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Vernetztes Haus: Musik, immer und überall

Mit digitalen Media-Adaptern und einem Heimnetzwerk lassen sich Musik, Fotos oder Videos vom Computer an jeden Ort im Haus übertragen.

Von Hannes Rügheimer

Da liegen sie nun, eingesperrt auf der Festplatte des PC im Arbeitszimmer, all die digitalen Alltagsdaten: jede Menge Musik, die den Rechner nur per iPod-Player verlassen kann; Urlaubsfotos, zu deren Ansicht Verwandte und Freunde eigens ins Büro gebeten werden müssen; die Lieblings-TV-Serie, die sich dank Zusatzausstattung des PC zwar aufnehmen lässt, aber dann nicht den Weg auf den Fernseher findet.

Immer mehr Menschen sammeln solche Multimedia-Daten auf ihrem Computer - und immer drängender wird folglich das Problem, die Musik vom Rechner in die Stereoanlage zu kriegen oder von der Festplatte auf den Fernseher.

Das Heimnetzwerk hilft

Das Problem ist lösbar - und sogar mit vertretbarem (finanziellem) Aufwand. "Heimnetzwerke" nennt es die Branche, wenn zu Hause mehrere PCs miteinander verbunden werden, um etwa einen Internetanschluss oder einen Drucker zu teilen. Wenn dann auch noch mithilfe eines "Digital Media Adapter" (DMA) Stereoanlage oder TV eingebunden werden, ist das Problem schon gelöst. WLAN-Funknetze, die Stromleitung oder sogar die Antennenanlage in Haus oder Wohnung sind die Basis solcher Netzwerke. (Mehr über Netzwerke über Stromkabel lesen Sie morgen in dem "Huckepack in der Steckdose").

Doch wichtiger sind die daran angeschlossenen Geräte - und von denen gibt es inzwischen eine breite Auswahl. Die ehemals komplizierte Installation haben die Hersteller deutlich vereinfacht. "Universal Plug and Play" (UPnP) heißt der Standard, der "Einstecken und Loslegen" möglich machen soll. Der "Digital Media Adapter" wird einerseits mit dem Heimnetz und andererseits mit Musikanlage oder Fernseher verbunden - dann kann er Musik, Fotos oder sogar Filme vom PC abrufen.

Musikanten

Zu Preisen ab 100 Euro gibt es Geräte wie den "SLA5520" von Philips, die "Squeezebox 3" von der US-Firma Slim Devices, die gerade von Logitech geschluckt wurde, oder die "Soundbridge" von US-Hersteller Roku, mittlerweile aufgekauft von Pinnacle. Sie alle spielen die auf einem PC gespeicherte MP3-Musik auf der Stereoanlage im Wohnzimmer ab. Dazu werden sie mit einer Fernbedienung geliefert, mit der man den Musikfundus auf dem PC durchsuchen kann; ein Display zeigt Listen mit den Liedern oder den gerade laufenden Song. Das Terratec Noxon iRadio bringt sogar einen eingebauten Lautsprecher mit und kommt dadurch ohne Stereoanlage aus - das ist die Internetversion des guten, alten Küchenradios, die es ähnlich auch von Roku gibt.

Alle diese Geräte können noch mehr als nur Musik vom PC abspielen: Im Internet senden Tausende von "Radiosendern" ihre Inhalte digital - und die "Digital Media Adapter" können sie empfangen. Das funktioniert unabhängig vom PC allein über den Internetanschluss im Haus. Der sollte allerdings einen Flatrate-Tarif haben, weil beim Radioempfang ständig Daten fließen. Die Auswahl umfasst "richtige" Sender aus aller Welt, von BBC bis NDR, ebenso wie am PC selbst gestrickte Programme von Amateuren: Bluegrass aus Australien, Indie aus England zum Beispiel.

Dass sich die Hersteller mit ihren Adaptern vor allem auf Audio-Wiedergabe konzentrieren, hat technische Gründe: Die Datenmengen sind bei der Tonübertragung gering, deshalb muss das Netz nicht besonders schnell sein. Selbst wenn das Funknetz im Haus durch Wände und Decken hindurch nur noch knapp die Verbindung halten kann, reicht das Tempo für Musik meist noch aus.

Auch Digitalfotos sind im Hinblick auf die Netzqualität noch anspruchslos. Und so können Geräte wie der "Activy Media Player 150" von Fujitsu-Siemens (um 220 Euro) oder das "Show Center 200" von Pinnacle (um 170 Euro) nicht nur Musik übertragen, sondern auch eine Diashow vom PC auf den Fernseher zaubern.

Problemfall Video

Kritisch wird es, wenn die Videoübertragungskünste dieser Geräte zur Geltung kommen sollen. Dafür muss das Netz sehr schnell sein - deshalb sollte man mit dessen Konzeption und Einrichtung besser den Computerfreak seines Vertrauens beauftragen. Dann aber kann der zum Videorekorder umfunktionierte Arbeitszimmer-PC die Fernsehgewohnheiten in der guten Stube nachhaltig verändern - weil er, je nach installierter Software, Werbung überspringen oder entfernen und Live-TV pausieren lassen kann.

Wer einmal sein Heim auf diese Weise vernetzt hat, will nicht mehr zurück: Mit der Befreiung der Multimedia-Daten aus dem PC findet der Computer seinen Platz im Wohnzimmer - ohne dort zu stören.

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