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Chur: Job für Teufelsaustreiber - Schweizer Bistum sucht Exorzisten

Das Bistum in Chur sucht einen neuen Exorzisten, der künftig bei den Gläubigen Dämonen austreibt und sie von Besessenheit kuriert. Die Stadt in der Schweiz gilt als "Eldorado des Exorzismus" - und auch landesweit nehmen die Teufelsaustreibungen zu.

Das Bistum Chur in der Schweiz

Das Bistum Chur in der Schweiz sucht einen neuen Exorzisten

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Exorzismus - das klingt nach gruseligen Ritualen aus dem Mittelalter. Doch in der Schweiz sind Teufelsaustreibungen noch immer Alltag. Bischofsvikar Christoph Casetti, der am 9. Februar 2020 im Alter von 76 Jahren verstarb, war einer der bekanntesten Exorzisten im Land - wobei er selbst lieber von "Heilungs- und Befreiungsdienst" sprach. Mit seinem Tod sucht das Bistum Chur nun einen neuen Teufelaustreiber. Die Exorzistenstelle bei ihnen sei "momentan vakant", so der Medienbeauftragte des Bistums Chur.

Rituelle Austreibungen von Dämonen oder dem Teufel sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Laut dem "SRF" würden jährlich bei den Schweizer Kirchen rund 1300 Exorzismen durchgeführt. Laut der evangelischen Beratungsstelle "Relinfo" hat sich die Zahl der Teufelsaustreibungen in der Schweiz zwischen 2012 und 2017 verdreifacht. "Chur ist das Eldorado des Exorzismus im deutschsprachigen Raum", sagt Georg Schmid von "Relinfo". Er ist erste Anlaufstelle für Menschen, die sich über Exorzismus informieren wollen oder schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Chur sei zu einem "Pilgerort für Menschen, die Exorzismen suchen" geworden, berichtet er. Der katholische Theologe Markus Arnold sieht die Position Churs bei Teufelsaustreibungen mit Sorge. Das Bistum habe ein sehr hierarchisches und entmündigendes Menschenbild in Chur vermittelt, kritisierte er 2017. Das Bistum wies die Vorwürfe zurück. "Exorzismus gehört eigentlich zur Aufgabe aller Bischöfe, grundsätzlich. Dass sie eine Anlaufstelle haben für Leute mit solchen Problemen", sagte 2017 der jüngst verstorbene Casetti zum "SRF". 

Casetti hatte Exorzismen immer verteidigt. Die Teufelsaustreibung gehöre zur katholischen Kirche. "Wenn man davon ausgeht, dass es die widergöttlichen Mächte gibt, ist er in jedem Jahrhundert nötig", so Casetti damals weiter.

Exorzismus: Besessen vom Teufel

Besessenheit vom Teufel zeigt sich angeblich auf unterschiedlichen Wegen: Einige sprechen plötzlich fremde Sprachen, können Ereignisse in der Zukunft sehen und reagieren panisch und ablehnend auf geweihte Gegenstände und Orte. Auch körperliches Zappeln oder immense Kräfte können auf den Teufel hinweisen. Exorzismen dürfen nur von ausgebildeten Priestern und "mit ausdrücklicher Erlaubnis des Bischofs durchgeführt werden", so ein Sprecher des Bistums Basel zum "Tagesanzeiger". Dabei folgen die gläubigen Männer einem strengen Ritual mit Gebeten und Segnungen. "Was ich gerne verwende, ist ein Kruzifix", sagte Casetti zum "SRF". Auch Weihwasser gehöre dazu. 

Collage: Erschrockene Gesichter, Clown

"Die Anfragen für Teufelsaustreibungen nehmen zu", so Casetti damals weiter. "Immer mehr Gläubige melden sich aus dem Ausland, hauptsächlich aus Deutschland, weil die Diözesen dort offiziell eher zurückhaltend sind im Befreiungsdienst." Als Grund dafür nannte Casetti den Fall von Anneliese Michel aus dem Jahr 1976. Die epilepsiekranke Pädagogikstudentin glaubte, vom Teufel besessen zu sein. Insgesamt 67 Mal sollen zwei Priester den großen Exorzismus durchgeführt haben, die junge Frau verstarb an extremer Unterernährung. Der Fall gelangte an die Öffentlichkeit und sorgte für Diskussionen, auch in der katholischen Kirche.

kg