Französisches Satiremagazin Anzeige gegen "Charlie Hebdo" wegen Karikatur zu Crans-Montana

Trauerende legen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana Blumen nieder
Trauerende legen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana Blumen nieder
© Jean-Christophe Bott / Keystone / DPA
Eine Karikatur von "Charlie Hebdo" zur Brandkatastrophe in der Schweiz verärgert viele Menschen im Netz. Der Chefredakteur verteidigt das Bild als "schwarzen Humor".

Eine Karikatur des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" zu der Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana mit 40 Toten hat im Netz für Empörung gesorgt. Tausende Nutzer reagierten auf Facebook mit einem wütenden Emoji auf die Zeichnung mit dem Titel "Die Verbrannten fahren Ski". "Das ist echt miserabel", schrieb ein Nutzer. Ein anderer warf dem Blatt Empathielosigkeit vor. In der Schweiz wurde Anzeige wegen der Karikatur erstattet.

Das Bild des Zeichners "Salch" zeigt zwei Menschen, die wohl verkohlt und mit Verbänden den Abhang hinunterfahren. Auf einem Schild ist "Crans-Montana" zu lesen. Untertitelt ist die Zeichnung mit "Die Komödie des Jahres". Salch bezieht sich mit der Karikatur, die im Original mit "Les Brulés font du Ski" überschrieben ist, auf die französische Komödie "Les Bronzés font du Ski" aus den 1970er Jahren.

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"Les Bronzés" bedeutet auf Deutsch "die Sonnengebräunten". In dem klamaukigen Film geht es um einen Ski-Urlaub. Crans-Montana, in dem sich das Unglück mit 40 Toten und 116 Verletzten ereignete, ist als Skiort bekannt.

Chefredakteur von "Charlie Hebdo" verteidigt Karikatur

Die Schweizer Schriftstellerin Béatrice Riand hat wegen der Karikatur zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, Strafanzeige eingereicht. "Ich finde das zutiefst abscheulich", sagte Riand im Schweizer Fernsehen RTS. "Die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Man macht sich über die Opfer lustig. Die Frage ist: Hat die Menschenwürde Vorrang vor der Meinungsfreiheit oder nicht?"

Der Chefredakteur des Satiremagazins, Gérard Biard, räumte bei RTS ein, dass der Karikaturist sehr weit gegangen sei. Dies sei aber schwarzer Humor. "Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren", sagte er. Man mache sich nicht über die Opfer lustig, sondern zeige die Absurdität der Tragödie.

Gemeint ist wohl auch die offensive Werbung des Skiortes nach der Brandkatastrophe. Wie unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, wirbt die Tourismusbranche wegen der Reiserücktritte immer offensiver mit geöffneten Skiliften. Ökonomisch gesehen, sei das verständlich, aber dennoch zynisch.

"Charlie Hebdo" ist für seine provokanten und grenzüberschreitenden Motive bekannt. Auf die Zeitschrift war im Januar 2015 ein islamistischer Anschlag mit zwölf Toten verübt worden. Zuvor hatte das Blatt Mohammed-Karikaturen über den Begründer des Islam verbreitet.

DPA
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