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Greenspan-Nachfolge: Bush-Berater wird neuer Notenbank-Chef

An der Spitze der amerikanischen Notenbank steht ein Wechsel an: Nach 18 Jahren scheidet Alan Greenspan aus. Sein Nachfolger wird Ben Bernanke, einflussreicher Wirtschaftsberater von George W. Bush.

Der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident George W. Bush, Ben Bernanke, ist bald einer der mächtigsten Zentralbanker der Welt. Der 51-Jährige, der als exzellenter Geldpolitiker und Querdenker gilt, soll nach dem Willen des Präsidenten Nachfolger von US-Notenbankchef Alan Greenspan werden.

"Er genießt großes Vertrauen in der Finanzwelt", sagte Bush über Bernanke, als er ihn am Montag in Washington nominierte. Bernanke sei ein Mann von "starkem Charakter und großer Urteilskraft". Zwar muss der US-Senat die Entscheidung noch bestätigen, hier haben aber Bushs Republikaner die Mehrheit.

Harvard, Princeton, Bush-Beraterstab

Die Vita des zweifachen Vaters Bernanke liest sich wie das "Who is Who" der amerikanischen Wissenschaftselite: Studium an der Harvard Universität, Promotion in Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institut of Technology und schließlich Professor an der Princeton University. Auch wenn Bernanke eine stolze wissenschaftliche Karriere vorweisen kann, so räumte er doch einst ein: "Wirtschaft ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe es damit verglichen, wie es ist, ein Auto zu reparieren, während der Motor läuft."

Seit April ist Bernanke Vorsitzender des wirtschaftlichen Beraterstabs von Bush. Zuvor hatte fast drei Jahre lang im Aufsichtsrat der US-Notenbank "Federal Reserve" (Fed) gesessen.

Ein Falke, aber kein Hartgesottener

Die Meinung der Analysten an der Wall Street zu Bernanke gingen auseinander. "Ich glaube nicht, dass der Markt negativ reagiert, wenn es Bernanke wird", sagte etwa Peter Cardillo von SW Bach and Co. Er zähle zwar zu den Falken, aber nicht zu den ganz Hartgesottenen. Michael Metz von Oppenheimer Holdings Inc. zeigte sich dagegen skeptischer. Bernankes Entscheidungen seien meist zu schnell und seine Haltung zur Inflation und Deflation sei oftmals falsch gewesen. "Von allen Fed-Gouverneuren ist er derjenige, vor dem mir am meisten bange ist."

Bernanke galt schon seit geraumer Zeit als einer der Top-Kandidaten für die Greenspan-Nachfolge Ende Januar 2006. Als unklar gilt die geldpolitische Richtung, die die Notenbank künftig unter Bernanke einschlagen wird. Der Ökonom hatte sich in der Vergangenheit für die genaue Definition von Inflationszielen ausgesprochen. Greenspan hatte dagegen dafür plädiert, keine numerischen Ziele vorzugeben.

Sollte die Nominierung vom Senat bestätigt werden, wird Bernanke Nachfolger Greenspans, der auf fast fünf Amtsperioden an der Spitze der Notenbank zurückblicken kann. Der 79 Jahre alte Greenspan steht seit dem 11. August 1987 an der Spitze der Fed. Der Amtswechsel ist für Ende Januar geplant.

AP / AP