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Favoriten Asmussen und Coeuré außen vor: Kompromisskandidat Praet wird EZB-Chefvolkswirt

Zügel für "Merkozy"? Statt wie erwartet ein Franzose oder ein Deutscher wird der Belgier Peter Praet überraschend neuer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.

Jetzt sind die Belgier die lachenden Dritten: Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) wird Peter Praet. Das Direktorium der Notenbank einigte sich jetzt auf den 62-Jährigen, wie die EZB in Frankfurt am Main mitteilte. Praet setzte sich damit gegen den Deutschen Jörg Asmussen und gegen den Franzosen Benoît Coeuré durch, die beide als Favoriten für das Amt gegolten hatten.

Um einen deutsch-französischen Konflikt bei der Top-Personalie zu verhindern, übernehme das belgische EZB-Direktoriumsmitglied den wichtigen Posten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters in Finanz- und Notenbankkreisen. Die EZB wollte sich dazu nicht äußern

Ein Spielfeld politischer Interessen

Praet ist der erste Belgier auf diesem Spitzenposten: Seit Gründung der EZB hatten nur Deutsche das Amt bekleidet. Der 62-jährige Währungsfachmann Praet tritt die Nachfolge von Jürgen Stark an, der den Posten Ende 2011 aus Protest gegen die Staatsanleihenkäufe der EZB geräumt hatte.

Das EZB-Direktorium war in der Vergangenheit immer wieder ein Spielfeld politischer Interessen. Doch so einflussreich das Gremium im Alltag auch sein mag - in einem so komplexen und dezentralen Gebilde wie Europa und der europäischen Währungsunion hat es dann doch weniger Macht als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Alle für die gemeinsame Währung, die Geldpolitik und den Kampf gegen die Krise relevanten Entscheidungen fällt der EZB-Rat, in dem neben den sechs Direktoren auch die nationalen Notenbankchefs der aktuell 17 Euro-Länder sitzen.

Wer dort eine Mehrheit hinter sich bringt, bestimmt die Euro-Geldpolitik. Bundesbank-Chef Weidmann versucht in diesem Gremium, Allianzen für eine am Vorbild der Bundesbank ausgerichtete stabilitätsorientierte Geldpolitik zu schmieden. Die Mehrheit geht derzeit aber meist andere Wege.

jar/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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