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"Save the children"-Report: Das endlose Leid der syrischen Kinder

Sie werden erschossen, gefoltert, als Schutzschild missbraucht: Der Bürgerkrieg in Syrien trifft Kinder am härtesten. Die Organisation "Save the children" fordert ein sofortiges Ende der Kämpfe.

Während in dem seit mehr als einem Jahr anhaltenden Bürgerkrieg in Syrien kein Ende absehbar ist, müssen vor allem Kinder dort unvorstellbares Leid erdulden. Die Organisation "Save the Children" berichtet in einem am Dienstag vorgelegten Report über Massaker, brutale Übergriffe und Folter. Die Organisation fordert in einer Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Vereinten Nationen (UN) und deren Mitgliedsstaaten auf, mit allen Mitteln den Schutz der Kinder vor Gräueltaten sicherzustellen. Der internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi malte am Vortag ein dramatisches Bild von der Lage in dem Land. Sie sei "extrem schlecht und werde immer schlechter". Er habe keinen Plan für eine politische Lösung, aber ein paar Ideen. Momentan sei der Prozess festgefahren, er hoffe aber, bald etwas voranzukommen.

16-Jähriger Augenzeuge: "Sie behandelten seinen Köper, als wäre er ein Hund"

Jeden Tag, den der Bürgerkrieg länger dauert, bringt den Kindern in Syrien weiteres maßloses Leid. Die von "Save the Children" veröffentlichten Aussagen betroffener Kinder werfen ein Schlaglicht auf deren Schicksal: "Dieser sechsjährige Junge wurde mehr als alle anderen in diesem Raum gefoltert. Er wurde regelmäßig geschlagen. Ich sah zu, wie er starb. Er überlebte nur drei Tage, dann starb er einfach. Er hatte die ganze Zeit schreckliche Angst. Sie behandelten seinen Körper, als wäre er ein Hund. Damals konnte ich an gar nichts denken...", berichtete der 16-jährige Wael.

17-Jähriger Augenzeuge: "In meinem Dorf wurde auf ein zweijähriges Mädchen geschossen"

Ein 14-Jähriger sagte: "Sie nehmen Kinder und stellen sie vor sich. Sie machen sich einen Schutzschild aus Kindern." Der 15-jährige Kahlid sagte: "Sie hängten mich an meinen Handgelenken an die Decke, meine Füße waren über der Erde, und dann wurde ich geschlagen. Wir sollten reden, irgendetwas gestehen..." Ein aus Syrien geflohener 17-Jähriger berichtete über die Ermordung eines Kleinkindes: "In meinem Dorf wurde auf ein zweijähriges Mädchen geschossen, das daraufhin starb. Es lief einfach nur da lang, und sie haben es erschossen." Sechsjährigen seien als Strafe nach einer Demonstration Fingernägel ausgerissen worden. In vielen der Berichten wird nicht klar, wer die Gräueltaten verübt hat.

Brahimi: Kein Plan für eine politische Lösung

"Kinder zu treffen, die von Tod, Gewalt und Zerstörung berichten, hat mich unglaublich erschüttert", sagte Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von "Save the Children Deutschland". Sie hatte vergangene Woche das Flüchtlingscamp Saatari in Jordanien besucht. "Das Morden in Syrien muss sofort gestoppt werden, damit nicht noch mehr Kinder leiden müssen", forderte sie. Der seit eineinhalb Jahren andauernde Volksaufstand in Syrien ist eines der wichtigsten Themen bei der gegenwärtigen UN-Vollversammlung in New York.

Dennoch ist eine Lösung nicht in Sicht. Syrien-Vermittler Brahimi sagte, der Konflikt bedrohe die gesamte Region und den Weltfrieden. Eine einfache Lösung gebe es nicht. "Man kann nicht zu dem früheren Syrien zurückkehren", sagte er. "Reformen reichen jetzt nicht mehr aus, nötig sei ein Wandel." Doch von den Vereinten Nationen kommen derzeit keine neuen Vorschläge zur Lösung des Konflikts. Der Sicherheitsrat ist seit Monaten blockiert, weil Russland und China ihre Hände schützend über den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad halten. Derweil sind in den Auseinandersetzungen in Syrien nach UN-Schätzungen 20.000 Menschen getötet worden. Mehr als 250.000 der rund 21 Millionen Einwohner flüchteten in die Nachbarländer.

lin/Reuters / Reuters