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Blutbad in Homs: Assad-Milizen sollen Frauen und Kinder massakriert haben

Die Gewalt in Syrien erreicht einen neuen Höhepunkt: Nach Angaben von Regimegegnern haben Assads Truppen in Homs Dutzende Menschen massakriert, darunter viele Frauen und Kinder.

In der syrischen Widerstandshochburg Homs haben die Truppen von Präsident Baschar al Assad nach Informationen von Aktivisten 57 Zivilisten massakriert. Die Regimegegner zeigten am Montag Videoaufnahmen von Kindern und Frauen, die in dem Viertel Karam al Seitun mit Messern getötet worden sein sollen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana macht dagegen "terroristische Banden" für das Massaker verantwortlich. Sie hätten die verstümmelten Leichen anschließend gefilmt, um die Regierung zu diskreditieren. Weitere 24 Menschen sollen am Wochenende bei der Flucht aus der Stadt Idlib getötet worden sein.

Einige der Kinder in Homs seien erwürgt worden. Die Leichen seien am Sonntagabend gefunden worden; das Blutbad sei früher am Tag von Mitgliedern der Schabiha, bewaffneten Milizionären Assads, angerichtet worden, hieß es. Insgesamt starben den Angaben zufolge 28 Kinder, 23 Frauen und 6 Männer, nach anderen Angaben gab es insgesamt 47 Tote. Ein Arzt aus Homs, den der Nachrichtensender al Arabija am Montag interviewte, berichtete außerdem von zahlreichen Vergewaltigungen.

Der Arzt sagte, es fehle an medizinischen Hilfsmitteln, um Dutzende Verletzte zu behandeln. Die syrische Opposition rief er auf, endlich mehr Einigkeit zu zeigen. Erst dann werde sich die internationale Gemeinschaft zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die Menschenrechtsverletzungen des Assad-Regimes durchringen, sagte er. Andernfalls drohe ein Völkermord wie einst in Ruanda.

Funktionäre bringen Verwandte ins Ausland

In der Nacht zu Montag sollen nach Angaben der Opposition zudem 24 Zivilisten getötet worden sein, als sie versuchten, die Stadt Idlib zu verlassen. In einem Dorf im Bezirk Dschabal al Sawija in der Provinz Idlib seien am Sonntagabend 35 Zivilisten "als Geiseln genommen worden". Die Regierungstruppen hätten damit gedroht, das Dorf Ain Laros erneut anzugreifen, wenn sich die Bewohner des Bezirks weigern sollten, Deserteure auszuliefern, die sich dort versteckt haben sollen. Von unabhängiger Seite sind derartige Berichte nur schwer zu überprüfen, weil Syrien keine freie Berichterstattung der Presse erlaubt.

Das regimekritische unabhängige syrische Nachrichtenportal "All4Syria" meldete unterdessen, mehrere hochrangige Funktionäre aus dem Sicherheitsapparat und Beschäftigte des staatlichen Fernsehens hätten ihre Familie in den vergangenen Wochen ins Ausland geschickt. Um nicht aufzufallen, hätten sie bei den Behörden um Ausreisegenehmigungen, "zum Zweck der medizinischen Behandlung" ersucht. Einige der Funktionäre hätten Bestechungsgelder bezahlt, um die Ausreise ihrer Angehörigen sicherzustellen. Regierungsbeamte, die sich der Revolution angeschlossen haben, hatten zuvor berichtet, für Funktionsträger sei eine Ausreisesperre verhängt worden.

Sichere Zone soll Bewohner schützen

Der Syrische Nationalrat (SNC) forderte derweil die Einrichtung einer sogenannten sicheren Zone im Land. Angesichts der jüngsten Verbrechen des Regimes in Homs sei es notwendig, die Stadt und die umliegenden Gebiete zu schützen. Die Arabische Liga, die Vereinten Nationen und die Organisation der islamischen Staaten müssten dringend einschreiten, um das Töten zu beenden.

Im Libyenkonflikt hatte die Nato im vergangenen Jahr das von Oppositionellen kontrollierte Gebiet im Osten des Landes mit Luftangriffen vor dem Zugriff der Truppen des Diktators Muammar al Gaddafi geschützt. Für einen vergleichbaren Einsatz in Syrien gibt es bislang kein UN-Mandat.

Die Gewalt in Syrien soll im Laufe des Tages Thema einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats sein. Am Rande war ein Treffen von US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow vorgesehen. Am Wochenende hatte sich der Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Kofi Annan, in Damaskus um ein Ende der Gewalt bemüht.

mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters