vom Mai 2001. Damals kostete der Liter Normalbenzin umgerechnet 1,12 Euro, Super noch zwei Cent mehr. »Bundeskanzler Schröder hat wieder einmal Glück«, sagt Heino Elfert vom Hamburger Energie Informationsdienst (EID). »Wie im Vorjahr gerieten die Rohöl- und damit auch die Tankstellenpreise zur rechten Zeit ins Trudeln, so dass die Steuererhöhung nicht ganz so sehr auffällt.«

Minister Eichel freut sich schon

Im langfristigen Vergleich ist der Sprit unter der rot-grünen Regierung deutlich teurer geworden. Als Gerhard Schröder zum Kanzler gewählt wurde, kostete Normalbenzin umgerechnet 78 Cent je Liter, Super 81 Cent. Damals waren sowohl der Ölpreis als auch der Dollarkurs deutlich niedriger. Doch hat der Staat auch kräftig an der Steuerschraube gedreht: Allein 14 Cent der Preiserhöhung seit 1998 gehen auf das Konto von Finanzminister Hans Eichel. Der Benzinpreis besteht zu drei Vierteln aus Steuern. Im nächsten Jahr kassiert der Fiskus 42,5 Milliarden Euro an der Zapfsäule, nach 40,5 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Cent-Bruchteile sind entscheidend

Mit Spannung erwarten die Preisstrategen in den Zentralen der Mineralölwirtschaft nun den Wettbewerb unter dem Euro. Dabei geht es auch um die Cent-Bruchteile hinter dem Komma. »Wir werden jeden Euro-Preis so abrunden, dass wir auf vier oder neun Zehntelcent kommen«, sagt Rainer Winzenried von der Deutschen Shell. Damit wird das alte Preisintervall von einem Pfennig erhalten. Aral will dagegen ganz genau umrechnen und auch Preise wie 99,2 oder 103,7 Cent ausprobieren. »Markt und Wettbewerb werden blitzschnell wieder zu der kleinen 9 hinter dem Preis führen«, glaubt dagegen ExxonMobil- Sprecher Schult-Bornemann.

Niemals aufrunden

Eines jedoch haben alle Mineralölfirmen gemeinsam: Sie schwören hoch und heilig, stets nur ab- und niemals aufzurunden. Und sie wollen nicht den geringsten Anschein erwecken, sie könnten sich an der Euro-Umstellung bereichern.