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GETRÄNKE: Bier bleibt Kultgetränk

Der deutsche Getränkemarkt bleibt weiter hart umkämpft. Bier bleibt in der liebste Durstlöscher, aber auch die alkoholfreien Mixgetränke werden immer beliebter.

Traditionelles Bier ist nach wie vor Kultgetränk Nummer eins. Daneben glänzen aber Biermixgetränke und alkoholfreie Mixgetränke wie Vitamin- und Energiedrinks oder Schorlen mit zweistelligen Zuwachsraten. Erstmals seit Mitte der 90er Jahre hat der Bierdurst in Deutschland seit Jahresbeginn wieder zugenommen, wenn auch nur um 1,0 Prozent. Alkoholfreie Getränke verzeichneten sogar ein Plus von 5,7 Prozent.

Trends schwappen über

Biermixgetränke machen zwar erst drei Prozent des gesamten Bierausstoßes aus. Noch bestimmen Bier-Cola-Getränke und Radler bzw. Alsterwasser 90 Prozent dieses Marktsegments, berichtete der Verband Privater Brauereien bei der Brau beviale 2002 in Nürnberg. Neuartige Mischungen wie Bier mit Lemongras, Orangenlimonade, Apfelsaft oder mit Aromen sind aber eindeutig auf dem Vormarsch. »Der Anstoß dazu kommt von den alkoholfreien Getränken, die mit funktionellen Zusätzen versetzt sind«, sagt der bayerische Verbandpräsident Andreas Stöttner.

Gesundheits-Zusätze

Von Zusätzen wie Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen versprechen sich die Konsumenten neben der Erfrischung auch einen Zusatznutzen. Dem Ideenreichtum der Biermixer scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. »Neuangedacht sind Heilkräuter wie Johanniskraut- oder Ingwerextrakt, die als Gesundheits-, Energie- und Lebenskraftsymbol angesehen werden«, berichtet Stöttner.

Neue Kundensegmente öffnen

In Biermixgetränken sehen die Brauer auch eine Chance, neue Freunde für den »edlen Gerstensaft« oder das Weißbier zu gewinnen. Nur 15 Prozent der Mix-Konsumenten sind gestandene Biertrinker. Die große Masse hat bisher alkoholfreie Erfrischungsgetränke bevorzugt. Der Verband wertet dies als Beleg dafür, dass Bier auch in der jüngeren Generation wieder auf größere Akzeptanz stößt.

Frauen sollen mehr Bier trinken

Eine »äußerst attraktive Zielgruppe« sehen die knapp 1.300 Braustätten in Deutschland auch in der Damenwelt. Vor allem jüngere, gut situierte Frauen sprechen verstärkt alkoholischen Getränken zu. »Langsam, aber sicher holen die Frauen in Europa die Männer im Alkoholkonsum ein«, berichten Fachzeitschriften. Dabei stehen die deutschen Frauen an erster Stelle gefolgt von Französinnen, Spanierinnen und Engländerinnen. Typische »Damenprodukte« gibt es laut Stöttner nicht. Frauen bevorzugen aber etwas süßere und alkoholärmere Produkte und kleinere, schlankere Gläser.

Neue Marketingmethoden

Mehr denn je preisen die Brauer das Bier als gesundes und ganzheitliches Lebenselixier, als Lieferant von Mineralstoffen, Eiweiß und Kohlenhydraten, aber ohne Fett, ohne Cholesterin und ohne freien Zucker. »Ein Schluck Bier ist ein Genuss für Leib und Seele und damit ein Genuss für den ganzen Menschen«, sagt Stöttner.

Mehr Erfrischungsgetränke

Im Bereich der alkoholfreien Getränke stehen vor allem Wasser mit Zusätzen, Energie-Drinks, sowie Sport- und Teegetränke hoch in der Gunst der deutschen Verbraucher. Verbandssprecher Andreas Stücke berichtete auf der Brau in diesem Segment von Zuwachsraten von 21,3 Prozent in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Erfrischungsgetränke insgesamt legten um 9,1 Prozent zu. Fruchtsäfte und Fruchtnektare mussten sich dagegen mit einem Plus von 1,2 Prozent zufrieden geben.

Dosenpfand ist Streitpunkt

Wie bei der Frage »Alkohol oder nicht?« scheiden sich die Geister der Getränkebranche auch in der Frage des Dosenpfandes. Bei den alkoholfreien Getränken befinden sich laut Stücke vor allem die PET-Flaschen der großen Discountmärkte wie Aldi »auf der Überholspur«. Die Vereinigung der alkoholfreien Getränke-Industrie plädiert dafür, die Einführung des Dosenpfandes bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung auszusetzen. Die Mehrweg-orientierten mittelständischen Brauereien vertrauen dagegen auf die Zusage der rot-grünen Bundesregierung, das Pflichtpfand wie geplant zum 1. Januar 2003 umzusetzen.