HOME

Neue Lebensmittelkarten: Essener Tafel macht ernst – Menschen ohne deutschen Pass wurden heute früh weggeschickt

Die Aufregung ist groß, sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltet sich in die Debatte ein. Die Tafel in Essen nimmt erstmal keine Bedürftigen ohne deutschen Pass in ihre Kartei neu auf. Heute setzte die Tafel die Regel um.

Tafel-Vorsitzender Jörg Sartor (M.), öffnet die Eingangstür der Einrichtung in Essen. Jeweils mittwochs werden die Berechtigungsausweise für die Tafel ausgegeben

Tafel-Vorsitzender Jörg Sartor (M.), öffnet die Eingangstür der Einrichtung in Essen. Jeweils mittwochs werden die Berechtigungsausweise für die Tafel ausgegeben

Der heutige Mittwoch war bei der Essener Tafel mit viel Spannung erwartet worden. Wird doch seit Tagen in deutschen Medien über eine umstrittene Entscheidung diskutiert: Bewerber ohne deutschen Pass werden von der gemeinnützigen Einrichtung nicht mehr aufgenommen. Begründet wird dies mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern, weshalb sich etwa viele ältere Menschen nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnähmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kritisch zu der Entscheidung und lehnte Aufnahmestopps für Ausländer ab.

So begannen die Ehrenamtlichen in Essen am Mittwochmorgen planmäßig mit der Ausgabe neuer Berechtigungen für Lebensmittelpakete. Mehrere Bewerber ohne deutschen Pass wurden weggeschickt, beobachtete ein Reporter der Nachrichtenagentur DPA. Mehrere Dutzend Menschen hätten für neue Karten angestanden. Wer keine Berechtigung bekam, wurde gebeten, in sechs Wochen wiederzukommen.

Alles sei friedlich geblieben,  sagte eine Mitarbeiterin der Essener Tafel auf Anfrage des stern. "Es hat keine Krawalle gegeben". Zudem sei zu beobachten, dass schon jetzt wieder mehr bedürftige deutsche Senioren und Alleinerziehende zu der Einrichtung kämen. "Das geht in die richtige Richtung". Für ihre Entscheidung des Aufnahmestopps für Ausländer habe die gemeinnützige Einrichtung auch viel Unterstützung bekommen.

Es bleibt friedlich bei der Tafel in Essen

Der vorübergehende Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel, der bundesweit für heftige Debatten sorgt, gilt seit dem 10. Januar.

Die Essener Tafel vergibt einmal in der Woche, immer am Mittwoch, neue Kundenkarten, die in der Regel für ein Jahr gültig sind. Der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor rechnete damit, dass in dieser Woche, wie üblich, rund 50 neue Berechtigungen vergeben würden. "Wartenummern werden nur zwischen 8.45 und 9 Uhr ausgegeben. Persönliches Erscheinen ist zwingend erforderlich", heißt es auf der Internetseite der Tafel. An diesem Mittwoch sollte dann um 12.30 Uhr eine reguläre Lebensmittelausgabe beginnen.

Nach der massiven Kritik an dem Aufnahmestopp strebt die Tafel eine Neuregelung bei der Verteilung der Lebensmittel an. Die Stadt Essen und der Vereinsvorstand beschlossen am Dienstag in einer Krisensitzung die Gründung eines Runden Tisches. Dieser soll innerhalb der nächsten zwei Wochen zusammenkommen, um Lösungen zu erörtern. Im Fokus der Tafel stünden Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern, hieß es.


anb / stern-online / DPA
Themen in diesem Artikel