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FLUGVERKEHR: Lufthansa hofft auf Konjunkturbelebung

Ein katastrophales Ergebnis im ersten Halbjahr - der operative Gewinn sank gleich um zwei Drittel - beirrte den Konzern nicht. Die befürchtete Gewinnwarnung blieb aus.

Nach einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2001 hat die Deutsche Lufthansa das Erreichen ihrer bereits verringerten Ergebnisziele vor allem von der weiteren internationalen Konjunkturentwicklung abhängig gemacht. »Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von 700 bis 750 Millionen Euro zu erreichen«, teilte die Lufthansa am Mittwoch in Frankfurt mit. »Vorausgesetzt werden eine Erholung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im vierten Quartal 2001 sowie stabile Durchschnittserlöse«, hieß es allerdings einschränkend. Im ersten Halbjahr sank der operative Gewinn um gut zwei Drittel auf 105 Millionen Euro und damit im Rahmen der Erwartungen. Der Umsatz stieg dagegen um 13,7 Prozent auf 7,81 Milliarden Euro.

Flugbranche klagt

Die Zahlen der Lufthansa waren mit Spannung erwartet worden, nachdem der Konzern und auch andere große Fluglinien Gewinnwarnungen abgegeben hatten. Immerhin blieb der Konzern zuversichtlich, dass die bereits nach unten korrigierten Zielmarken beim operativen Gewinn erreichbar waren. Die Lufthansa ist »verhalten optimistisch«, dass sich die weltweite Wirtschaftslage gegen Jahresende aufhellen könnte, sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley. Auf die Frage, ob die Lufthansa ihre Gewinnschätzung im Falle eines anhaltend schwachen Wirtschaftswachstums revidieren muss, wollte Kley nicht näher eingehen. »Wenn wir etwas hätten ändern müssen, hätten wir das getan«, unterstrich Kley.

Minus von 43 Millionen Euro

Nach Steuern verbuchte die Lufthansa im Halbjahr ein Minus von 43 Millionen Euro beziehungsweise elf Cents je Aktie nach einem Gewinn von 460 Millionen Euro und 1,21 Euro je Aktie im Vorjahr. Hierfür verantwortlich ist vor allem ein negatives Finanzergebnis von 205 Millionen Euro. Kley stellte klar, dass der Konzern für das Gesamtjahr einen Nettogewinn erzielen wird: »Natürlich erwarten wir ein positives Ergebnis«. Die Lufthansa-Zahlen trafen die Vorhersagen der Branchenkenner, die im Schnitt einen operativen Gewinn von 104 Millionen Euro und einen Umsatz von 7,64 Milliarden Euro erwartet hatten. Im ersten Quartal waren hier noch fünf Millionen Euro beziehungsweise 2,98 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit nannte die Lufthansa mit 229 Millionen Euro nach 689 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Keine Änderungen bei Kapazitäten mehr

Kleys Worten zufolge plant die Lufthansa derzeit keine weiteren Änderungen bei ihren Kapazitäten. Den Angaben zufolge entwickelten sich die unter anderem von der Auslastung der Maschinen abhängigen durchschnittlichen Erlöse pro geflogenen Passagier (»Yields«) positiv. Der Konzern hatte jüngst angekündigt, einige unrentable Flüge zu streichen. Die Lufthansa ist hier flexibel, sagte der Finanzchef. Das Angebot kann kurzfristig sowohl weiter reduziert als auch bei Bedarf wieder erhöht werden. Beibehalten will die Lufthansa den Angaben zufolge auch ihre Pläne zum Kauf des neuen Großraumflugzeugs A380. Konzernchef Jürgen Weber hatte jüngst angekündigt, für die Gesellschaft fünf bis sechs dieser Maschinen bestellen zu wollen.

Niedrigster Kurs seit zwei Jahren

Aktien-Analysten bezeichneten die Lufthansa-Zahlen als erwartungsgemäß und zeigten sich zudem »erleichtert«, dass es zu keiner weiteren Gewinnwarnung durch den Konzern kam. Der Aktienkurs der Lufthansa legte bis zum Nachmittag um 4,5 Prozent auf 17,29 Euro zu, womit er zwar einen Teil seiner jüngsten Verluste wett machen konnte, aber nach wie vor auf seinem niedrigsten Niveau seit rund zwei Jahren tendierte.

Analysten: LH ist »überraschend optimistisch«

Analystin Pia-Christina Schulze von Merck Finck zeigte sich skeptisch über die weitere Konjunktur-Entwicklung und kündigte eine Reduzierung ihrer Gewinnschätzung an. »Ich bin ein wenig vorsichtiger beim Ausblick als die Lufthansa«, sagte Schulze. Im Gegensatz zur Lufthansa geht sie nicht davon aus, dass sich die Konjunkturlage - und hier insbesondere in den USA - bereits im vierten Quartal bessern wird, sagte die Lufthansa-Analystin. Auch ihr Kollege Antony Bor vom Investmenthaus Merrill Lynch bezeichnete den Lufthansa-Ausblick als »überraschend optimistisch«. Er sieht derzeit keine Gründe, die den Aktienkurs der Lufthansa deutlich anziehen lassen können. Ungeachtet dessen hält er die Aktie weiterhin für unterbewertet und rät daher mittelfristig zum »Akkumulieren« des Titels.