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Hauptversammlung: »Germish« macht Deutsche-Bank-Aktionären zu schaffen

Nicht nur bei Aktionärsversammlungen ein Problem: in die Wirtschafts-Fachsprache haben sich immer mehr englische Wörter eingeschichen.

»Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr« - mit einem Wortspiel versucht Vorstandssprecher Rolf Breuer eine Entwicklung zu entschuldigen, die vor allem vielen Klein-Aktionären auf der Hauptversammlung der Bank am Donnerstag offenbar zu schaffen macht: Dass sich in die Rede des Vorstands immer mehr englisches Vokabular einschleicht. »Germish« heißt dieser Trend im Volksmund, und Breuer ist nicht der einzige, der in seinen Reden von »first movers« spricht, von »asset management« und »mass affluent«. Ebensowenig ist er wohl der einzige Manager, der »einen smarten Umgang mit Brands und Sub-Brands« pflegt. »Germish« ist schick, auch wenn sich viele Anteilseigner dadurch »ihrer« Bank, wie sie die Deutsche immer wieder stolz nennen, entfremdet fühlen.

Deutsche Sprache verliert an Bedeutung

Das Wir-Gefühl der Kleinaktionäre ordnet Breuer indes den höheren Zielen der veränderten Branchenwelt unter. Wegen der zunehmenden Internationalisierung des Geschäfts verliert für ihn die deutsche Sprache auch bei der Deutschen Bank an Bedeutung. »Die Mehrheit unserer Kunden ist nicht mehr deutsch und die Mehrheit der Aktionäre und der Mitarbeiter auch nicht«, sagt Breuer. Im Vorstand wird Englisch gesprochen, und auch die Mitteilungen an die Belegschaft verfasst man schon überwiegend in der Sprache des Empires. Deutsch, so Breuer, ist ebensowenig wie Französisch noch eine internationale Sprache. Damit müsse man sich abfinden. Ein »Kauderwelsch«, wie von einem Anteilseigner befürchtet, ist aber dennoch nicht die Sache seiner Bank.

Soll es Ausnahmen geben?

Nun sind Vorstandsmitglieder und Londoner Investmentbanker in der Mannschaft der Deutschen Bank aber vielleicht doch eine etwas andere Klientel als der Frührentner aus Mainz-Kastel, der auf der Hauptversammlung seine Handvoll Aktien vertritt. Könnte der Vorstandssprecher nicht einmal im Jahr für diese Menschen deutsch sprechen? Denn dass er nicht mehr merken würde, wenn er mitten im Satz die Sprache wechselt, das kann man Breuer wirklich nicht vorwerfen: »Wieder Englisch« flicht er ein, wenn es plötzlich um die »shareholder« geht oder um »venture capital«.

Nein, die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr, sondern vielleicht doch eher ein internationales »powerhouse«. Und für alle Aktionäre, die es noch nicht wissen sollten: »Mass affluent« bezieht sich auf wohlhabende Privatkunden. Andreas Funke