Führungswechsel BMW vermeidet eine Führungskrise


Führungswechsel bei BMW: Produktionsvorstand Norbert Reithofer soll neuer Vorstandschef des Autobauers werden. Damit zog der Autobauer einen Schlussstrich unter die wochenlange Debatte um den Posten des Firmenchefs.

Einen Seitenhieb auf den Konkurrenten VW hatte sich BMW-Chef Helmut Panke nicht verkneifen können. Eine quälende öffentliche Debatte um die Verlängerung seines Vertrags werde es bei BMW im Gegensatz zur Konkurrenz sicher nicht geben, sagte Panke im März auf der Bilanz-Pressekonferenz. Damals tobte bei Volkswagen gerade der Machtkampf um die Vertragsverlängerung für Bernd Pischetsrieder. Bei BMW und der Quandt-Familie als Großaktionär sollen Personalien dagegen diskret geregelt werden. Doch auch bei BMW schossen in den vergangenen Wochen die Spekulationen ins Kraut, auf den Fluren des Konzerns war die Führungsfrage allgegenwärtig. Mit der vorgezogenen Berufung von Produktionsvorstand Norbert Reithofer an die Spitze des Konzerns soll am 20. Juli ein Schlussstrich gezogen werden.

"Lähmung des Unternehmens vermeiden"

Intern war wohl schon seit längerem klar, dass die Altersgrenze von 60 Jahren für Führungskräfte auch für Panke gelten soll. Er wird im August 60, sein Vertrag läuft noch bis zum Frühjahr 2007. Allerdings wollte BMW vermeiden, dass der Vorstandsvorsitzende in seinem letzten Jahr zur "lame duck" (lahmen Ente) wird und die Nachfolgediskussion zu früh einsetzt. Daher war eine Verlängerung des Vertrags im Gespräch. "Man wollte natürlich eine Lähmung des Unternehmens vermeiden", sagt ein intimer Kenner des Unternehmens. Allerdings drohte die Debatte zuletzt aus dem Ruder zu laufen. Durch das Vorziehen der Nachfolgeentscheidung könne man jetzt wieder nach vorne schauen.

Auch Norbert Reithofer wusste wohl in den vergangenen Tagen schon, dass das Rennen um die Nachfolge Pankes auf ihn zuläuft. "Wenn eine Regel da ist, sollte man sich daran halten", sprach er sich ungewohnt offen für die Altersgrenze aus. Ob er sich den Job an der Spitze als Nachfolger Pankes denn zutraue? Diese Frage hat der 50-jährige Reithofer aber dann doch lieber nur mit einem selbstbewussten Grinsen beantwortet.

Reithofer gilt als geeigneter Kandidat

Der Produktionsexperte ist bei den Eigentümern des Unternehmens ebenso hoch anerkannt wie bei den Beschäftigten und an den Finanzmärkten. "Er ist von den möglichen Kandidaten der geeignetste", sagte ein Analyst zur Wahl Reithofers. Damit werde auch eine Tradition im Unternehmen fortgesetzt. Schließlich war auch Joachim Milberg - Vorgänger Pankes als Vorstandsvorsitzender und heute Aufsichtsratschef - vor dem Sprung an die Spitze Produktionsvorstand gewesen. "Das ist einfach das wichtigste Ressort."

Das Nachsehen hat damit Finanzvorstand Stefan Krause. Auch er hätte sich den Job zugetraut und galt als einer der Nachfolgekandidaten. Im Umfeld des Unternehmens wird allerdings darauf hingewiesen, dass er mit seinen 43 Jahren noch jünger ist als Reithofer. Zudem sei die Produktion heutzutage einfach noch entscheidender für einen Autobauer. Allerdings war auch Panke vor dem Wechsel an die Spitze Finanzvorstand. Mit bisher gut vier Jahren Amtszeit war er allerdings ein Mann des Übergangs. Diese Übergangszeit war aber ausgesprochen erfolgreich. Panke will sich mit einem Rekordgewinn verabschieden. Auch ansonsten ist dem scheidenden Chef nicht bange vor dem Abschied. "Ich werde nicht am nächsten Tag im Bett liegen und denken: O Gott, was mache ich jetzt."

Axel Höpner/DPA


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