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Energiesparen: Schwitzende Beamte und nachts kein Fernsehen

Angesichts steigender Energiekosten versuchen nun auch in Asien einige Länder Energie zu sparen - was mitunter seltsame Blüten treibt: Fahrstühle und Klimaanlagen werden einfach lahmgelegt oder der TV-Schirm bleibt nachts dunkel.

Selbst Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kommt dieser Tage ungewohnt leger gekleidet ins Büro. Zahllose Beamte tun es ihm auf Anordnung gleich und üben Verzicht auf Schlips und Anzug. Denn die Arbeit für das riesige Inselreich ist schweißtreibend geworden: Klimaanlagen dürfen Amtsstuben nur noch bis auf 25 Grad herunterkühlen. Auf den Philippinen konnten sich Beamte in den heißesten Monaten April und Mai derweil über eine Vier-Tage-Woche freuen, und in Thailand gibt es zwischen 22 und 5 Uhr kein Benzin zu kaufen. Der Grund ist überall der gleiche: Angesichts steigender Kosten setzen asiatische Länder einiges daran, Energie zu sparen - was mitunter durchaus skurrile Blüten treibt.

Reklametafeln bleiben dunkel

In Indonesien etwa bleiben zwischen ein und fünf Uhr morgens die Fernsehbildschirme dunkel, von europäischen Fußballspielen abgesehen. Manches Ministerium in Jakarta drehte seinen Fahrstühlen kurzerhand den Strom ab. In Thailand bleiben Reklametafeln nach 22 Uhr dunkel, während es auf den Philippinen sogar den Vorschlag gab, alle Einkaufszentren wenigstens für einen Tag in der Woche zu schließen. Nicht jeder freilich ist begeistert. "Wenn ich mit dem Präsidenten reden könnte, würde ich ihm sagen, dass das mit dem Fernsehen eine schlechte Idee ist ", sagt Zainuddin, der in Jakarta Rischka fährt. "Nachts ist das doch unsere einige Unterhaltung."

Aber auch Ökonomen schütteln angesichts erheblicher Benzinsubventionen in manchen Ländern den Kopf. "Die Regierung sollte einfach ehrlich sein und bald die Benzinpreise anheben", sagt Faisal Basri von Indonesischen Universität. "Das Wasser steht uns bereits bis zum Hals und in Kürze ertrinken wir." Im vorigen Jahr gab der Staat 7,4 Milliarden US-Dollar (6,1 Mrd Euro) aus, um die Spritpreise niedrig zu halten. Erst vergangenen Monat hatte Vizepräsident Jusuf Kalla gewarnt, dass die Subventionen in diesem Jahr angesichts der hohen Ölkosten auf 11,3 Milliarden Dollar anschwellen könnten, wenn der Verbrauch in absehbarer Zeit nicht zurückgehe.

Benzinsubventionen ändern nichts am Verbrauch

Malaysia kostete der verbilligte Sprit im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Dollar, und die Regierung rechnet mit einem Anstieg auf 2,4 Milliarden 2005, sollte der Ölpreis weiter steigen. Thailand überließ im Oktober 2004 den Benzinpreis den Kräften des Marktes, im Fall von Diesel allerdings nur zum Teil. Bis zu ihrem Auslaufen hatten die Subventionen jedoch im vergangenen Jahr mit immerhin 2,2 Milliarden Dollar zu Buche geschlagen.

Die Rekordpreise für Öl lasten schwer auf den Handelsbilanzen. In Indonesien - einziges asiatisches OPEC-Mitglied und dennoch auf Öl vom Weltmarkt angewiesen - summierten sich die Öl- und Gasimporte in der Zeit zwischen Januar und Mai auf 6,5 Milliarden Dollar, nach 4,2 Milliarden im selben Zeitraum 2004. Die Philippinen verzeichneten im April ein Plus bei allen Einfuhren von 6,5 Prozent, vor allem wegen des Ölpreises. Und mit aus demselben Grund stieg der Gesamtimport in Thailand in den ersten fünf Monaten 2005 um 37 Prozent.

Nicht jeder hält sich an die Vorgaben

Nicht überall indes gehen Spitzenpolitiker mit gutem Beispiel voran, wenn es ums Energiesparen geht. Zwar wurden thailändische Beamte angewiesen, ihre Autos mit Gasohol - einer Mischung aus Benzin und Ethanol - zu betanken. Was jedoch die Flotte der Luxuswagen des schwerreichen Regierungschefs Thaksin Shinawatra angeht, fließt in deren Tanks noch handelsüblicher Sprit, wie unlängst ein Fahrer des Ministerpräsidenten einer thailändischen Zeitung verriet.

Frank Brandmaier/DPA / DPA