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Asmussen soll EZB-Chefvolkswirt werden Schäubles Fachmann für Frankfurt


Jetzt ist es offiziell: Finanzminister Schäuble hat seinen Staatssekretär Asmussen als neuen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank vorgeschlagen. Der Bundesregierung wird der überparteilich geschätzte Mann fehlen.

Wenn alles gut geht, sitzen Jens Weidmann und Jörg Asmussen bald wieder an einem Tisch - und zwar bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Weidmann ist als Bundesbank-Präsident im EZB-Rat vertreten. Asmussen soll nach dem Willen der Bundesregierung Nachfolger des überraschend zurückgetretenen EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark werden - und damit im Kreis der Euro-Währungshüter sein. Beide kennen sich bestens, waren sie doch wichtige Krisenmanager in der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel.

Die beiden Finanzfachleute waren Schüler von Professor Axel Weber. Der hatte als Bundesbank-Chef erst im Frühjahr entnervt das Handtuch geworfen. Weidmann folgte ihm nach auf dem Chefposten der Deutschen Bundesbank. Nun könnte auch Asmussen die Karriereleiter hochsteigen: Am Samstag schlug Finanzminister Wolfgang Schäuble ihn als Nachfolger für Jürgen Stark bei der EZB vor. Stark galt wie Weber als Kritiker der milliardenschweren Anleihekäufe, mit der die EZB kriselnde Euro-Staaten stützt.

Schäuble hielt an ihm fest

Mit Krisen hat Asmussen reichlich Erfahrung. Seit Jahren zieht er im Finanzministerium unauffällig, aber wirksam und erfolgreich die Fäden - egal welches Parteibuch der jeweilige Minister gerade trägt. 2008 war Asmussen der Mann hinter Finanzminister Peer Steinbrück, der die Hilfspakete für die deutschen Banken schnüren musste.

Der 1966 in Flensburg geborene Ökonom durfte trotz seines SPD-Parteibuchs auch unter Steinbrücks CDU-Nachfolger Wolfgang Schäuble als Staatssekretär im Finanzministerium bleiben. Sehr zum Unmut der Union, vor allem aber der FDP. Schäuble wollte aber auf den Top-Fachmann, der bestens vernetzt ist, nicht verzichten.

Duzfreunde aus Studienzeiten

Die heutigen Koalitionspartner hatten sich in der IKB- und HRE-Krise vor allem an Finanzstaatssekretär Asmussen abgearbeitet. Der zweifache Vater war 2007 in die Kritik geraten, als sich die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB mit Immobiliengeschäften in den USA verspekulierte und mit Milliardengeldern gerettet werden musste. Asmussen saß für das Bundesfinanzministerium im Aufsichtsrat, als die Bank in die Schieflage geriet.

Asmussen ist ein enger Duzfreund von Bundesbank-Präsident Weidmann, der im Mai Nachfolger von Weber wurde. Auch Weidmann musste als Berater von Merkel die Politik verlassen, nachdem - wie nun EZB-Chefvolkswirt Stark - mit Weber ein Falke in Sachen Euro und Geldpolitik hinwarf. Asmussen und Weidmann kennen sich aus Bonner Studienzeiten - dort hörten sie eben jenen Professor Weber, der zu ihrem Mentor wurde. Als "Manager mit Beamtenstatus" steuerten Weidmann, Asmussen & Co. die gigantischen Rettungspakete des Staates für Banken, Euro und Unternehmen und mussten auch auf internationalem Parkett bestehen.

Asmussen empfahl Weber

Dass Merkel nun einen Mann mit SPD-Parteibuch auf den wichtigen Posten bei der Europäischen Zentralbank schicken könnte, zeigt, wie hochgeschätzt Asmussen ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein Indiz dafür, dass Deutschland kaum noch profilierte Finanzexperten für solche Posten hat - in Schäubles Ministerium wird Asmussen mitten in der Euro-Krise eine Lücke reißen. Auch bei den Beratungen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) über die Finanzmarktreform. Den Kritikern in der Koalition dürfte ein Weggang von Asmussen dagegen nur recht sein.

Seine Karriere starte Asmussen 1996 unter Finanzminister Theo Waigel (CSU). Schon damals war er Referent für internationale Finanz- und Währungspolitik. Unter Nachfolger Oskar Lafontaine (SPD) wurde er persönlicher Referent des Staatssekretärs Heiner Flassbeck, nach Lafontaines Rücktritt 1999 stieg Asmussen zum Büroleiter des neuen Finanzministers Hans Eichel (SPD) auf. Er überzeugte Eichel davon, Weber 2004 zum Bundesbank-Präsidenten zu machen. Es war zuvor auch die Idee von Asmussen gewesen, Weber in den Kreis der "Fünf Wirtschaftsweisen" als Regierungsberater zu berufen.

DPA/fgüs DPA

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