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GREENSPAN: Terrorismus darf Wirtschaft nicht lähmen

US-Notenbankchef Greenspan forderte die Märkte auf, sich nicht lähmen zu lassen. und rief zu einer verstärkten weltweiten Globalisierung auf.

Es darf nach den Worten von US-Notenbankchef Alan Greenspan nicht erlaubt werden, dass die Angst vor Terrorismus die globale Wirtschaft paralysiert. »Wenn wir erlauben, dass der Terrorismus unsere Aktionsfreiheit untergräbt, dann könnten wir mindestens einen Teil der nach dem zweiten Weltkrieg verzeichneten Globalisierungserfolge verlieren. Es ist unsere Aufgabe, zu verhindern, dass dies geschieht«, sagte Greenspan vor dem Institute for International Economics in Washington. Nach Erkenntnissen der Notenbank ging die Wirtschaftsaktivität in den USA nach den Anschlägen vom 11. September kurzfristig stark zurück. Langfristig lassen sich die Folgen noch nicht beurteilen, hieß es im »Beige Book« - dem Konjunkturbericht der Fed.

USA beim WTO-Treffen vertreten

Greenspan sagte, dass es wegen der von den Anschlägen auf das World Trade Center und Pentagon verursachten Ängste ein unmittelbares Risiko für die reibungslose Funktion der Weltwirtschaft gibt. Der Fedchef rief die US-Regierung auf, die Anstrengungen für die weitere Öffnung der Märkte weltweit zu verstärken. Dies würde die Entschlossenheit zeigen, vom Terrorismus nicht eingeschüchtert zu sein. Die 142 Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) wollen vom 9. bis zum 13. November in Katar eine neue Gesprächsrunde über die Liberalisierung des Welthandels eröffnen. US-Parlamentarier sagten, sie würden an dieser Runde ungeachtet der Sicherheitsbedenken teilnehmen.

Mehr Globalisierung - nicht weniger

Greenspan warnte, dass nach den Anschlägen am 11. September die Anti-Globalisierung-Bewegung zwar nachgelassen hat. Er glaubt aber, dass es nur eine Frage der zeit ist, bis sie wieder verstärkt auftritt. »Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung benötigen Entwicklungsländer mehr Globalisierung und nicht weniger«, fuhr Greenspan fort. Das wichtigste ist dabei die Reduzierung der Armut in diesen Ländern, wobei die Industrienationen endlich ihre Märkte für die Produkte aus diesen Ländern öffnen müssen.

Langsfristige Auswirkungen schwierig

Nach dem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) ging die Wirtschaftsaktivität in den USA nach den Anschlägen kurzzeitig stark zurück. Die langfristigen Auswirkungen sind aber schwieriger zu beurteilen. Die Einzelhandelsumsätze und die Nachfrage im Baugewerbe und in der Industrie sind im September und Anfang Oktober niedriger gewesen. Die Schwäche in verschiedenen Sektoren schlägt sich auf den Arbeitsmarkt nieder.

Kommt neue Zinssenkung?

Der Bericht wird turnusmäßig von jeweils einer der zwölf Federal-Reserve-Banken der USA erstellt, diesmal von der Fed in Cleveland. Er dient der Notenbank beim nächsten Treffen des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) am 6. November als eine der Grundlagen für ihre Zinsentscheidung. Eine weitere Zinssenkung wird an den Finanzmärkten nicht ausgeschlossen. Seit den Anschlägen hat die Fed den maßgeblichen Zielsatz für Tagesgeld um insgesamt einen vollen Prozentpunkt auf 2,5 Prozent gesenkt.