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Europäische Union: Lurgi und Siemens jetzt auch unter Betrugsverdacht

Hamburg - Der Siemens-Konzern und die Duisburger Firma Lurgi Lentjes Service (LLS) sind im mutmaßlichen Korruptionsfall um einen EU-Auftrag in Serbien jetzt auch mit Betrugsvorwürfen konfrontiert. Wie der stern berichtet, hatten Mitarbeiter der EU-Balkanagentur EAR in internen Schreiben mehrfach den Verdacht formuliert, dass die Firmen versucht hätten, Leistungen für ein Kraftwerksprojekt in Serbien doppelt oder dreifach abzurechnen, um damit von der EU Extrazahlungen von bis zu 1,3 Millionen Euro zu erlangen.

Die Wuppertaler Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen Mitarbeiter der beiden Firmen sowie gegen den ehemaligen EAR-Mitarbeiter David Williams wegen Korruptionsverdachts. Dem stern vorliegende Unterlagen belegen nun, dass ein EAR-Ingenieur bereits im Dezember 2003 intern dazu riet, ermitteln zu lassen, ob die Firmen überdies "absichtlich" versuchten, den Steuerzahler zu betrügen. Seine Vorgesetzten in der Agentur entschieden jedoch, so die Dokumente, "dass wir in diesem Stadium keine Leute von draußen brauchen." EU-Beamte sind rechtlich verpflichtet, bei Betrugsverdacht das EU-Antikorruptionsamt Olaf einzuschalten.

LLS wies den Betrugsvorwurf auf stern-Anfrage "mit aller Entschiedenheit" zurück. EAR-Direktor Richard Zink sagte dem stern, ihm sei "kein Betrugsverdacht bekannt". Siemens äußerte sich nicht.

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