Energiemarkt Den Abzockern den Saft abdrehen


Der Wettbewerb auf dem Energiemarkt sollte Strom für Verbraucher billiger machen. Doch die Preise steigen wieder. Der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter bringt bares Geld - und ist ganz einfach.

Bis zu 120 Euro verschenkt ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt im Jahr bei seiner Stromrechnung - und das nur, weil er beim alten, teuren Anbieter bleibt, statt zu einem günstigeren zu wechseln. "Viele trauen sich nicht", sagt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundesverbandes der Energieverbraucher, "sie denken, bei einer Pleite des neuen Anbieters würden sie im Dunkeln sitzen. Andere befürchten, ein Wechsel sei mit viel Papierkram verbunden." Solche Ängste sind zwar unbegründet, doch sie wurden von den großen Energiekonzernen, die zu Monopolzeiten ohne großen Aufwand Milliarden verdienten, geschickt geschürt, um Wechselwillige zu verunsichern.

Mit dem Ergebnis, dass die Strompreise zuletzt nicht nur wegen höherer Steuern wieder nach oben geklettert sind, sondern auch, weil der Druck auf die Altmonopolisten nicht groß genug ist. Für Anfang Januar haben die Stromriesen wie RWE oder Eon schon wieder Preiserhöhungen angedroht. Experten fürchten, dass die Preise noch einmal bis zu zehn Prozent steigen könnten.

Auch die Politik hat inzwischen erkannt, dass der Wettbewerb auf dem Strommarkt nicht gut funktioniert - und deshalb eine Regulierungsbehörde geplant, die über den Energiemarkt wachen soll. Doch auch um die gibt es nun so viel Streit, dass sich der für Mitte 2004 geplante Start abermals verzögern dürfte. "Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass es durchaus auch 2005 werden kann, bis die Beamten ihre Arbeit aufnehmen", sagt Thorsten Kasper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

Den Verbrauchern bleibt da nur die Selbsthilfe: Preise vergleichen, Wechselformular unterschreiben - und anschließend weniger für den Strom zahlen. Oder - für ein ruhigeres Gewissen: Auch einige seriöse Ökostromfirmen haben sich inzwischen etabliert.

Was Verbraucher zum Stromanbieter-Wechsel wissen sollten

Wie finde ich einen preiswerten Anbieter?

Informationen über die günstigsten Anbieter für jede Region gibt es beim Bund der Energieverbraucher oder im Internet beispielsweise unter www.energienetz.de, www.billig-strom.de, www.stromtarife.de. Auch der stern bietet einen Tarifrechner: www.stern.de/stromtarife. Dort den Verbrauch des Vorjahres und die Postleitzahl des Wohnortes eingeben, und schon werden alle Anbieter, gestaffelt nach dem Preis, angezeigt.

Gibt es eine Faustregel?

Für Haushalte, die viel Strom verbrauchen, also etwa Großfamilien, ist ein Tarif mit hohem Grundpreis und geringem Preis pro Kilowattstunde günstiger. Für Singles gilt das Gegenteil.

Welche Formalitäten kommen auf mich zu?

Der Wechsel des Stromlieferanten ist mittlerweile recht einfach. Kurze Kündigungsfristen und wenig Papierkram sind die Regel. Die Abmeldung vom bisherigen Anbieter erledigt meist der neue Versorger. Allerdings verlangen einige Anbieter eine einmalige Wechselgebühr. Vorher nachfragen.

Was passiert, wenn mein Anbieter Pleite geht?

Die Stromversorgung bleibt in jedem Fall gesichert. Der Kunde fällt automatisch auf den Standardtarif des Ortsanbieters zurück. Wichtig ist allerdings, sofort die Abschlagszahlungen an das insolvente Unternehmen zu unterbrechen, also den Dauerauftrag zu kündigen oder die Einzugsermächtigung zu widerrufen - sonst bekommt man sein Geld wahrscheinlich nie wieder zurück.

Silke Gronwald print

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