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Wlan-Lautsprecher: Das Ende der klassischen Stereoanlage

Eine neue Art von Stereoanlagen beginnt sich langsam durchzusetzen: Lautsprecher, die ohne Tonträger auskommen, weil sie die Musik digital über eine Drahtlos-Verbindung empfangen. Kabelsalat adè.

Von Ulf Schönert

Schön war die Zeit mit solchen HiFi-Racks. Der Sound war gut, doch flexibel waren sie nie.

Schön war die Zeit mit solchen HiFi-Racks. Der Sound war gut, doch flexibel waren sie nie.

Ein CD-Player, ein Kassettendeck, ein Verstärker mit Radioteil, alles schön zu einem Turm gestapelt. Daran angeschlossen zwei Lautsprecher und daneben ein Regal voller Tonträger: Jahrzehntelang haben wir auf diese Weise Musik gehört, jahrzehntelang sahen Stereoanlagen in Wohn- und Kinderzimmern so aus. Schaut man sich heute aber die allerneusten Geräte mancher Hersteller an, ist davon nicht mehr viel übrig. Genauer gesagt sogar nur noch die Boxen. Sie (und zur Bedienung ein Smartphone oder ein Tablet), reichen inzwischen aus, um die eigene Wohnung mit Musik beschallen. Tonträger, Kabelsalat, Bedienknöpfe: All das ist nicht mehr nötig.

Ein einheitlicher Name für diese Art neuer Musikspieler hat sich noch nicht durchgesetzt. Wlan-Boxen, Netzwerk-Lautsprecher oder Multiroom-Player werden sie zum Beispiel genannt. Doch allen ist gemeinsam, dass sie digital, vernetzt, online und drahtlos sind. Und dass sie nicht nur Platz im Regal sparen. Sondern gleich die Art und Weise ändern, wie wir Musik insgesamt hören.

Fast alle Hifi-Hersteller haben inzwischen solche vernetzten Boxen im Angebot. Nur selten sieht man ihnen von außen an, dass es sich dabei um ganz neue, revolutionäre Geräte handelt. Das Design ist in der Regel schlicht oder sogar im Retro-Style gehalten. Im Inneren aber arbeitet Hochtechnologie.

Regler und Knöpfe, aber auch Displays sucht man bei den Netzwerk-Lautsprechern meistens vergeblich. Allenfalls eine Laut/Leise-Kombination oder ein Stummschalter ist am Gehäuse vorhanden. Ansonsten werden die neuen Stereoanlagen mit Handy- oder Tablet-Apps bedient. Dazu hat jeder Hersteller - normalerweise kostenlose - Anwendungen programmiert, die allerdings immer nur mit bestimmten Modellen funktionieren. Die Apps arbeiten meist schnell und sind oft auch sehr hübsch gestaltet. Sie stellen die Musik in Form von Albumcovern dar, haben eine Suchfunktion, um leichter bestimmte Interpreten oder Lieder finden zu können und natürlich eine Shuffle-Funktion, um sich vom nächsten Stück überraschen zu lassen. Es macht Spaß, auf diese Weise Musik auszuwählen - fast so viel Spaß, wie in einem Vinylstapel zu 'blättern'.

Ein Server muss her - doch welcher?

Selbst speichern können Netzwerk-Lautsprecher die Musik in der Regel nicht. Um ihnen Töne zu entlocken, müssen sie mit einem Computer oder Server verbunden werden, der sich entweder im eigenen Haus befindet oder im Internet. Ein einfaches Einstecken von MP3-gefüllten USB-Sticks reicht nicht aus. Es braucht einen Computer samt Software, die Musikanfragen der angeschlossenen Geräte entgegennimmt, verarbeitet und den gewünschten Titel zurückspielt. Als "intelligente Musikspeicher" lassen sich verschiedene Geräte verwenden.

Zum Beispiel

der eigene PC

. Wer darauf eine große eigene MP3-Sammlung hat, kann diese dem Lautsprecher normalerweise über eine so genannte Netzwerk-Freigabe bereitstellen. Der Vorteil: Das Ganze verursacht keine zusätzlichen Kosten. Der Nachteil: Die erstmalige Einrichtung erfordert ein wenig technischen Sachverstand. Zudem muss der PC immer laufen, damit die Netzwerk-Boxen die Musik auch abrufen können.

Die zweite Variante sind Netzwerklaufwerke, Festplatten mit einem kleinen Computer samt Betriebssystem drin. Die

NAS-Festplatten

genannten Systeme sind zwar enorm flexibel, sie erfordern jedoch bei der Einrichtung Grundkenntnisse in der Computervernetzung. Und sie sind mit 150 Euro aufwärts vergleichsweise teuer. Für Einsteiger empfiehlt sich ein vorkonfiguriertes NAS-System mit bereits eingebauter Festplatte. Das NAS wird an den Router angeschlossen und kann dann von jedem internetfähigen Gerät im Haushalt angesteuert werden, also auch von Multiroom-Anlagen, Smartphones oder gar dem Fernseher. Sollte der Router bereits NAS-Funktionen mitbringen, reicht sogar der Anschluss einer normalen externen Festplatte für 50 Euro.

Als dritte, kostengünstige Alternative, lässt sich die Musik von einem

Tablet oder Handy

holen. Auch von deren Speichern aus lassen sich viele Netzwerk-Boxen mit Musik versorgen. Für umfangreiche Musiksammlungen reichen die knappen Speicher jedoch in der Regel nicht aus.

Die vierte Variante ist die beste - aber leider kostenpflichtig. Man verbindet die Netzwerk-Lautsprecher mit einem

Streaming-Dienst

, zum Beispiel mit Simfy, Spotify, Juke oder Radio. Etwa zehn Euro im Monat kostet so ein Musik-Abo, durch das man Zugriff auf mehr als 20 Millionen Musiktitel erhält, die direkt im Lautsprecher wiedergegeben können.

Multiroom: Musik für die ganze Wohnung

Einfache Netzwerk-Lautsprecher kann man schon für unter 100 Euro kaufen. Die einfachsten Varianten empfangen Musik direkt von einem Handy oder einem Tablet, entweder über eine Wlan-, Bluetooth- oder Airplay-Verbindung. Auf diese Weise verbunden geben sie jeweils die Musik wieder, die auf dem Handy oder Tablet gespeichert wird. Gesteuert wird das Ganze via App.

Einen Schritt weiter gehen Multiroom-Anlagen, denn sie können ganze Wohnungen beschallen. Hersteller wie Pure, Sonos, Bose oder Raumfeld bieten so etwas an, die günstigsten Systeme gibt es ab etwa 150-200 Euro. Solche Multiroom-Anlagen kann man zu einem ganzen Ensemble von Boxen verbinden, die über ein Drahtlos-Netz alle miteinander verwoben sind. Dazu hängt man sie entweder einzeln ins hauseigene Wlan. Oder die Boxen bauen ein eigenes Funknetz auf. Der Vorteil von Letzterem: Ein Extra-Netz ist für Musikübertragung optimiert und dadurch besonders stabil. Das Vernetzen der einzelnen Geräte geht besonders leicht. Und die Reichweite lässt sich fast beliebig erweitern. Dazu muss man allerdings vom Hersteller der Boxen eine extra Basisstation kaufen, die an den normalen Internet-Router angeschlossen wird.

Flexibles System für alle Bedürfnisse

Steht das Musik-Netz, kann es fortan beliebig erweitert werden. Wer zunächst nur ein Wohnzimmergerät hat, kann sich später noch einen Küchen- oder Büro-Lautsprecher dazu kaufen und mit dem gleichen Netz verbinden. Mehr noch: Die einzelnen Boxen können sich Aufgaben teilen: Aus zwei Boxen, die im Wohnzimmer stehen, lässt sich zum Beispiel ein Stereopaar bilden. Auch ein Subwoofer oder eine Soundbar für den Fernseher kann dazugeschaltet werden. Ebenfalls möglich: Mehrere Handys und Tablets mit dem System zu verbinden. Dadurch kann von überall jeder Raum einzeln gesteuert werden, denn in jeder Smartphone- und Tablet-App gibt es eine Liste mit den einzelnen Räumen, für die man je eine unterschiedliche Beschallung auswählen kann: für die Küche zum Beispiel WDR2, für das Kinderzimmer Miley Cyrus, für das Wohnzimmer Haydn. Oder es können mehrere Räume (oder gleich alle) zu Gruppen zusammengeschlossen werden, die synchron das Gleiche spielen. Auf diese Weise kann man die Räume wechseln, ohne etwas im Radioprogramm zu verpassen. Oder bei einer Party, die in der ganzen Wohnung stattfindet, in allen Räumen das Gleiche abspielen.

Ulf Schönert