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Scheibes Kolumne: Analoge Fallstricke

Digitale Kameras, DVD, Musik aus dem MP3-Player: Die digitale Revolution ist im vollen Gange. Doch Probleme aus der analogen Welt bringen auch die digitale Technik immer wieder ins Stolpern.

Digitale Kameras, Kinofilme auf DVD, Musik aus dem MP3-Player: Die digitale Revolution ist im vollen Gange und lässt analoge Kameras, veraltete VHS-Videorekorder und klassische Stereoanlagen zunehmend in die Schrottpresse wandern. Doch Probleme aus der analogen Welt bringen auch die digitale Technik immer wieder ins Stolpern.

Schöne digitale Welt?

Digitale Videos auf DVD bieten eine Bildqualität, die der Kinofreund in den eigenen vier Wänden bislang noch nie bestaunen durfte. Der mobile MP3-Player wiegt kaum noch etwas und belästigt den Zuhörer selbst dann nicht mit früher üblichen Aussetzern, wenn der gerade joggend über Stock und Stein läuft. Mit dem geeigneten Gigabyte-Speicherchip nimmt eine Digitalkamera bis zu tausend Fotos am Stück auf – nur der Akku muss zwischendurch gewechselt werden, nicht aber der Film. Schöne digitale Welt? Sicherlich. Nicht umsonst setzen sich die drei Techniken DVD, Digitalkamera und MP3 zunehmend nicht nur in den Arbeitszimmern der technikversessenen Journalisten, sondern auch in den Wohnzimmern des typischen Bürgers durch. Doch vor den hemmungslosen Genuss hat der Herr die Pein gesetzt. Ganz analoge Probleme bringen die digitalen Errungenschaften immer wieder zu Fall.

Heute bestellt, morgen zugestellt

Gibt es etwas Schöneres als das Online-Shopping? Endlich muss man nicht mehr Däumchen drehend warten, bis sich die Dame des Herzens im Ladengeschäft endlich zwischen dem grünen Rock und dem roten Pullover entschieden hat. Während sie sich durch die Online-Shops klickt, kann man sich schon wieder gemütlich vor dem Fernseher ins Sofa lümmeln, um die neueste Folge der Baller-Science-Fiction-Serie „Andromeda“ zu verfolgen. Anziehsachen, DVDs, Bücher und andere Dinge des täglichen Lebens: Heute im Netz bestellt, morgen schon mit der Post zugestellt. So soll es sein, das digitale Leben.

"Tach, Post!"

Wenn unsere mufflige Postbotin nicht wäre. Sie schiebt ihr Postfahrrad jeden Tag aufs Neue mit Todesverachtung über die ungepflasterte Straße, um die Post mit brachialer Gewalt in die Briefkästen zu stopfen. Da wir immer sehr viel Post bekommen, reicht selbst der überdimensionierte Briefkasten nicht aus, um alles aufzunehmen. Der Weg bis zur Kellertür ist der Postbotin oft zu weit. Und ihrem Vorschlag, doch eine Plastiktüte an den Zaun zu hängen, konnten wir bislang nichts abgewinnen. Oft wird die Post deswegen so in den Kasten gestopft, dass die Hälfte noch steil zur Klappe herausschaut. Und hier frei der Witterung und den diebischen Händen neugieriger Kids ausgesetzt ist. Bei Regen und Schnee wirkt diese Vorrichtung wie ein Trichter, der alles Wasser in das Innere des Briefkastens lenkt. Beim Leeren des Kastens treten dann durchnässte Bücher, völlig aufgeweichte PC-Zeitschriften und schwimmende Video-DVDs zutage. Immerhin lassen sich die CDs und DVDs nach dem Trocknen weiterverwenden. Vor allem Amazon legt viel Wert auf eine sichere Zustellung ihrer Ware: Zumindest die obligatorisch beiliegenden Gummibärchen sind in ein Plastiktütchen eingeschweißt, sodass sie nicht nass werden können.

Apropos CDs. So eine Silberscheibe ist ein praktischer Massenspeicher, der bis zu 700 Megabyte Daten schlucken kann. Ohne das metallbedampfte Polykarbonatexponat würde so manche PC-Zeitschrift gar nicht erst auf den Markt kommen. Viele PC-Freunde freuen sich jeden Monat aufs Neue darauf, die auf der Heft-CD gespeicherten Programme auf dem eigenen Rechner auszuprobieren. Doch Pustekuchen. Oft genug kommt es vor, dass die CDs sich im Laufwerk überhaupt nicht ansprechen lassen und ihren Inhalt konsequent für sich behalten. Bestenfalls findet sie noch als Frisbee Verwendung. Bitterböse Briefe gehen in diesem Fall bei den Verlagen ein. Sie fordern kostenlosen Ersatz für die defekte CD, die den Anwendern anscheinend mutwillig untergeschoben wurde. Und bitten um ein intaktes Exemplar – so, als würde der Verlag bei der Produktion den Auftrag ausstellen, 50 Prozent defekte oder 50 Prozent intakte CDs herzustellen.

Verkratzt, verklebt, verknotet

Alle CDs, die hergestellt werden, sind völlig identisch. Zu Problemen kommt es erst wieder beim Kontakt mit der analogen Welt. Maschinen sorgen in den Druckereibetrieben dafür, dass die nackten CDs in Papierhüllen eingetütet und dann auf ein Magazin geklebt werden. Hier sorgen Kratzer von den Förderbändern oft genug für zerstörte Datenbereiche auf der CD. Beliebt sind auch Heißkleber, die so viel Grad Celsius auf die Silberscheibe bringen, dass sich die Schmelzspuren deutlich auch auf den Silberlingen abzeichnen. Auf dem Weg zum Kiosk werden die CDs weiter belastet. Etwa dann, wenn die Hefte brutal zusammengedrückt und verknotet werden. So sorgen mechanische Belastungen dafür, dass die Welt der Bits & Bytes durcheinander gerät.

Die Fehlerkorrektur moderner CD-ROM-Laufwerke kommt mit den Kratzern und Aussetzern übrigens recht gut zurecht. Vor allem alte Laufwerke weigern sich oft, eine „angeschlagene“ CD auszulesen.

Vibrationsalarm

Herr Franz hat ein Problem. Der Brenner in seinem nagelneuen Rechner will nicht so recht. Er brennt immer 90 Prozent der Daten und setzt dann einfach aus. Herr Franz lauscht: "Hören Sie mal, wie das da drinnen vibriert, summt und brummt." Minuten später hat er den Rechner aufgeschraubt und beugt sich über die Eingeweide. Jetzt brummt Herr Franz: "Der Brenner ist ja nur mit einer einzigen Schraube festgemacht." Leider ist es aufgrund der Enge im Gerät nicht möglich, weitere Schrauben nachzuziehen, damit das Gerät wirklich festsitzt. Wir sind pragmatisch: Ein Stück Pappe wird gefaltet und so in den Rahmen des Brenners gesteckt, dass dieser bombensicher festsitzt. Jetzt klappt's auch mit dem Brennen, auch wenn sich Herr Franz noch Tage später aufregt, dass ihn die Vibrationen eines falsch eingeschraubten Brenners so viele verbrannte Rohlinge gekostet haben: "Da will einer zehn Cents für Schrauben sparen, und ich verbrenne mir Rohlinge im Wert von mehreren Euro. Na klasse."

Ein Klassiker: der Wackelkontakt in der Lautsprecherbuchse

Ich kann da gar nicht so richtig hinhören. Mein neuer Billig-MP3-Player spielt die gespeicherte Musik in erstklassiger Qualität ab. Leider plagt mich ein Problem, dass ich seit meiner Pubertät mit den ersten tragbaren Sony Walkmans habe: Ich habe einen Wackelkontakt in der Kopfhörerbuchse. Drei Sekunden gibt es Musik in Stereo, dann drei Sekunden nur auf einem Ohr, dann gar nicht mehr. Ob hier auch ein Stück Pappe hilft? Wohl kaum.

Abgegrabbelt

Manchmal hilft es nur noch, den Computer auszuschalten und in der nächsten Kneipe ein Bier zu trinken. Bei meiner neuen Tastatur tritt nämlich ein ganz ungeahntes Problem auf: Die Buchstaben auf den Tasten lösen sich auf. Ganz klar ist zu erkennen, dass ich das E, das A und das S extrem häufig verwende – hier sind die Buchstaben auf den Tastenkappen gar nicht mehr zu erkennen. Komisch, dass das J noch so schwarz strahlt, dabei ist das I direkt darüber völlig zerschossen und auch die Nachbarn U, H, N, M und K sehen nicht mehr ganz frisch aus. Gut, dass ich beim Tippen eh auf den Monitor und nicht auf die Tastatur schaue. Wie löse ich dieses analoge Problem aber auf Dauer? Neue Tastatur anschaffen? Oder die Buchstaben mit Edding nachmalen?

Carsten Scheibe
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