HOME

Griechenland-Krise: Europas Märkte zittern vor Hellas

Die griechische Regierung tut alles, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Die Athener Börse bleibt am Montag geschlossen, ebenso die Banken im Land. Doch andere Länder sorgen sich vor einem Domino-Effekt im Falle einer Pleite.

Ein Mann fährt mit dem Rad an einem Anti-EU-Graffiti vorbei

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras will ein Referendum über die Forderungen der Gläubiger abhalten. Das Volk soll entscheiden.

Den Finanzmärkten steht nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern eine dramatische Handelswoche bevor. Im außerbörslichen Geschäft bei Lang & Schwarz sackte der deutsche Leitindex Dax bereits am Sonntag um knapp vier Prozent ab - der größte Kursrutsch seit drei Jahren. "Mit dieser Entwicklung hatte der Markt nicht gerechnet", sagt Tobias Basse, Aktienexperte der NordLB. "Sie erwischt die Anleger auf dem falschen Fuß." Nick Lawson, Marktexperte bei der Deutschen Bank, machte sich auf Turbulenzen gefasst: "Wir sind in unbekannten Gewässern." Die Börse in Athen wird nach Informationen aus Finanzkreisen am Montag nicht öffnen.

In der griechischen Schuldenkrise hatten sich die Ereignisse am Wochenende überschlagen: Nachdem die Regierung in Athen überraschend ein Referendum über die Reformvorschläge der Gläubiger ankündigte, entschieden die Euro-Finanzminister in Brüssel, das auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Griechenland taumelt nun einer Staatspleite entgegen. Der Mittelmeer-Anrainer muss bis Dienstag dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen. Es ist offen, ob das Land das Geld aufbringen kann.

Sorge vor Domino-Effekt nimmt zu

Die Eskalation werde auch den Börsen Italiens und Spaniens zusetzen, warnte Niall Delventhal, Analyst des Brokerhauses FXCM. "Die Sorgen vor einem Domino-Effekt nehmen zu." NordLB-Experte Basse mahnt indes zur Besonnenheit. "Ich halte die Angst für unbegründet. Die EZB wird alles dafür tun, ein Überschwappen der Krise zu verhindern." Die Zentralbank hatte am Sonntag Nothilfen für die griechischen Banken bestätigt, aber nicht aufgestockt. Damit dürfte diesen früher oder später das Geld ausgehen, sollten die Bankkunden erneut hohe Summen abheben wie in den zurückliegenden Tagen.


Die Athener Regierung wollte noch am Sonntagabend über Beschränkungen im Kapitalverkehr entscheiden. Der Chef der Piraeus Bank erklärte bereits am Sonntagabend, die Banken des Landes würden zum Wochenauftakt nicht öffnen. Sollte es zu drastischen Maßnahmen kommen, erwarten Experten heftige Ausschläge an den Märkten. "Das wird einen großen Einfluss haben und die Schwankungen werden steigen", prognostizierte Ian Stannard, Europa-Devisenchef bei der US-Großbank Morgan Stanley in London. Josh O'Byran, der bei der US-Großbank Citi als Devisenstratege die Währungsmärkte analysiert, rechnet mit kräftigem Druck auf den Euro. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1165 Dollar.

US-Arbeitsmarktdaten schüren Zinsspekulationen

Daneben dürften Börsianer ihre Aufmerksamkeit in den kommenden Tagen auch auf die US-Arbeitsmarktdaten richten, die wegen des Unabhängigkeitstages in den USA bereits am Donnerstag veröffentlicht werden. "Der private Konsum ist robust, die Autoabsätze stark, und auch die Bauwirtschaft legt zu. Dies sorgt für eine stabile Nachfrage nach Arbeitskräften", prognostizierte Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes ist ein wichtiger Baustein der geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank (Fed). Bislang gilt an den Finanzmärkten der September als wahrscheinlichster Termin für die lang erwartete Zinserhöhung. Einen Hinweis auf die Entwicklung der Beschäftigung liefern bereits am Mittwoch die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP.

Mit Spannung warten Investoren außerdem auf die Inflationszahlen aus der Euro-Zone (Dienstag). Sie erhoffen sich Rückschlüsse darüber, ob die milliardenschweren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter Früchte tragen, oder ob der jüngste Anstieg der Teuerung nur ein Ausreißer war. Die EZB pumpt monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um damit die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, zu verhindern.

Von Hakan Ersen und Jemima Kelly / Reuters