Handel Lebensmittel-Discounter machen Gewinne mit Non-Food


Autos, Häuser, Computer, Traumhochzeiten oder Rasenmäher - beim Lebensmitteldiscounter Plus floriert das Non-Food-Geschäft und lässt die Kasse kräftig klingeln.

«Jede Woche bieten wir unseren Kunden 35 neue Aktionsartikel an», sagt Plus-Sprecherin Nicole Dinter. Vor drei Jahren sprang der Discounter auf den Aldi-Zug auf und bietet jede Woche auf Sondertischen Waren von der Socke bis zum Komplett-PC an. Seit einem halben Jahr vermarket die Mülheimer Kette zusammen mit Partnern auch Häuser, Wohnwagen oder wie zuletzt ganze Traumhochzeiten oder attraktive Neuwagen zum Schnäppchen-Preis.

Andere Discounter warten noch ab

Andere Discounter sind noch skeptisch und bleiben bei den Waren, die vom Ladentisch weg mitgenommen werden können. Bei Rasenmäher und Fernseher ist bei Aldi, Penny und Lidl Schluss der Fahnenstange. Die Plus-Manager, die ohnehin über ein größeres Warensortiment verfügen und neben Eigenmarken auch Markenartikel an den Kunden bringen, legen seit dem Firmenjubiläum zum 30-jährigen Bestehen an diesem Punkt erst richtig los. Beim neuesten Coup der «kleinen Preise» stehen VW Golf und Ford Focus als EU-Neuwagen mit reichlich Zubehör zum Preis von 17.999 Euro zum Verkauf.

Autoverkauf über Partner

Da es in der Vergangenheit bei anderen Handelsketten regelmäßig Ärger beim Autoverkauf gab, steht weder ein Wagen im Schaufenster, noch ist Plus selbst der Verkäufer. «Das machen unsere Partner», sagt Sprecherin Dinter. Regelmäßig versuchen Autohersteller und Verbraucherorganisationen juristisch gegen solche Verkaufsaktionen vorzugehen. «Wir prüfen derzeit den Vorgang mit unseren Justiziaren», sagt Ford-Sprecherin Petra Falk. Die Kölner wollen auch nachschauen, ob ein vergleichbares Modell nicht irgendwo bei einem Vertragshändler für einen ähnlichen Preis erhältlich ist. Plus hatte betont, der Angebotspreis liege rund 20 Prozent unter dem handelsüblichen Preis. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat auch schon eine Abmahnung angekündigt, weil nicht klar sei, wer Vertragspartner sei.

Autohersteller wenig begeistert

Den Autoherstellern wird mit dem Verkauf von EU-Neuwagen die Stimmung verhagelt, weil sie die Wagen zuvor sehr günstig in hoch besteuerte EU-Länder exportiert haben. Die Wagen werden dorthin günstiger verkauft, um sie wegen der hohen Steuern im Preis attraktiv zu halten. Im vergangen Jahr hatte zum Beispiel das Oberlandesgericht Köln der Handelskette Edeka den Kombinationsverkauf von Auto und Reise beziehungsweise Auto und technischem Gerät untersagt. Fiat ging zudem im vergangenen Jahr mit einer Abmahnung gegen die Schlecker-Aktion «Jetzt schlägt’s Punto» vor.

Kunde entscheidet ob Angebot gut ist

Was der Kunde von den Sonderaktionen hat, ist in den meisten Fällen einfach ein günstiges Angebot. Ob es billiger oder besser geht, muss der Kunde selbst prüfen. Allgemein kommt bei den Discountern zumindest ein günstiger Preis zu Stande, weil sie in großen Stückzahlen einkaufen und hohe Rabatte herausschlagen können. Davon profitiert auch der Kunde. Bei der Vermarktung von Autos, Häusern oder Hochzeitarrangements sorgt der Discounter für den Werbeeffekt und lässt die eigentliche Leistung über den Vertragspartner, Hausbauer, Eventagentur oder Autohändler abwicklen.

Sonderaktionen bringen auch Gewinn

Dass bei allen Varianten der Discounter nicht zu kurz kommt, gesteht er selber zu. «Sonderaktionen bringen auch Gewinn», sagt Wolfram Schmuck von der Kölner Rewe-Gruppe, zu der die Penny-Markt- Kette zählt. Selbst Plus lässt durchblicken, dass die Vermarktung von Reisen, Häusern und Autos Bares bringt und nicht nur den Namen bekannter machen soll. Die Rewe-Gruppe war einer der Vorreiter beim Auto-Verkauf. In den Neunzigern standen plötzlich Mexiko-Käfer für 16.666 DM in den HL- und Minimal-Läden im Fenster. «Damals haben wir zum Ärger von VW, die damals die Beetle-Einführung vorbreitet hatten, 500 Stück verkauft», sagt Schmuck.


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