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Halloween: Einzelhandel im Kürbis-Rausch

Längst hat sich auch bei uns Halloween vom importierten Spaß-Event zum wichtigen Wirtschaftsfaktor gemausert. Dabei hilft der Branche auch, dass das Gruselfest die bisherige Altersgrenze übersprungen hat und jetzt auch bei "Oldies" Kult ist.

Spinnen, Frankenstein-Masken und und Vampirzähne - alles Kinderkram? Von wegen! Längst hat Halloween die Gruselgrenze der Pubertierenden überschritten. Auch die Industrie hat sich auf spukende Erwachsene eingestellt: So boomt der Handel mit Deko-Accessoires von der schleimgrünen Lampe bis zur Totenkopf-Girlande. Auch die Spielwarenhersteller zielen auf die Generation 25 plus. "Der Neuheiten-Effekt ist weg. Halloween gehört inzwischen mit festen Riten zur deutschen Kultur wie Weihnachten dazu", sagt Trendforscher Andreas Steinle. Und die Fans wachsen mit dem Kult mit.

Was heute ein Spaß-Event und Wirtschaftsfaktor ist, hat seinen Ursprung im keltischen Samhain-Fest, mit dem die Ernte und der Anbruch des neuen Jahres gefeiert wurde. Irische Einwanderer brachten den Brauch in die USA mit. Von dort schwappte die Tradition der schauerlich grinsenden Kürbisköpfe schließlich Anfang der 90er Jahre auf Deutschland über. Doch "Jack O'Lantern", der zu einer Gruselfratze geschnitzte Kürbiskopf mit Kerze, ist für den richtigen Halloween-Spuk nur der Anfang. Zum 31. Oktober verwandeln sich Wohnzimmer, ja ganze Häuser zur wahren Gruselkabinetten.

"Für die Spielwarenproduzenten liegt der traditionelle Schwerpunkt auf Kostümen, Masken und Schminke", sagt Dieter Tschorn vom Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. In den vergangenen Jahren verdoppelten sich die Umsätze in der Branche von Jahr zu Jahr. "Mittlerweile ist das Wachstum etwas moderater, aber der Trend zeigt weiter nach oben." Branchenübergreifend schätzt der Verband den Umsatz mit Waren rund um Halloween auf etwa 140 Millionen Euro. Hauptzielgruppe seien neben den Kindern inzwischen die Jugendlichen und Erwachsenen bis 30 Jahre. "Aber selbst die Generation 50 plus wird immer gruselfreudiger."

140 Millionen Euro Umsatz

"Ein Millionen-Ergebnis im dreistelligen Bereich", schätzt auch Ulrike Hörchens vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für dieses Jahr. Erstmals sind sogar Discounter im Non-Food-Bereich in den Gruselspaß eingestiegen. Tischfeuerwerke, Bücher, Deko-Artikel, Gabeln mit Kürbissen drauf - das Angebot ist inzwischen riesig. "Dass dies für uns ein wichtiger Handels-Event ist, zeigen auch die schon Anfang Oktober schaurig-schön dekorierten Läden. Halloween ist das letzte Großereignis vor der Weihnachtsphase." Von US-amerikanischen Verhältnissen mit 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) Jahresumsatz sei Deutschland aber weit entfernt.

Eine der größten Gruselpartys veranstaltet der Europapark Rust. Im vergangenen Jahr spukten 10.000 Halloween-Fans auf der SWR-3-Party durch den Park. "Der 31. Oktober war 2004 mit 40.000 Menschen während der normalen Öffnungszeiten der besucherstärkste Tag in der Geschichte des Parks", sagt Parksprecherin Christine Wenz. Vor Halloween sei der Oktober ein schwächerer Monat gewesen. "Jetzt gehört er zu den stärksten." Insgesamt lockte das Fest eine halbe Million Menschen in den Europapark. "Deshalb gibt es auch schon am 29. ein großes Halloween-Festival mit Laserlicht-Abendshow."

Lokale Einfärbung des Events nimmt zu

Trendforscher Steinle sieht eine wachsende Verankerung der Bräuche in Deutschland. Die Feiern bekämen auch eine immer stärkere lokale Einfärbung. "Ob Kürbis-Maultaschen in Schwaben oder Kürbis-Stollen in Dresden: Die regionale Küche hat das Fest erobert." Meist sind es deutsche Rezepte, die mit Kürbis abgewandelt werden. "Dank Harry Potter, ja dem gesamten Boom von Fantasie-Geschichten, wird Halloween in 10 bis 15 Jahren wohl mit seinen heutigen Fans dann zum deutschen Volksfest für alle Altersgruppen geworden sein."

Denni Klein/DPA / DPA