HOME

Flugzeugbau: Starker Euro zwingt Airbus zum Sparen

Trotz eines vollen Orderbuchs steckt der Flugzeugbauer Airbus in einer finanziellen Krise. Schuld ist der starke Euro. Airbus-Chef Thomas Enders kündigte "radikale" Sparmaßnahmen an. Die IG-Metall warf ihm vor, das Sparprogramm "Power8" nicht richtig genutzt zu haben.

Der starke Euro setzt den europäischen Flugzeugbauer Airbus immer mehr unter Druck. Konzern-Chef Thomas Enders kündigte "radikale Maßnahmen" an. "Es gibt keine Tabus", sagte Enders im Rahmen einer Betriebsrätekonferenz in Hamburg. Es gehe um die gesamte Wertschöpfungskette, auch um Outsourcing. Airbus müsse alle Kostenblöcke auf den Prüfstand stellen und sehen, welche Zukunftsinvestitionen sich das Unternehmen noch leisten könne, sagte Enders weiter. Dies bedeute jedoch keine Stellenstreichungen, so Konzernsprecher Tore Prang. Das Orderbuch sei voll.

Verkauf der Werke wird geprüft

Das Unternehmen prüft einem Zeitungsbericht zufolge, den Verkauf seiner Werke vorerst zu stoppen. Stattdessen werde überlegt, die zum Verkauf stehenden Standorte in eine neue Tochtergesellschaft auszulagern, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in der Freitagausgabe unter Berufung auf Branchenkreise.

Erst im Frühjahr hatte die Airbus-Führung auf Grund der A380-Krise das Sanierungsprogramm "Power-8" beschlossen, das den Abbau von 10.000 Stellen sowie den Verkauf von sechs Werken vorsieht. Von den Verkaufsplänen sind in Deutschland die drei Airbus-Werke Varel, Nordenham und Laupheim sowie das EADS-Werk Augsburg betroffen. Die Verhandlungen ziehen sich hin, unter anderem war mit dem Voith-Konzern ein favorisierter Interessent abgesprungen.

Auch der geplante Abbau von rund 3700 Arbeitsplätzen in Deutschland dauert länger als geplant. Airbus braucht Milliarden, um die Entwicklung der neuen Maschine A350XWB zu finanzieren und das von Verzögerungen schwer belastete A380-Programm voranzutreiben. Die Airbus-Kapazitäten sind voll ausgelastet und das Unternehmen hat mehr als 3000 Flugzeuge herzustellen.

Starker Euro führt zu "gewaltigen Verlusten"

Die jetzt angekündigten Sparmaßnahmen sind vor allem eine Reaktion auf den starken Euro. Flugzeuge werden international in Dollar abgerechnet, ein beträchtlicher Teil der Kosten fällt jedoch im Euroraum an. "Power8" ist auf einen Eurokurs von 1,35 Dollar ausgerichtet, mittlerweile steuert der Kurs jedoch bereits auf 1,50 Dollar zu. Deshalb wurde das Sparziel im Rahmen von "Power8" bereits von 2,1 auf 3,1 Milliarden Euro erhöht. Trotz der Aufträge in Rekordhöhe müsse nach Angaben des Konzerns deshalb mit "gewaltigen Verlusten" gerechnet werden.

Zu konkreten Entscheidungen in Sachen Sparmaßnahmen soll es in den nächsten Wochen kommen, sagte Airbus-Chef Enders. Die Gewerkschaft IG Metall bestätigte weitgehend die Inhalte der Rede, sieht sie aber gleichzeitig relativ gelassen. "Enders hat nichts Neues gesagt und ist viele Antworten schuldig geblieben", sagte Daniel Friedrich, der Sprecher der IG Metall Küste. Es bleibe offen, was damit gemeint sei, wenn es "keine Tabus" geben solle. Für die IG Metall stehe angesichts der hervorragenden Auftragslage von Airbus nicht das Sparen im Vordergrund, sondern die Optimierung der Produktionsprozesse. Friedrich erinnerte daran, dass Airbus das eigene Programm "Power8" bislang eher schleppend umsetze.

AP/DPA / AP / DPA