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Finanzmärkte: Bernankes Zaudern zieht die Märkte runter

Enttäuschung nach Rede des US-Notenbankchefs: Die Kapitalmärkte hatten auf konkreten Konjunkturhilfen gehofft, Ben Bernanke verschob jedoch die Entscheidung über mögliche Maßnahmen. Der Dax fällt um drei Prozent.

Eine als enttäuschend gewertete Rede des US-Notenbankchefs Ben Bernanke hat die internationalen Aktienmärkte am Freitag kurzzeitig unter zusätzlichen Verkaufsdruck gesetzt. Dax und EuroStoxx50 fielen um jeweils rund drei Prozent auf 5424 beziehungsweise 2145 Punkte. An der Wall Street rutschte der US-Standardwerteindex Dow Jones um 1,4 Prozent ab. Die US-Rohölsorte WTI verbilligte sich um 2,3 Prozent auf 83,39 Dollar je Barrel.

Der Markt habe offenbar auf konkrete Aussagen zu Hilfen für die schwächelnde US-Konjunktur gehofft, sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Die Fed hat allerdings kaum noch Optionen. Die Zinsen sind fast auf Null und die Wirkung des 'Quantitative Easing' ist umschritten. Bernanke betonte zwar, dass die Fed notfalls neue Maßnahmen starten werde, sagte dann aber lediglich, dass der Offenmarktausschuss der Zentralbank bei seiner nächsten Sitzung im September weiter darüber beraten wolle.

Konjunktursorgen und Schuldenkrise belasten die Märkte

Konjunktursorgen in den USA und Europa, die andauernde Debatte um die Schuldenkrise in der EU und die Angst vor Pannen im hochgradig störungsanfälligen Computerhandel mit Aktien: Diese brisante Mischung hatte die Börsen in dieser Woche ohnehin schon auf Talfahrt geschickt.

Schon am Donnerstag hatte der Dax seinen Erholungskurs mit einem plötzlichen Kursrutsch abgebrochen und deutlich im Minus geschlossen. Für Aufregung hatte ein jäher Absturz am Nachmittag gesorgt, der allerdings entgegen ersten Gerüchten nicht auf technische Probleme zurückgegangen sein soll. Auf Wochensicht fiel der Dax mit dem schwachen Freitag ins Minus zurück und steuerte so auf den fünften Wochenverlust in Folge zu.

Die US-Börsen starteten mit Verlusten in den letzten Handelstag dieser Woche. Der Dow Jones Industrial verlor zum Auftakt rund 1,7 Prozent auf 10 957 Punkte. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es um 1,8 Prozent auf 1138 Punkte nach unten.

Enttäuschung über Bernankes Zurückhaltung

"Die Nervosität an den Märkten ist hoch", sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank. Vom Fed-Präsidenten hatte er allerdings schon ein eher vorsichtiges Agieren erwartet. Ein Händler betonte, der Markt habe nun damit begonnen, eine vermutete Enttäuschung einzupreisen. Einige am Markt hätten bis zuletzt auf neue Maßnahmen der US-Notenbank gehofft. Im vergangenen Jahr hatte Bernanke auf der traditionellen Notenbank-Konferenz in Jackson Hole die zweite Runde milliardenschwerer Anleihenkäufe eingeläutet.

Die US-Wirtschaft steht weiter auf äußerst schwachen Beinen. Das Bruttoinlandsprodukt (Bip) stieg im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet lediglich um 1,0 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington am Freitag in seiner zweiten Berechnung mitteilte. Es korrigierte damit seine erste bereits enttäuschende Schätzung von Ende Juli - 1,3 Prozent - noch nach unten. Im ersten Quartal war die Wirtschaft sogar nur um 0,4 Prozent gewachsen. Das Wachstum im ersten Halbjahr war damit unter dem Strich das schwächste seit Beginn der Konjunkturerholung Mitte 2009.

iml/reuters/DPA / DPA / Reuters