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Ikea, Höffner und Co.: So wird für Billig-Möbel die Umwelt zerstört

Ikea, Höffner und Co. verkaufen Stühle, Schränke und Tische für wenige Euro. Die Möbel-Schnäppchen haben aber ihren Preis: Die Natur wird ausgebeutet und Möbelfabrikarbeiter erhalten Hungerlöhne.

Möbelkauf in Deutschland: Vor allem günstig müssen Tische, Stühle und Schränke sein.

Möbelkauf in Deutschland: Vor allem günstig müssen Tische, Stühle und Schränke sein.

An den Wochenenden staut sich der Verkehr schon vor dem Parkplatz. Wer an einem Samstag in eines der Discounter-Möbelhäuser in Deutschland will, muss Zeit mitbringen. Von Flensburg bis zum Bodensee stehen außerhalb der Dörfer und Städte auf der grünen Wiese die gigantischen Möbelhallen. Dort, bei Ikea, Höffner, Poco, Roller und Co., shoppt sich Deutschland neue Schränke, Betten und Esstische. Knapp 400 Euro gibt jeder im Jahr für neue Möbel aus. Doch die vermeintlichen Schnäppchen haben ihren Preis: Statt Kiefernholz handelt es sich um tropische Hölzer. Das Gros des Holzbedarfs wird im Norden Russlands abgeholzt - eine Katastrophe für die Umwelt. Und in den Möbelfabriken Osteuropas schuften Menschen für einen Hungerlohn. Eine ZDF-Dokumentation geht der Frage auf den Grund: Woher kommen eigentlich unsere Billigmöbel?

Michael Höft, Autor der ZDF-Doku, besuchte Deutschlands Discounter-Möbelhäuser. Beim Marktführer Ikea hat es der Kunde leicht, wenn er wissen will, wo die Möbel herkommen. Der schwedische Konzern nennt den Herstellungsort aller Produkte auf der Verpackung. Bei Möbel Höffner, der Nummer 2 der Einrichtungshäuser in Deutschland, wird es schon unklarer für den Verbraucher, denn auf dem Etikett steht nichts zur Herkunft. Der Chef des Möbelhauses, Michael Legrum, erklärt, dass ein Großteil der Hölzer in Europa abgeholzt wurden. Das sei seit Jahren schon Standard, sagt Legrum. Also alles in Ordnung?

Gerald Koch ist Holz-Experte vom Hamburger Thünen-Institut. Er hat für das ZDF Möbelstücke von Höffner und Ikea gecheckt.

Gerald Koch ist Holz-Experte vom Hamburger Thünen-Institut. Er hat für das ZDF Möbelstücke von Höffner und Ikea gecheckt.

Holzanalyse mit Überraschung

Für die Doku wird das Holz von Stühlen analysiert, die bei Ikea und Höffner eingekauft wurden. Während es sich bei dem Stuhl des schwedischen Möbelhauses tatsächlich um einen Kiefernstuhl handelt, besteht der Höffner-Stuhl aus unterschiedlichen Hölzern. Und das ist nicht nur Kundentäuschung. Denn offenbar stammen Teile der verwendeten Hölzer aus dem subtropischen Raum, andere stammen von uralten Bäumen. "Für einen 'billigen' Stuhl ist das viel zu schade", urteilt Holz-Experte Gerald Koch.

Wann ist Abholzung nachhaltig?

Vor allem die borealen Wälder, ein Waldgebiet, das sich quer durch Nordeuropa von Skandinavien bis nach Sibirien zieht, seien wichtiger Holzlieferant für die Discount-Möbel. Doch die Nadelwaldzone ist in Gefahr. Ein Umweltschützer von Greenpeace mahnt, dass sich zwingend etwas ändern müsse, sonst "haben wir hier in zehn Jahren ein riesiges Problem". Dabei ist die Abholzung vollkommen legal. Mitunter würde sogar das FSC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft verliehen. Doch dafür reicht es aus, wenn nur 70 Prozent des Holzes nachhaltig abgeholzt und aufgeforstet wird - woher die übrigen 30 Prozent stammen, ist egal.

Auch Ikea lässt in Russland produzieren, kauft hier das Holz für Stühle und Co. ein. In einer Fabrik berichtet der Chef stolz, dass allein dort rund 5000 Baumstämme täglich zu Möbeln verarbeitet werden. Die Bäume seien zwischen 90 und 120 Jahre alt, das übliche Alter in Russland, um einen Baum zu fällen. Geschätzt produziert Ikea weltweit 100 Millionen Möbelstücke pro Jahr.

Einer der größten Möbelprduzenten Europas ist Rumänien. Rund ein Viertel der rumänischen Möbelproduktion wird nach Deutschland geliefert. Doch die Branche ist verschwiegen. Die Geschäftsführer der größten Fabriken wollen dem Kamerateam kein Interview geben. "Warum sind Möbel so ein Geheimnis?", fragt der Autor nach. "Es ist unser Geheimnis", wird er abgebügelt. Das Gespräch ist zu Ende.

Doch ein Betriebsrat spricht mit dem ZDF-Team. Er erzählt von Ausbeutung. Zwischen 160 bis 350 Euro monaltlich verdiene ein Fabrikarbeiter, je nach Qualifikation. Zwar würden einmal im Jahr Kontrolleure von Ikea vorbei kommen. Doch sie würden nur die Qualität der Möbel checken - für die Entlohnung der Mitarbeiter in den Fabriken interessieren sie sich nicht. Auch Höffner lässt in Rumänien produzieren.

Shoppingtour bei Ikea: Ein Echtholztisch für 20 Euro? Ein ZDF-Reporter-Team hat sich an die Spuren des Holzes gehängt.

Shoppingtour bei Ikea: Ein Echtholztisch für 20 Euro? Ein ZDF-Reporter-Team hat sich an die Spuren des Holzes gehängt.

So reagieren die Möbelhäuser

Die Dokumentation zeichnet ein düsteres Bild der Holzbranche in Europa. Ein Geflecht aus Firmen macht eine Überprüfung der Handelswege vom Baum bis zum fertigen Tisch schwierig. Doch zwei Opfer fordert der enorme Preisdruck bei Möbeln: Die Umwelt und die Menschen.

Das Kamerateam konfrontiert Ikea mit den Ergebnissen. Man habe ein engmaschiges Netz aufgespannt, sagt der Nachhaltigkeitsmanager Ulf Wenzig. Doch über Lohndumping sei ihm nichts bekannt. Zu den Rechercheergebnissen des Reporterteams sagte er, dass diese Vorwürfe erst geprüft werden müssten. Möbel Höffner lehnt Interviewanfragen ab. Auch schriftlich gibt es keine Antworten.

Katharina Grimm
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.