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Geplanter Stellenabbau: Weniger Personal in Reisezentren der Bahn

ßänk juh for väiting: Die Bahn hat angekündigt, jede dritte Stelle in den Reisezentren zu streichen. Kunden fürchten längere Wartezeiten.

Von Frank Thomsen

Die Reisezentren der Deutschen Bahn gehören zu den Orten, an denen der Mensch Demut lernt. Meist in Eile und ohnehin schon leicht gestresst, weil auf ungewohnten Pfaden unterwegs, heißt es hier nicht selten: Warten, warten, warten. Und wenn es doch mal schnell geht und die Auskunft kompetent war, nimmt das der Reisende eher gleichmütig hin. Hier, wo der Mensch auf den Bahner trifft, geht seit Jahren einiges schief. Nun droht neuer Ärger: Die Bahn hat am Freitag abend angekündigt, dass sie in den kommenden Jahren 700 der 2350 Stellen in den Reisezentren abbauen will. Als Grund nennt das Staatsunternehmen das Internet: Immer mehr Kunden würden Infos und Tickets im Internet besorgen. Der Umsatzanteil der Reisezentren, so ein Bahn-Sprecher, sei seit 2005 von 46 auf 22 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig kündigt die Bahn an, sieben Millionen Euro in die Modernisierung der Reisezentren stecken zu wollen.

stern.de hat seine Nutzer über Facebook gefragt, was sie von dem Stellenabbau halten. Einige User finden das nachvollziehbar. Der Trend ist aber: Furcht vor einem neuen Wartechaos. "In den Reisezentren der größeren Bahnhöfe", schreibt eine Userin, "sind schon Warteschlangen wie in Einwanderungsbehörden. Wobei Bahnreisende wissen: Viele stehen da nur für Verspätungsbescheinigungen, BC-Änderungen/ Verlustanzeigen etc. pp. ... am Automat eingezogene Bahnkarten ("tut uns auch leid, da muss wohl ein Techniker...") und derlei bahnübliche "Erlebnisse". Also alles Vorgänge, die sich online nicht erledigen lassen.

"Da steht man schön blöd da"

Ein anderer User berichtet: "Unser Reisezentrum hat eh meist zu, wenn man (zumindest ich) gerade fahren will. Und wenn's geöffnet hat, ist nur 1 Schalter geöffnet. Dazu die erhöhten Fahrpreise im Vergleich zum Kauf am Automaten. Wenn dieser dann kaputt ist oder man mal eine aktuelle Auskunft bräuchte, weil wieder irgendwelche 'Störungen im Betriebsablauf' alles durcheinander werfen, was man sich an Verbindungen zuhause sorgfältig zusammengesucht hat, steht man schön blöd da. - Ich bin für mindestens Beibehaltung des derzeitigen Service-Niveaus und denke, bei den Fahrpreisen kann man das auch erwarten, da es sicherlich einkalkuliert ist."

Die Bahn ist seit Jahren darum bemüht, Kunden dazu anzuleiten, ihre Tickets an Automaten oder Online zu kaufen - weil es billiger ist für das Unternehmen.

Harsch fällt die Kritik des Fahrgastverbandes Pro Bahn aus. Schon heute, so ein Sprecher, stünden in vielen Bahnhöfen nur noch Automaten, die viele Menschen nicht bedienen könnten. In Großstädten betrage die Wartezeit an Schaltern schon jetzt bis zu einer Stunde. Auf dem Land sei man oft so lange unterwegs, um überhaupt ein Reisezentrum mit Beratung zu erreichen. Für viele Menschen und bei komplizierteren Buchungen sei eine gute persönliche Beratung aber unverzichtbar.

Auch die Gewerkschaften haben ihren Widerstand angekündigt.

Der Kunde - König oder Bettler?

Der Stellenabbau bringt die Bahn erneut in Imageprobleme, wie auch die stern.de-Umfrage auf Facebook zeigt: Kaum jemand hält das Unternehmen für kundenfreundlich. Bahn-intern ist das Problem bekannt - als Ursache wird dann gern auf die Zeit von Bahnchef Hartmut Mehdorn verwiesen. Damals, so hochrangige Bahnmanager heute, hätte das Unternehmen ganz auf den Börsengang geschielt und dabei die Kunden vergessen. Das müsse nun korrigiert werden.

Der Personalabbau an den Schaltern wird es nicht leichter machen, dieses Ziel zu erreichen.

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