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Bezahlbarer Wohnraum Obdachlose besetzen Wohnhaus in Berlin – und dürfen nun dort einziehen

Demonstration für bezahlbaren Wohnraum in Berlin
Demonstration für bezahlbaren Wohnraum in Berlin im September 2021
© Marc Vorwerk/SULUPRESS.DE / Picture Alliance
Wohnungslose und Aktivisten haben in Berlin vorübergehend ein Haus besetzt, das seit Jahren leersteht. Die Aktion war offenbar erfolgreich: 30 Obdachlose sollen dort unterkommen können.

Am Wochenende haben Obdachlose und Aktivist:innen vorübergehend ein Haus in Berlin besetzt. Die Immobilie in der Habersaathstraße im Bezirk Mitte steht seit Jahren leer. Die Aktion hatte Erfolg: In Zukunft sollen in dem Haus Obdachlose wohnen können, solange der Eigentümer dies duldet. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) habe eine entsprechende Zusage gegeben, berichten "Tagesspiegel" und RBB.

Der Plattenbau in der Habersaathstraße befindet sich direkt gegenüber der BND-Zentrale. 30 in verschiedenen Wohninitiativen engagierte Aktivist:innen hatten das Haus am Wochenende kurzzeitig besetzt. Zudem kam es vor dem Haus zu Demonstrationen. Nachdem von Dassel eingelenkt hatte, wurde das Gebäude wieder geräumt. "Wir konnten mit dem Eigentümer vereinbaren, dass wir dort eine Lösung für die obdachlosen Menschen finden", sagte der Bezirksbürgermeister dem RBB.

30 Wohnungslose dürfen bleiben

Wann und wie genau diese Lösung umgesetzt werden soll, bleibt noch offen – es stehen noch weitere Verhandlungen mit dem Eigentümer aus, der Immobiliengesellschaft Arcadia Estates. Von Dassel stellte allerdings in Aussicht, dass noch vor Weihnachten 30 Wohnungslose einziehen könnten. In dem Haus befinden sich vor allem Wohnungen für Singles und Paare. "Nur wer wirklich obdachlos ist, kann dort unterkommen", stellte von Dassel klar.

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Um das Wohnhaus in der Habersaathstraße rankt sich seit einigen Jahren ein Streit. Der Bezirk möchte die günstigen Wohnungen erhalten, Eigentümer Arcadia Estates hingegen lieber das Gebäude abreißen und einen Komplex mit teureren Apartments errichten. Aktuell liegt der Fall beim Oberverwaltungsgericht. Immerhin hat der Vermieter nun zugestimmt, dass an der Besetzung beteiligte Obdachlose einziehen dürften – solange dadurch keine neuen festen Mietverhältnisse zustande kommen. Das Sozialamt will dazu die Einzelfälle prüfen.

Aktivist:innen sprechen von "historischem Erfolg"

Schon im vergangenen Jahr hatten Obdachlose und Aktivist:innen acht Wohnungen in dem Haus besetzt. Damals hatte die Polizei die Immobilie geräumt. Die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum hat sich in der Hauptstadt seitdem noch einmal verschärft – unter anderem, seit die Bürger:innen sich in einem Volksentscheid für die Enteignung großer Wohnungskonzerne ausgesprochen haben.

Dass nun zumindest einige Obdachlose einziehen dürfen, werten die Aktivist:innen als "historischen Erfolg". "Seit zehn Jahren wird das Haus entmietet, steht größtenteils leer. Jetzt ist endlich ein konkreter Umgang für das Haus gefunden worden. Das könnte auch eine Idee für andere Bezirke sein", sagte Sprecherin Valentina Hauser dem "Tagesspiegel".

Quellen:  "Tagesspiegel" / RBB

epp

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