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Frankreich: Schutzschild für Konzerne

Um ihre Konzerne vor Übernahmen zu schützen, plant die französische Regierung einen Übernahmeschutz für ihre Schlüsselindustrien.

Die französische Regierung will eine Liste von Industriebereichen erstellen, die besonders gegen Übernahmen aus dem Ausland geschützt werden sollen.

Dabei werde es um Firmen aus Schlüsselsektoren gehen, sagte Industrieminister Francois Loos der Zeitung "Les Echos" vom Montag. Für welche Bereiche ein solcher Schutzschild geplant ist, blieb offen. Allerdings sei etwa der Nickel-Produzent Eramet strategisch wichtiger als der Nahrungsmittelhersteller Danone, sagte der Minister. Um beide Firmen hatte es zuletzt Übernahme-Spekulationen gegeben.

"Unsere Politik ist nicht, generell gegen jede Übernahme eines französischen Unternehmens Einspruch zu erheben", sagte Loos. "Es geht vielmehr darum, die Wettbewerbsfähigkeit und die Unabhängigkeit unserer Firmen zu stärken und dies als Maßnahme zu sehen, dass unsere Firmen mit den gleichen Waffen kämpfen können wie ihre ausländischen Wettbewerber." Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte dazu, man sei zuversichtlich, dass sich Frankreich an die Übernahme-Regeln der Europäischen Union (EU) halte.

Eine Liste strategisch wichtiger französischer Unternehmen

Loos sagte, Frankreich arbeite an einer europäischen Richtlinie, die es einer vor einer Übernahme bedrohten Firma erlaube, die gleichen Abwehr-Instrumente einzusetzen, die im Land des Kauf-Interessenten erlaubt seien. Diese Richtlinie solle in den kommenden Wochen fertig gestellt sein.

Zudem wolle die Regierung in den kommenden Wochen eine Liste solcher Sektoren veröffentlichen, die für strategisch wichtig gehalten würden und die vor der Übernahme der Kontroll-Mehrheit durch ein ausländisches Unternehmen geschützt werden sollten. "Das wird für ausländische Aktionäre Transparenz bieten", sagte Loos. Die Regierung wolle dabei auch französische Pensionsfonds und Investment-Bereiche, die eng an die staatliche französische Bank Caisse des Depots et Consignations (CDC) angelehnt sind, zu Anteilskäufen in diesen strategischen Bereichen ermuntern. An erster Stelle seien aber die Firmen aufgefordert, ihre Unabhängigkeit durch den Aufbau von Werten zu sichern.

"Wirtschaftlicher Patriotismus"

Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, die brasilianische CVRD wolle Eramet übernehmen. Die CVRD hatte dies aber dementiert. Zudem hatte es Spekulationen gegeben, der US-Konzern PepsiCo wolle Danone kaufen. Mit Blick darauf hatten Präsident Jacques Chirac und Ministerpräsident Dominique de Villepin den Schutz einheimischer Firmen betont. Villepin hatte zu einem "wirtschaftlichen Patriotismus" aufgerufen.

Frankreich hat wiederholt durchblicken lassen, in wichtigen Bereichen zwar nichts gegen Übernahmen in der Hand zu haben. Die Kontrolle sollte aber nicht in ausländische Hände gelangen. 2004 hatte es Streit mit der deutschen Regierung gegeben, nachdem es auch politischen Widerstand gegen das Interesse des Siemens-Konzerns an der französischen Alstom gab.

Reuters / Reuters
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