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Historische Finanzkrisen: Verzockt, verrechnet und verloren

Börsencrashs sind fast so alt wie das Spekulieren selbst. Mal gab es Panik am Aktienmarkt, mal hatten sich Einzelne schwer verzockt. Doch irgendwie haben sich die Märkte immer wieder aufgerappelt. Ein Rückblick auf die schlimmsten Crashs der Geschichte.

Von Roman Heflik

Aus heutiger Sicht scheint es die Mutter aller Krisen gewesen zu sein: Mit dem "schwarzen Donnerstag" begann 1929 die Weltwirtschaftskrise an der New Yorker Börse. Mit dem Kurssturz am amerikanischen Aktienmarkt setzte eine gewaltige Kettenreaktion ein: US-Unternehmen zogen notgedrungen ihr Geld auch aus Deutschland ab. Dort hatten Banken und Unternehmen zu viel Fremdkapital und zu viele Kredite aufgenommen, zudem hatte das Erstarken der Nazis das internationale Vertrauen in den deutschen Finanzmarkt erschüttert.

Als 1931 die deutschen Sparer misstrauisch wurden und ihr Geld abheben wollten, drohten die Geldhäuser illiquide zu werden. Sie vergaben kaum noch Kredite - und würgten so die schwache Konjunktur ab. Im Laufe dieser Krise rutschten weltweit ganze Volksschichten in die Armut. In Deutschland spielte die soziale Not letztendlich den Nazis in die Hände.

Tulpen für 100.000 Euro

Das globale Finanzwesen hat allerdings immer wieder ebenso spektakuläre wie katastrophale Crashs erlebt. Einer der ersten davon fand bereits knapp 300 Jahre vor jenem Schwarzen Freitag statt - und er drehte sich um Tulpen.

In den dreißiger Jahren des 17.Jahrhunderts wurde die aus Asien neu eingeführte Zierpflanze heiß begehrt. Als die wachsende Nachfrage das Angebot an Tulpenzwiebeln übertraf, zogen die Preise immer weiter an. Die Zwiebeln und die erwartete Ernte wurden zum Spekulationsobjekt, die Preise schossen in absurde Höhen. Eine Zwiebel konnte bis zu 10.000 Gulden kosten - das entspricht heute etwa 100.000 Euro. Als die ersten Händler nicht mehr mitsteigern wollten, platzte die Blase 1637 und die rätselhafte Tulpenmanie endete auf einen Schlag.

Wenn der Markt sich nicht zu helfen weiß

Die Panik von 1837 in den USA und Großbritannien bewies, welche Ausmaße eine Wirtschaftskrise annehmen kann, wenn der Staat nicht entschieden eingreift. Durch Landspekulationen im amerikanischen Westen und mangelndes Vertrauen in die Papierwährung gingen mehrere hundert US-Banken bankrott.

Die Politiker glaubten an die Selbstheilungskräfte des Marktes, doch die Konjunktur stürzte ab. Die darauf folgende Massenarbeitslosigkeit dauerte sieben Jahre. Für die USA waren die sozialen Folgen ähnlich verheerend wie in der Weltwirtschaftskrise 1929

Aus Angst wird Panik, aus Panik Krise

Doch nicht immer benötigt es einen konkreten Auslöser für einen massiven Kurs-Einbruch. Das mussten die New Yorker Börsianer am 19.Oktober 1987 erleben, der als "Schwarzer Montag" in die Geschichte einging. Die bloße Ahnung, dass der amerikanische Aufschwung bald in eine Depression umschlagen könnte, reichte aus, dass durch fallende Kurse an einem einzigen Tag Unternehmenswerte in Höhe von 500 Milliarden Dollar vernichtet wurden.

Glück im Unglück: Die Hysterie verflüchtigte sich am nächsten Tag und blieb ohne weit reichende Folgen für die Weltwirtschaft.

Aus Fehlern wird Bank klug

In dem empfindlichen Gefüge der Finanzmärkte haben immer wieder einzelne Banken und einzelne Personen für Erschütterungen gesorgt. Schon 1720 provozierte der schottische Glücksspieler und Bankier John Law einen Wirtschaftscrash, als aufflog, dass das Grundkapital seiner Bank und seiner Handelsgesellschaft Mississipi Company aus weitgehend wertlosen Staatsanleihen bestand.

Und in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts verzockte der Chefdevisenhändler der traditionsreichen Kölner Privatbank Herstatt bei Währungswetten über eine Milliarde D-Mark. Das Geldhaus kollabierte, keine andere Bank sprang ein. Als Folge aus dem Debakel gründete der Bankenverband daraufhin den Einlagensicherungsfonds für Privatbanken.