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Online-Möbelhäuser: Achtung Ikea! Hier kommt die Konkurrenz

Ikea macht in Deutschland prächtige Geschäfte - doch die Konkurrenz bringt sich schon in Stellung: Online-Möbelhändler wollen den schwedischen Konzern beerben. Und die Chancen stehen gut für sie.

Große Möbelpakete schleppen? Möbel im Netz einzukaufen, macht das Shoppen bequemer.

Ikea boomt in Deutschland - doch längst bringen sich im Netz Möbelverkäufer in Stellung, die den schwedischen Möbelkonzern beerben wollen. 

Wir kaufen alles im Netz - oder zumindest denken wir das. Was mit Büchern, Filme und Musik begann, entwickelte sich schnell über technische Geräte und Klamotten bis zu Kosmetik und Schuhen weiter. Es scheint, als ob es keinen Bereich des Lebens gibt, für den nicht der Paketbote eine Lösung liefern könnte.

Doch ganz richtig ist das nicht, denn noch immer gibt es Dinge, die wir lieber im Laden kaufen. Oder in gigantischen Hallen auf der grünen Wiese im Speckgürtel von Städten - nämlich Möbel. Ob Bett, Schrank oder Stühle: Wenn wir unsere Häuser und Wohnungen einrichten, fahren wir wie früher zum Möbelhaus. 

Oder genauer: Wir fahren zu Ikea. Und starten unseren ritualisierten Einkauf, indem wir durch die Ausstellungsfläche flanieren, uns zwischen den Kochtöpfen und Badematten mit dem Partner streiten und am Ende viel zu viele extra-schwere Pappkartons (und kiloweise Duftkerzen und Nippes) wie ein Mosaik in das Auto stapeln.


Ikeas Erben

Doch diese Art des Möbelkaufs bekommt ernstzunehmende Konkurrenz, denn die Online-Möbelverkäufer holen auf. Noch bevorzugen nur 30 Prozent der Käufer das Möbel-Shoppen im Netz. Doch wie die Unternehmensberater von PWC herausfanden, ist in den vergangenen drei Jahren der Anteil der Befragten, die Möbel im Internet kaufen, um jeweils 28 Prozent gestiegen. Die Forscher vom IFH Köln sprechen von einem "Nachholbedarf" in diesem Bereich, das Marktvolumen steigt zweistellig. Kurz: Der Markt boomt. Kunden zieht es in Netz, wenn sie Möbel kaufen wollen. 

Bislang shoppten User nur Wohnaccessoires und Kleinmöbel. Doch mit neuen Versandstrategien greifen Kunden inzwischen auch bei Küchen und wuchtigeren Möbelstücken zu. Die größten Anbieter sind Home24 und Westwing - die Unternehmen legten zuletzt kräftig zu. Home24 steigerte den Umsatz im vergangenen Jahre um 72,5 Prozent, Westwing um 66 Prozent. Auch Shops wie beispielsweise Ambientedirekt, Monoqi und FashionForHome mischen den Markt auf. Ikea  ist ebenfalls online vertreten: Wie das E-Commerce Center Köln in einer Studie herausfand, ist der Shop der Schweden der bekannteste Möbelmarkt im Netz. Doch Ikea tut sich schwer mit dem neuen Vertriebsweg.

Kleine Krise im Handel

Deutschland ist für Ikea ein Wachstumsmarkt. Seit Jahren erhöht sich der Umsatz: Im Jahr 2010 machten die Schweden einen landesweiten Umsatz von 3,48 Milliarden Euro, 2014 lag dieser bei 4,12 Milliarden Euro. Doch wer genauer hinsieht erkennt, dass sich das Wachstum verlangsamt. Trotz des Online-Shops scheint Ikea zunehmend die Puste auszugehen. Auch weltweit sind die Zeiten der großen Erlössprünge vorbei. Woran liegt das? 

Ikeas Geschäftsmodell funktioniert deutschlandweit gleich: Klassisches Design, günstige Möbel, aber auch Einrichtungsgegenstände im mittleren Preissegment, und ein Möbelhaus auf der grünen Wiese. Wer bei Ikea online shoppen will, merkt schnell, wo das Kerngeschäft der Schweden liegt: Nicht alle Möbel können im Netz bestellt werden und die Versandgebühren sind saftig. Für ein Paket bis maximal 30 Kilogramm werden 6,90 Euro fällig. Alles, was schwerer und sperrig ist, wird teurer. Gestaffelt zum Warenwert kann die Lieferung bis zu 149 Euro betragen. Zum Vergleich: Home24 liefert kostenlos innerhalb Deutschlands. Ikea setzt lieber weiter auf Filialen - der Online-Shop ist ein Zusatzgeschäft, nicht die Zukunft. "Für Ikea hat E-Commerce bisher keine Bedeutung", schreibt Alexander Graf, Experte für den Online-Verkauf, in seinem Blog. "Der Umsatz ist zwar erheblich gewachsen, aber gemessen am Potential ist er immer noch sehr gering und mehr oder weniger auf dem Niveau einer großen Filiale."

Möbelhaus statt Online-Einkauf

Ikea setzt auf reale Möbelhäuser, erweitert hier aber die Strategie. Mit den ersten innerstädtischen Filialen wollen die Schweden das veränderte Kaufverhalten der Menschen bedienen. Das Netz als Neuausrichtung scheint dabei nur eine kleine Rolle zu spielen. "Das Einrichtungshaus hat nichts von seiner Bedeutung eingebüßt, aber der Kunde entscheidet, wie und von wo aus er einkauft", wird der Chef von Ikea Deutschland, Peter Betzel, im Geschäftsbericht zitiert. Sollte das künftig verstärkt im Internet passieren, brechen für Ikea harte Zeiten an.  

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