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Exportschlager: Eine Stereoanlage für König Bhumibol

Wenn König Bhumibol von Thailand den Knopf an seiner Stereoanlage drückt, hört er einen Klang, den ein Deutscher konstruiert hat. Denn der Lieferant des Königshauses sitzt in Berlin-Schöneberg.

Seit 28 Jahren entwirft und konstruiert Dieter Burmester hochwertige Audiosysteme für besonders anspruchsvolle Musikliebhaber. Seine Kunden zahlen dafür bis zu 200.000 Euro. "Es darf nichts knacken, rauschen, pfeifen oder sonst wie stören", sagt Burmester. Vor gut drei Jahrzehnten kam dem gelernten Elektrotechniker die Idee, eigene Audiogeräte herzustellen. "Musik war schon immer meine Leidenschaft", sagt er. Als seine Stereoanlage den Geist aufgab, inspizierte er das Innere der Hifi-Geräte ganz genau. "Ich war enttäuscht über das, was der Markt zu der Zeit hergab", erzählt er. Damals führte er ein Ingenieurbüro, das medizinische Messgeräte und Computerinterface entwickelte.

Die wahrscheinlich besten Verstärker der Welt

Er kam auf die Idee, dass seine medizinischen Messgeräte nichts anderes seien als langsame Verstärker. Burmester entwickelte daraus "extrem gute Vorverstärker" - den Motor für einen Sound, den Branchenkenner auch schon mal als den Besten weltweit bezeichnet haben. "Ich wollte einen Klang, über den man vergisst, dass dahinter eine komplizierte Technik steht", sagt Burmester. Die ersten Prototypen riefen bei Testern so gute Kritiken hervor, dass er sich das Verfahren patentieren ließ.

"Ich bin anfangs oft belächelt worden", erzählt der Unternehmer. Niemand habe ihm geglaubt, dass er Käufer für seine Produkte finde. Heute reihen sich an der Wand am Empfang seiner Firma Preise und Auszeichnungen. 2003 hat ein Verband für mittelständische Unternehmen ihn zum Unternehmer des Jahres gekürt. 30 Mitarbeiter beschäftigt Burmester. Jedes Einzelteil wird mit der Hand zusammengeschraubt. Rund 90 Prozent der Bauteile sollen von deutschen Unternehmen stammen.

Modelle auch für Yachten

"Die Produktpalette reicht von Verstärkern über mannshohe Lautsprecherboxen bis hin zum kompletten Heimkino", erzählt Burmester. Er setzt auf Röhrensysteme und verzichtet auf jegliche Lüftungsanlagen. Chrom müsse sein, das sei zeitlos. Ansonsten orientiere er sich aber völlig an den Wünschen seiner Kunden.

"Nicht alle unsere Geräte sind so teuer", antwortet er lächelnd auf die Frage, wer sich so etwas leisten könne. Seine Kundschaft, das seien auch Studenten, die sich das Geld "vom Mund absparen". Derzeit produziert er jedoch vornehmlich stoßfeste und wasserdichte Audiogeräte für Yachten sowie Hifi-Systeme für ein neues Modell der Nobel-Automarke Bugatti.

Produkte für die "High-End-Society"

Roland Stehle, Sprecher des Branchenverbandes Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (GfU), kennt Burmester und die Branche. "High-End-Society" nennt er die Anhänger. Das sei eine kleine erlesene Kundschaft: "Liebhaber und Spezialisten, die für Qualität viel Geld ausgeben", sagt er. Burmester habe mit seinen Produkten eine Nische in diesem Markt gefunden.

Die Schere auf dem Markt für Unterhaltungselektronik gehe in der heutigen Zeit immer weiter auseinander. "Entweder findet man ganz billige oder ganz teure Produkte." In der Regel blieben die Kunden dann auch der Marke treu. Käufer, die so viel Geld für Produkte ausgeben, müsse man aber schon auf der ganzen Welt suchen, meint Stehle. Ob Global Player Burmester im internationalen Geschäft König Bhumibol persönlich kennen gelernt hat, will dieser aber nicht verraten. "Das bleibt unser Geheimnis."

Ina Brzoska/DPA / DPA
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